Schulzwang statt Homeschooling?

Schulzwang statt Homeschooling?
Der spektakuläre Fall eines Hamburger Ehepaares mit sechs Kindern, die sich weigern, ihre Kinder einem staatlichen oder privaten Schulsystem anzuvertrauen, erregt inzwischen bundesweites Aufsehen. Nachdem der Ehemann André R. eine Woche in Beugehaft saß, hat die Familie Hamburg verlassen und in Österreich Zuflucht gefunden. Sie will damit dem laufenden Verfahren auf Entzug des Sorgerechts entgehen. Doch warum reagieren die Hamburger Behörden in dieser Schärfe?
Vor einiger Zeit machte der Hungertod der siebenjährigen Jessica Schlagzeilen, die von ihren eigenen Eltern vernachlässigt worden war und nicht die Schule besucht hatte. Um solche Fälle in Zukunft zu verhindern, führte man vor gut einem Jahr in Hamburg den „Schulzwang“ ein: Mit Hilfe der Gerichte und der Polizei sollte die Schulbehörde die Möglichkeit erhalten, vernachlässigte Kinder auch zwangsweise der Schulpflicht zuzuführen.
In 23 Fällen hat man im vergangenen Schuljahr dieses Mittel angewandt. In der Hälfte der Fälle handelte es sich dabei aber um Sozialbetrüger, die nicht existente Kinder bei der Behörde angegeben hatten. In der anderen Hälfte folgten die betroffenen Eltern den behördlichen Aufforderungen ohne besonderen Widerstand. Beim Ehepaar R. wird aber die Schulzwang-Verordnung angewendet, obwohl der Fall auf Grund der religiösen Motivation zur Schulverweigerung völlig anders ist.
Die Hamburger Schulbehörde findet mit ihrer strengen Haltung in der Öffentlichkeit wenig Unterstützung. Eine Minderheit in den Leserbriefen im „Hamburger Abendblatt“ weist zwar darauf hin, man müsse sich der „Realität“ und der „Normalität“ des Lebens stellen. Die große Mehrheit aber findet Verständnis für das Anliegen von Homeschooling, weil das Elternrecht auf Erziehung geschützt werden müsse und die „Realität“ in den Schulen derartig schlimm sei.
Angesichts von Drogenhandel, Gewalt, verfehlter Sexualerziehung und schlechtem Unterricht an staatlichen Schulen sehen sich immer mehr Eltern nach Alternativen um.
Die Wartelisten an den konfessionellen Schulen werden daher derzeit immer länger. Viele neue private Schulprojekte sind in Planung. Der Kern des Problems scheint zu sein, dass Eltern ihr grundgesetzlich verbrieftes Recht auf Erziehung ihrer Kinder im Widerspruch zu den teilweise miserablen Angeboten des staatlichen Erziehungssystems sehen.
Wenn jetzt genau dieses staatliche System mit Polizei, Beugehaft und Entzug des Sorgerechts der Eltern auf diese Missstände reagiert, muss das Empörung auslösen. Der Alternative von Homeschooling beschert das allerdings eine unerwartete Publicity.
Ist Homeschooling in Deutschland eine Alternative?
Bisher gibt es damit kaum Erfahrungen. Schätzungsweise einige hundert Eltern praktizieren dies mehr oder minder im Verborgenen. Anders ist dies in Nachbarländern wie Österreich oder Dänemark und in den USA. Hier gibt es vielfältige Erfahrungen, wie man den privaten Unterricht, den Eltern im Sinne ihres Erziehungsauftrages ihren Kindern erteilen wollen, sinnvoll gestalten kann. Anstatt mit staatlichen Gewaltmitteln zu reagieren und so eine kinderreiche Familie zur Auswanderung zu zwingen, wäre es sinnvoller, den Bildungszweig des Homeschooling zu erforschen, um ihn schließlich unter staatlicher Lernkontrolle auch in Deutschland zu ermöglichen.
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Kommentare

Der Schulzwang wurde von den großen "Vordenkern" Mussolini und Hitler eingeführt.
Hoffentlich bleibt er uns noch lange erhalten, damit wir eine weiterhin gut nivellierte Einheitsarbeiterklasse in Deutschland halten können.
Wir brauchen schließlich keine mündigen Bürger, sondern williges Stimmvieh um den richtigen Weg zurück in die Diktatur zu finden.

Bildungszwang bringt gar nichts auf diesem Weg, Menschen müssen zum Stillsitzen in der Schule gezwungen werden. Dafür ist der Schulzwang das richtige Mittel. Schließlich wollen wir auch mit China weiterhin auf Augenhöhe reden.