Bildungspolitische Quadratur des Kreises

In diesem Jahr haben sich auf Kosten der Ober- und Gesamtschulen im Land Brandenburg 45,5 % der künftigen Siebtklässler für das Gymnasium entschieden.
Das Bildungsministerium mit Minister Rupprecht sieht Handlungsbedarf: Eignungstests oder Zugangsprüfungen sollen den Zugang zum Gymnasium erschweren.
Der Tagesspiegel meldet am 23.3.06: „Wir wollen, dass mehr Kinder als bisher das Abitur machen“, sagte SPD-Fraktionschef Günter Baaske. In den Koalitionsverhandlungen von SPD und CDU war als Ziel formuliert worden, dass langfristig gesehen 50 Prozent der Kinder zum Abitur geführt werden.
Gleichzeitig wird der Zugang zum Gymnasium aber nicht mehr automatisch für alle, die es wünschen, ermöglicht. Die Landesregierung sieht sich ebenso wie viele Bundes-Bildungs-Politiker von der Realität eingeholt: Wenn 1963 nur 4% eines Jahrgangs Abitur machten, war das sicher zu wenig und auf viele Faktoren zurückzuführen. Dass aber 50 Jahre später die Bevölkerung mehr als 10 mal so klug geworden sei, ist nur schwer anzunehmen.
Also konnte man das ehrgeizige Ziel (ist es wirklich zum Besten der Jugendlichen und zum Besten des Staates?), die Hälfte einer Generation mit dem Abitur zu beschenken, nur dadurch erreichen, dass die schulischen Anforderungen dem Ziel untergeordnet werden. Fahren wir wirklich besser damit, wenn wir künftig immer mehr Arbeitslose mit Abitur haben, die schon eine jahrelange Ausbildung hinter sich haben, evtl. noch mit anschließendem Studium? Brauchen wir nicht eine gewisse Zahl von sehr gut ausgebildeten Jugendlichen, die mit den internationalen Standards mithalten können?
Die Ankündigung von Bildungsminister Rupprecht könnte in diese Richtung gehen. An der Realität kann man auf Dauer nicht vorbei, dass nur ein leistungsstarkes Gymnasium Jugendlichen mit einem Abitur, das international etwas zählt, auch einen hoffnungsvollen Weg in die Berufswelt eröffnet. Dann muss allerdings die Marke 50% schnell nach unten korrigiert werden. Denn die Quadratur des Kreises wird auch in Brandenburg nicht gelingen.
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