Der „No Gender December“ ein Thema für #firstworldproblem

von Tamara Rajakariar - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Der „No Gender December“ ist der Monat, in dem mit diversen Aktionen das Bewusstsein gegen ein „gegendertes Marketing“ von Kinderspielzeug geschärft werden soll. Mit dem Slogan: „Stereotypen haben unter meinem Weihnachtsbaum keinen Platz“, kann man auf einer speziell dafür eingerichteten virtuellen „Heldenplakatwand“ seine Nachricht hinterlassen, zu einer Tee-Runde einladen, um diese frohe Botschaft zu verbreiten, oder zu Demonstrationen aufrufen, damit das Parlament endlich Gesetze gegen ein „gegendertes Marketing“ von Kinderspielzeug beschließt.

Meiner Meinung nach ist die ganze Aktion ziemlich töricht, doch möchte ich den Organisatoren des „No Gender December“ nicht zu nahe treten. Jedenfalls habe ich verstanden, dass es um transparenteres Marketing geht. Kinder sollen die Möglichkeit haben, die Spielzeuge zu wählen, auf die sie gerade Lust haben und nicht durch eine Zuweisung in Girls- oder Boys-Abteilungen eingeschränkt werden. Doch sind solche Aktionen wirklich angemessen, angesichts einer Welt, die in vielen Regionen durch nackte Armut, verhungernde Kinder und ausgebeutete Frauen gezeichnet ist? Ich würde jedenfalls begrüßen, dass solche Probleme angegangen werden, bevor ich mein Geld für neutrales Spielzeug-Marketing vergeude. Vielleicht ist das einen Beitrag auf „#firstworldproblem“ wert?

Klar, ich weiß es schon, es geht nicht nur um Spielzeug. Es geht darum, Kinder zu ertüchtigen, als starke Individualisten heranzuwachsen, die sich nicht gesellschaftlichen Zwängen unterwerfen müssen. Doch warum spielt Gender dabei eine solche Rolle? Soll hier nicht eher die Botschaft verbreitet werden, dass Männlichkeit und Weiblichkeit bedeutungslos sind? Es ist doch eine Tatsache, dass wir entweder männlich oder weiblich geboren sind und dass es Eigenschaften gibt, die wir gemeinsam haben, aber auch solche, die uns voneinander unterscheiden. Die Natur trägt ebenso dazu bei wie die Erziehung und warum sollte das schlecht sein? Wir sollten vielmehr stolz auf die unverwechselbaren Eigenschaften sein, die uns zum Mann oder zur Frau machen. Vielleicht sollte man sich in dem Zusammenhang auch daran erinnern, dass das Sozialexperiment, bei dem ein Erwachsener versucht hat, ein genderfreies Kind heranzuziehen, erbärmlich gescheitert ist.

Für mich ist klar, dass Marketing zielgruppenorientiert und deshalb notwendigerweise auch geschlechtsspezifisch ist, doch halte ich dies für gerechtfertigt, weil Jungen oft anders als Mädchen spielen wollen. Fairerweise muss aber auch gesagt werden, dass es keine Regeln gibt, die Jungen verbieten, mit einer Puppe zu spielen, oder Mädchen einen Lego-Baukasten untersagen. So sollten eher die Eltern erzogen werden, die individuellen Wünsche ihrer Kinder zu erkennen.

Ein Beitrag in The Conversation bringt es auf den Punkt: Negativ gegenderte Stereotypen (Frauen sollten nicht außer Haus arbeiten, Männer sind schlechte Vollzeiterzieher, etc.) kommen selten auf, wenn Kinder den Beispielen folgen, die sie zu Hause sehen. Wenn Papa den Abwasch macht und Mama Reparaturen im Haus erledigt, bleibt das den Kindern nicht verborgen und sie werden darüber offen reden wollen.