Frauenidentität und Familienkultur

Frauenidentität und Familienkultur
Am 8./9. Dezember fand in Wien eine Tagung der Initiative "F21" (Frauen des 21. Jahrhunderts) statt. Veranstalter waren das "Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik", das "Institut für Ehe und Familie" sowie die "Gesellschaft für Familienorientierung". Unsere Mitarbeiterin Helen Lempert war vor Ort und hat die Veranstaltung beobachtet.
Der wesentliche Kern der Tagung bestand in der Präsentation und Diskussion der Ergebnisse der neun Arbeitskreise der Initiative F21. Diese Ergebnisse lagen in Kurzfassung allen Tagungsteilnehmern vor. Sie waren zusammengefasst in einem „Grundsatzpapier“, das ebenfalls in einer vorläufigen Fassung unter dem Datum 5.12.06 den Tagungsunterlagen beigefügt war.
Die Einleitung erfolgte in Form eines Matinees durch Burgschauspieler Michael und Claudia König. Sie trugen gekonnt und unterhaltsam Literaturbeispiele zum Tagungsthema quer durch die Literaturgeschichte vor. Zur musikalischen Umrahmung trug Marie Spaemann, die Tochter des bekannten Philosophen, auf dem Cello bei. Dies war ein sehr gelungener Einstieg in das Tagungsthema.
Die Präsentation der Ergebnisse der neun Arbeitskreise erfolgte in drei großen Blöcken. Es folgten jeweils 45-Minuten Referate, die auf die vorausgehenden Präsentationen inhaltlich bezogen waren. Dabei unterschieden sich die Referenten deutlich hinsichtlich der Qualität ihrer Beiträge.
Carina Kerschbaumer (Kleine Zeitung Graz) trug wenig strukturiert und sehr allgemein ihre Gedanken zum Thema „Das Frauenbild der Zukunft: Emanzipation von der Emanzipation?“ vor. Ihre Aussage stellte die Emanzipationsbewegung der letzten 30 Jahre als im Grunde positiv dar, kritisierte aber den feministischen Radikalismus á la Alice Schwarzer.
Doraja Eberle (Landesrätin für Familie, Salzburg) referierte überzeugend aus ihrer Erfahrung als ehemalige Sozialarbeiterin über „Eckpunkte einer zukunftsträchtigen Frauen- und Familienpolitik“. Sie vertrat sehr engagiert den Standpunkt, Familie und Kinder müssten durch eine stärkere Förderung des Staates wirtschaftlich besser unterstützt werden. Sie kritisierte allerdings konkret an vielen Beispielen, dass ihre Forderungen seitens der Politik wenig Unterstützung finde.
Christof Gaspari ( Journalist, Vision 2000, Wien) referierte unter dem provozierenden Titel „Eins plus Eins sind Eins“. Er stellte in einem gut gegliederten Vortrag die spezifischen Fähigkeiten und Begabungen von Frau und Mann als je besondere Auszeichnungen heraus. Die gegenseitige Ergänzung der als komplementär dargestellten Fähigkeiten der unterschiedlichen Geschlechter in der Ehe stellte er überzeugend als Ideal dar. Dies illustrierte er an zahlreichen Beispielen.
Holger Bertrand Flöttmann (Leiter des Wilhelm-Griesinger-Instituts für Psychotherapie und Psychosomatik, Kiel) hielt ein Referat zu dem Thema „Frauenidentität und Kinderwunsch“. Er hatte bereits mehrfach mit Zwischenäußerungen zu Herrn Gaspari während dessen Vortrags eingegriffen, was vom Publikum eher als störend empfunden wurde. Seine impulsive Art fand auch bei seinem eigenen Vortrag und der späteren Podiumsdiskussion wenig Zustimmung. Seine Gedanken lehnten sich eng an die seines Vorredners Gaspari an. Auch er unterstrich vehement die besonderen Begabungen der Frau hinsichtlich der Familie und entwickelte auf dieser Grundlage ein Leitbild der Frau, das identitätsstiftend sei. Das Publikum konnte er nur teilweise überzeugen.
Zur Bündelung der vorgetragenen Standpunkte waren zwei Podiumsdiskussionen geschickt eingeplant und gaben Gelegenheit einer Vertiefung und Festigung der Thematik.
Die Tagung insgesamt war professionell geplant und durchgeführt. Der Wechsel von Präsentationen, Referaten und Podiumsdiskussionen, unterbrochen von mehreren Pausen, in denen für das leibliche Wohl der Teilnehmer großzügig gesorgt war, sicherte die Aufmerksamkeit über den gesamten Verlauf. Die Resonanz war sehr positiv. Die Teilnahme war sehr lohnend.
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Links
>IMABE, Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik (www.imabe.org)
>IEF, Institut für Ehe und Familie (www.ief.at)
>GFO, Gesellschaft für Familienorientierung (www.familienorientierung.at)
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