Rezension: Ab durch die Hecke

 Ab durch die Hecke
Im Animationsfilm spielen Tiere häufig die Hauptrollen, so zuletzt in „Ice Age 2 – Jetzt taut’s“. Bildete in den beiden „Ice Age“-Filmen ein Trio aus drei ungleichen Tiere eine Art Familienersatz, so wächst im neuen Animationsfilm aus dem DreamWorks-Studio „Ab durch die Hecke“ („Over The Hedge“) eine Gruppe von tierischen Außenseitern zu einer Familie zusammen: das Eichhörnchen Hammy, das Stinktier Stella, das Opossum Ozzie und seine halbwüchsige Tochter Heather sowie eine fünfköpfige Igelfamilie mit der Schildkröte Verne als dem akzeptierten Oberhaupt der Gemeinschaft.
Filmische Qualität: 3 von 5 Punkten
Regie: Tim Johnson, Kary Kirkpatrick
Darsteller (dt. Stimmen): Ralf Schmitz, Götz Otto, Jeanette Biedermann, Bernhard Hoëcker
Land, Jahr: USA 2006
Laufzeit: 83 Minuten
Genre: Animation
Publikum: alle (o.A.)
Einschränkungen: --

Rezension: JOSÉ GARCÍA - www.textezumfilm.de
Foto: © UIP

Als diese Waldtiere jedoch aus dem Winterschlaf erwachen, sehen sich von einer riesigen Buchsbaumhecke umzingelt. Sie wurde als Abgrenzung einer neu entstandenen Menschen-Vorstadt mit dem Namen „Suburbia“ errichtet. Der Waschbär Richie nutzt die Situation, um den verängstigten Waldtieren beizubringen, dass diese Siedlung keine Bedrohung, sondern ein Nahrungsparadies darstellt.
Allerdings wissen die niedlichen Tiere nicht, dass Richie seine eigenen Pläne verfolgt: Der Waschbär wurde von Grizzly-Bären Vincent erwischt, als Richie dessen Vorräte stehlen wollte. Dabei gingen diese verloren – Richie hat nur eine Woche, bis zum Vollmond, um die Nahrungsmittel wiederzubeschaffen. Mit etwas Überzeugungskunst – etwa durch die Geschmacksverstärker für Nacho-Kreationen – gelingt es Richie, die „Familie“ für seine Raubzüge in „Suburbia“ einzuspannen.
„Ab durch die Hecke“ bietet eine großartige Animation, insbesondere beim hyperaktiven Eichhörnchen Hammy, das freilich an Scrat erinnert, diese Mischung aus prähistorischer Ratte und Eichhörnchen aus „Ice Age“.
Mit „Ab durch die Hecke“ setzt DreamWorks andererseits den Trend fort, den das Animationsstudio mit „Madagascar“ eingeleitet hatte: Nachdem sich seine früheren Animationsfilme, etwa „Shrek“ oder zuletzt „Große Haie, kleine Fische“ eher an ein Erwachsenenpublikum gewandt hatte, kehrt das Studio zum altbewährten Prinzip des Zeichentrick- oder Animationsfilms für Kinder zurück. Verglichen mit dem Tiefgang der Animationsfilme aus dem Pixar-Studio „Findet Nemo“ oder „Die Unglaublichen“ wirkt jedoch das Drehbuch von „Ab durch die Hecke“ ziemlich oberflächlich.
Obwohl „Ab durch die Hecke“ durchaus erneut ironische Kritik an der Wegwerfgesellschaft übt – „wir essen um zu leben, die Menschen leben, um zu essen“, erklärt etwa Richie den verdutzten Waldtieren die Eigenarten des Menschen –, erschöpft sich diese in einem diffusen Gegensatz „Natur gegen Zivilisation“.
Den Pixar-Filmen „Findet Nemo“ und „Die Unglaublichen“ gelingt es, ihre familienfreundliche Botschaft in Bilder umzusetzen – erst aus Liebe zu ihrem Sohn Nemo überwindet Clownfisch Marlin seine Angst; erst die gesamte Familie besiegt in „Die Unglaublichen“ den bösen Widersacher. „Ab durch die Hecke“ behauptet es hingegen immer wieder mit Worten. Dass von der Familie so häufig die Rede ist, zeugt eher vom Unvermögen, diese Botschaft mit echt filmischen Mitteln auszudrücken.
Trotzdem ist „Ab durch die Hecke“ wie bereits der DreamWorks-Vorgänger „Madagascar” ein echter Familienfilm, der die unterschiedlichen Altersstufen anspricht: Die niedlich-kindlichen Tierfiguren, die mit rasantem Tempo erzählte Geschichte und der Slapstickhumor sprechen eher Kinder an. Obwohl spärlicher gesät als bei den Pixar-Filmen, findet sich in „Ab durch die Hecke“ allerdings auch eine Art Humor, der die begleitenden Eltern nicht unbedingt langweilen muss.

Taxonomy upgrade extras: