Boom der Privatschulen

In Hamburg spricht man in der regierenden CDU inzwischen von einem „Boom der Privatschulen“ . Das jüngste Projekt, das sich nach relativ kurzer Planungszeit realisiert, ist die „Evangelische Schule Blankenese“. Sie hofft schon im Sommer 2007 an den Start gehen zu können. Das liegt zum einen an einem großzügigen Spender, der mehrere Millionen Euro zur Verfügung stellt; zum anderen an der tatkräftigen Unterstützung der Blankeneser Schulinitiative durch Mitglieder des evangelischen Johanniterordens in Hamburg.
Auf einer Informationsveranstaltung in der Blankeneser Kirche, am Donnerstag, dem 17. November, , informierte der Schulverein vor mehr als 250 Zuhörern über seine Pläne. Die Schule soll „evangelisch“ sein, d. h. christliche Werte vermitteln und eng mit der Kirchengemeinde zusammen arbeiten.
Bei den Eltern kommt besonders gut das Konzept der Ganztagsschule und der Reformpädagogik an. Denn diese erhoffen sich für ihre Kinder eine optimale Förderung und Betreuung. Dafür wird ein Schulgeld von 90 € im Monat zuzüglich 50 € für das Mittagessen in Kauf genommen. Stipendien für Kinder aus ärmeren Familien sollen großzügig vom Schulverein gewährt werden.
Bereits über 1000 evangelische Schulen
Das hohe Interesse an dem Blankeneser Schulprojekt ist kein Einzelfall. Die öffentlichen Debatten um die Qualität des deutschen Schulwesens (PISA-Studien) und um die zurückgehende Vermittlung christlicher Werteordnung haben ein starkes Interesse an christlichen Schulen in privater Trägerschaft hervorgebracht.
Im Jahre 2005 wurden in Deutschland bereits über 70.000 Schüler an mehr als 1.000 evangelischen Schulen unterrichtet. In Ostdeutschland sind seit der Wende allein etwa 100 neue protestantische Schulen entstanden, wie Prof. Schwerin (Ev. Schulstiftung) jüngst in Hamburg berichtete.
"Schule unterm Kirchturm"
Nachdem es bereits mehrere Grundschulen in konfessioneller Trägerschaft im Hamburger Westen gibt, entsteht nun die erste weiterführende Schule. Sie ins Leben zu rufen, ist das Ziel des Vereins „Evangelische Schule Blankenese e.V.“. Diese „Schule unterm Kirchturm“ setzt neben einer fundierten Wissensvermittlung auch auf den praktizierten Glauben.
Auf diese Weise sollen junge Menschen – unabhängig von Herkunft und Elterneinkommen – eine Ausbildung erhalten, die im Alltag als Maßstab und Antrieb für das eigene Handeln dient. Die Jugendlichen können das staatlich anerkannte Abitur sowie einen Haupt- oder Realschulabschluss absolvieren.
Eine Schule für alle
Die Schule soll offen sein für Kinder und Jugendliche aller christlichen Konfessionen, für Angehörige anderer Religionen und für nicht religiös Gebundene. In enger Kooperation mit der ev. Kirchengemeinde Blankenese sollen Schüler einen theoretischen und praktischen Austausch religiöser und diakonischer Erfahrungen sammeln können.
Der christliche Religionsunterricht ist fester Bestandteil des Stundenplans, was in Hamburgs Schulen sonst nicht üblich ist.
Darüber hinaus soll das evangelische Profil in angemessener Form durch das Betrachten ethischer Konsequenzen, geschichtlicher Bezüge, durch Toleranz und Dialog geprägt sein.
Als Ganztagsschule gibt man hier eine Antwort auf die Veränderungen in der Gesellschaft und fördert die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familie. Der Schulunterricht folgt erprobten und anerkannten reformpädagogischen Konzepten, die eigenverantwortliches und soziales Lernen begünstigen.
Den eigentlichen Schulbetrieb wird voraussichtlich die Evangelische Stiftung Alsterdorf verantworten, eine bekannte Hamburger Schulträgerin, zu der die „Bugenhagenschulen“ gehören, benannt nach dem Vorkämpfer des evangelischen Schulwesens aus der Reformationszeit.
Weitere Informationen: www.evangelische-schule-blankenese.de
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Kommentare

In diesem Artikel wird ein "Christlicher Religionsunterricht" erwähnt. Ist das eine neue Form? Bisher kannte ich nur den konfessionellen Unterricht. Gerade an evangelischen Schulen - so jedenfalls meine Erfahrung - gibt es nur evangelischen Unterricht. In katholischen hat man wohl auch immer evangelischen Unterricht. Würde mich interessieren.

Carla Springstein

In Hamburg entsteht im Gegenüber zum diskutierten "islamischen Religionsunterricht" derzeit die Rede von einem "christlichen Religionsunterricht".
Die Initiatoren dieses Schulprojektes betonen ausdrücklich, dass sie an den alten konfessionellen Gegensätzen des 16. Jahrhunderts nicht mehr festhalten wollen.

In einer Stadt wie Hamburg, wo nur noch knapp 50 % der Bürger Mitglieder eine der christlichen Konfessionen und Kirchen sind, scheint das wenig sinnreich.
Die Kirchen sehen sich vielmehr - im Sinne einer guten Konkurrenz - herausgefordert ihr christliches Profil, im Gegenüber zu islamischen und anderen Anschauungen, zu zeigen und dies auch in einer Schule zu vermitteln.

Daher soll es keine getrennten Fächer für evangelischen und katholischen Religionsunterricht mehr geben. Vorerst wären auch Moslems hier eingeladen, solange es noch keinen islamischen Unterricht gibt.
Hier steht, wie bei jeder Schulstunde, der Bildungsaspekt im Vordergrund. Der ausgesprochene katechetische Aspekt, der Vermittlung von Glauben, bleibt weiterhin den Kirchengemeinden vorbehalten.

Dr. Hinrich E. Bues

Ganz herzlichen Dank für Ihre Erläuerungen.

Carla Springstein