Marvels's The Avengers

Marvels's The Avengers
Seit der Jahrhundertwende erleben Comic-Verfilmungen einen Aufschwung. Mittels einer Technik, die im Computer erzeugte Bilder mit konventionell gedrehten Szenen nahtlos verknüpft, so dass schier unmögliche Welten natürlich wirken, können die in den Vereinigten Staaten ungeheuer populären Comichelden von realen Schauspielern auf der großen Leinwand zum Leben erweckt werden.
Filmische Qualität: 3,5 von 5 Punkten
Regie: Joss Whedon
Darsteller: Robert Downey Jr., Chris Evans, Mark Ruffalo, Chris Hemsworth, Scarlett Johansson, Jeremy Renner, Tom Hiddleston, Samuel L. Jackson
Land, Jahr: USA 2012
Laufzeit: 142 Minuten
Genre: Fantasy
Publikum: Jugendliche (FSK: ab 12 Jahren)
Einschränkungen: --

Rezension: JOSÉ GARCÍA - www.textezumfilm.de

Setzt Warner als Rechteinhaber von „DC Comics“ insbesondere auf Batman – nach „Batman Begins“ (2005) und „The Dark Knight“ (2008) soll der Abschluss von Christopher Nolans Trilogie „The Dark Knight Rises“ noch im Juli starten –, so verfolgt die Filmabteilung des Comic-Verlags „Marvel Enterprises“ eine zweigleisige Strategie: Einerseits mit Filmen über einzelne Helden, wobei etwa die vierte Spiderman-Folge „The Amazing Spider-Man“ ebenfalls im Juli auf die Kinoleinwand kommen soll, andererseits aber mit dem Kollektiv-Actionfilm „Marvel’s The Avengers“, in dem sich basierend auf der ab 1963 von Stan Lee und Jack Kirby entwickelte Comic-Serie „The Avengers“ („Die Rächer“) erstmals mehrere Marvel-Helden gegen einen Bösewicht zusammenschließen.
Die von Drehbuchautor und Regisseur Joss Whedon erdachte Handlung passt ins Bild solcher Comic-Verfilmungen, die vor allem auf Action setzen: Der böse Halbgott Loki (Tom Hiddleston) bemächtigt sich eines kosmischen Energiewürfels, der eine Art Sternentor öffnet, durch das der Übeltäter eine ganze Alien-Armee auf die Erde kommen lassen kann, um sie zu unterwerfen. Einer solchen Übermacht kann kein einzelner Held begegnen. Deshalb entscheidet sich der Direktor der geheimen Organisation S.H.I.E.L.D. Nick Fury (Samuel Jackson), gleich mehrere Superhelden zusammenzutrommeln.
Dramaturgisch bedeutet dies, dass die einzelnen Figuren hintereinander eingeführt werden, so etwa Black Widow (Scarlett Johansson) in Russland, Dr. Banner/Hulk (Mark Ruffalo) in Indien oder auch Captain America (Chris Evans), der aus einem 60-jährigen Tiefschlaf herausgeholt wird. Dazu kommt noch Iron Man (Robert Downey Jr.) sowie Thor (Chris Hemsworth), der seinen Halbbruder Loki zunächst einmal auf eigene Faust gefangen nehmen möchte. Es fehlt noch der sechste im Bunde, Hawkeye (Jeremy Renner), der allerdings zuerst von Loki zusammen mit dem Wissenschaftler Dr. Erik Selvig (Stellan Skarsgård) auf die dunkle Seite der Macht gezogen wird. Dieser erste Akt von „Marvel’s The Avengers“ fällt für das Genre verhältnismäßig gemächlich aus – lediglich der Höhepunkt, bei dem die drei Kraftprotze Iron Man, Thor und Hulk gegeneinander ihre Kräfte messen, stellt unter Beweis, was für ein Feuerwerk Spezialeffekte in einer Comicverfilmung entfachen können.
Erst als Lokis Bedrohung in Form von aus einer anderen Welt einfallenden Aliens konkret wird, zeigen sich die Superhelden bereit, zusammenzuarbeiten. Nicht aber, ohne sich vorher eine ganze Reihe Wortgefechte geliefert zu haben. Die einem solchen verbalen Kräftemessen innewohnende (Selbst-)Ironie stellt sich als weiteres Merkmal in der Inszenierung von Joss Whedon heraus. Als schließlich alle Helden unter Verwendung von bombastischer Musik zusammenkommen, steht es der Materialschlacht nichts mehr im Wege. Obwohl solche Kampfszenen aus etlichen Filmen durchaus bekannt sind, beweist Whedon bei der Inszenierung solcher Massenszenen, zunächst in Stuttgart, dann mitten in New York, aber auch etwa bei der Verwandlung eines Flugzeigträgers in einen gigantischen Flugkörper, eine sichere Hand: Gekonnt choreographiert der Regisseur die Kampfszenen und verwebt meisterhaft Realaction mit „CGI“ (Computer Generated Images).
Gelingt es Joss Whedon, nicht nur den Erzählrhythmus wohldosiert immer mehr zu steigern, sondern auch in der komplexen Figurenkonstellation das Gleichgewicht zu halten, so geht dies auf Kosten einerseits der Handlung, andererseits aber auch der Figurenzeichnung, die in anderen Comic-Verfilmungen von „Spider-Man“ über „Batman“ bis „Iron Man“ häufig im Mittelpunkt steht. Wie sehr „Marvel’s The Avengers“ diesbezüglich an der gewiss ansprechenden Oberfläche haften bleibt, zeigt etwa die Figur von Captain America. Um die Veränderungen in den sechzig Jahren, die er im Eis verbracht hatte, in Szene zu setzen, lassen ihn die Filmemacher nicht nur blasser als die anderen erscheinen. Außerdem trägt er, sofern er nicht in seinem Helden-Kostüm erscheint, betont altmodische Kleidung. Darüber hinaus staunt Captain America immer wieder über die ihm keineswegs vertraute Technik und deren Bezeichnungen – was auch als eine Quelle für Gags benutzt wird.
Nur eins fällt ihm, dem Offizier aus dem Zweiten Weltkrieg, nicht auf: die große Anzahl Frauen in verantwortlichen Positionen in der Kommandobrücke des S.H.I.E.L.D.-Flugkörpers. Dennoch: Für die Fans von Comic-Verfilmungen stellt „Marvel’s The Avengers“ wegen der hervorragend inszenierten Action und des durchgängigen Humors seiner Helden sicherlich in Sachen Unterhaltung einen Höhepunkt des Kinojahres dar.

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