Viele Krippenplätze haben eine schlechte Qualität

Wie das „Familiennetzwerk“ mitteilt, ist seit der Verabschiedung des TAG (Tagesbetreuungsausbaugesetz) im Januar 2005 die Zahl der in Krippen betreuten Kleinkinder von rund 60.000 auf 251.000 (Stand 15.3.06) gestiegen. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Bis 2010 sollen es 290.000 sein. Die Qualität der Betreuungsplätze hat mit dem Quantensprung bei der Erweiterung jedoch nicht Schritt gehalten.
Es gibt weiterhin keinen gesetzlich geregelten Betreuungsschlüssel, es fehlt an der nötigen Betreuungskonstanz für Kleinkinder in den Krippen. Die Finanzierung weiterer 500.000 Plätze, wie sie die Bundesfamilienministerin fordert, selbst mit gleich schlechter Qualität, ist ungewiss. Einstiegs-Investitionen von 8,3 Milliarden und jährliche Betriebskosten von ca. 9 Milliarden sind aufzubringen, ohne damit auch nur einen Euro in die Verbesserung der Qualität gegeben zu haben. Für einen Qualitätssprung wären aber mindestens 200.000 neue Erzieherinnen nötig, für die es derzeit keine ausreichenden Ausbildungsplätze, beispielsweise an Fachhochschulen gibt.

Krippenerziehung ist Risikoerziehung

Laut der in jüngster Zeit viel zitierten amerikanischen NICHD-Studie ist Krippenerziehung Risikoerziehung. Bei der außerhäuslichen Betreuung ist der Tagespflege durch Tagesmütter eindeutig der Vorrang gegenüber der Krippe zu geben.
Fremdbetreuung durch Tagesmütter ist für Kinder eine verträglichere Betreuungsform, sie erlaubt mehr Flexibilität für die Familien und das Angebot wird sich auf dem Betreuungsmarkt von selbst am tatsächlichen Bedarf ausrichten.
Individuelle Zuwendung statt Gruppenbetreuung
Die skandinavischen Länder und Frankreich setzen verstärkt auf individuelle Zuwendung statt auf Betreuung in einer größeren Gruppe. In diesen Ländern werden mehr als 90 Prozent der Kleinkinder privat betreut. Es gibt in Frankreich 780.000 staatlich anerkannte Tagesmütter für Kinder unter sechs Jahren, nur neun Prozent der Kinder besuchen eine Krippe.
Die Reformschritte von 2004 ermöglichen den Familien in Frankreich Wahlfreiheit durch finanzielle Anerkennung der häuslichen Erziehung. In Deutschland setzt inzwischen der Freistaat Thüringen auf dieses Konzept und erweitert die finanzielle Basis für die Wahlfreiheit der Eltern.
Mit finanzieller Wahlfreiheit und Ausbau des Tagesmütternetzes folgen die skandinavischen Länder und Frankreich. So schaffen sie auch eine für Familien flexiblere und für den Staat kostengünstigere Option, die außerdem den Vorteil hat, der demographischen Entwicklung ohne Investitionsverluste leicht angepasst werden zu können.
Taxonomy upgrade extras: