Die Wertschätzung der Familie bleibt weiterhin hoch (2)

Die Wertschätzung der Familie bleibt weiterhin hoch (2)
Globale Daten belegen die universelle Akzeptanz der traditionellen Familie, wiewohl eine gewisse Erosion festzustellen ist. Im zweiten Teil des Artikels wertet Laurie deRose globale Statistiken zur Familienstruktur, Kindesentwicklung, Familienkultur und zum wirtschaftlichen Wohlergehen der Familien aus.
von Laurie deRose ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Link zum ersten Teil
Erster Teil

Ist die Ehe ein Auslaufmodell?

Ebenso häufig wie die Zustimmung zu der Aussage, dass Kinder Vater und Mutter brauchen, um glücklich zu sein, lehnen Erwachsene die Vorstellung ab, dass die Ehe ein Auslaufmodell sei. (siehe Tabelle 3, Datenreihe 2)
In keinem der 29 Länder war die Zustimmung geringer als 64% (Frankreich). Die Anteile lagen bei 70% bis 90% in beiden amerikanischen Kontinenten. Argentinien (70 %), Kanada (78 %), Chile (72 %), Kolumbien (75 %), Mexiko (71 %), and Peru (80 %). In den USA sind 87 % der Erwachsenen überzeugt, dass die Ehe nicht überflüssig sei.
In Europa lässt sich ebenso eine hohe Wertschätzung der Ehe feststellen. Frankreich bietet mit 64 %, gefolgt von Spanien (67 %), die geringste Akzeptanz, doch liegen die Werte in Deutschland (78 %), Schweden (78 %), und Großbritannien (74 %) deutlich höher. Mehr als 80 % setzen auf die Ehe in Italien (81 %), und mehr als 90 % in Polen (91 %).
Die Überzeugung, dass die Ehe bedeutsam ist, ist sogar in den meisten anderen Ländern noch stärker. Ägypten unterstützt (96 %) ebenso wie Saudi Arabien (83 %) die Ehe als Institution. In Afrika teilen 85% der Nigerianer diese Auffassung ebenso, wie 77% der Einwohner Südafrikas.
Auch in Asien wird der Ehebund hoch geschätzt: China (88 %), Indien (80 %), Indonesien (96 %), Japan (94 %), Malaysia (86 %), Philippinen (83 %), Süd Korea (87 %), Taiwan (89 %), Australien (82 %), and Neuseeland (85 %).
Es gibt weltweit Anzeichen für ein Nachlassen der Zustimmungsraten, doch ist dies weder universal, noch dramatisch. In Chile gab es zweistellige Rückgänge zwischen 1990 und 2006 (85 % auf 72 %), in Mexiko zwischen 1981 und 2005 (81 % auf 71 %), in Großbritannien zwischen 1981 und 1999 (86 % auf 74 %), und in Indien zwischen 1990 und 2006 (95 % auf 80 %).
Weiterführende Informationen (in englisch): The Sustainable Demographic Dividend.
Wäre eine bessere Förderung von Familien durch die Gesellschaft wünschenswert?
Auf der ganzen Welt sind die Erwachsenen überzeugt, dass Familien besser durch die Gesellschaft gefördert werden sollten. (siehe Tabelle 3, Datenreihe 3)
Auf die Frage, ob eine bessere Förderung gut, schlecht, oder unerheblich sei, antwortete die Mehrzahl aller Befragten, Förderung sei wichtig und gut. So in den meisten Ländern Nord- und Südamerikas, z. B. Argentinien (94 %), Kanada (95 %), Chile (90 %), Kolumbien (99 %), Mexiko (97 %), und Peru (96 %). In den USA liegt die Zustimmung bei 88 %.
Auch Europa gibt ein starkes Votum ab. Und obwohl Schweden das Schlusslicht der Bewertungen darstellt, findet man dort immerhin noch 81% Befürworter. Zusätzliche Unterstützung würde sehr begrüßt in Frankreich (93 %), Deutschland (87 %), Großbritannien (93 %), Italien (93 %), Polen (94 %), und Spanien (92 %).
Eine stärkere Förderung der Familie wird auch in den Ländern des Mittleren Ostens gewünscht:
Ägypten (96 %) und Saudi Arabien (90 %); ebenso in Afrika: Nigeria (94 %) und Südafrika (86 %). Auch in Asien würde eine bessere Familienförderung begrüßt, in Indien (75 %) und Malaysia (78 %) mit weniger Nachdruck als in anderen Ländern wie China (92 %), Indonesien (87 %), Japan (87 %), Philippinen (92 %), Südkorea (89 %), und Taiwan (97 %). In Ozeanien liegen die Zustimmungswerte bei 90 %, so in Australien und 92 % in Neuseeland.
Aus den Zahlen lässt sich schließen, dass der Wunsch nach besserer Familienförderung weltweit stärker wird. So verzeichnen einige Länder bedeutsame Zuwächse: Mexiko (9 %-Punkte zwischen 1981 und 2005), Großbritannien (9 %-Punkte zwischen 1981 und 2006), Spanien (8 %-Punkte zwischen 1981 und 2007), China (18 %-Punkte zwischen 1990 und 2007), und Japan (7 %-Punkte zwischen 1981 und 2005).
Weiterführende Informationen (in englisch): The Sustainable Demographic Dividend.
Einige Länder hingegen verzeichnen Rückgänge in diesem Bereich, z.B. Chile (7 %-Punkte zwischen 1990 und 2006) und die USA (7 %-Punkte zwischen 1982 und 2006).
Einstellung zur Ehescheidung

Während die Wertschätzung von Ehe und Familienleben weltweit stark ausgeprägt ist, variieren die Einstellungen zur Ehescheidung in den Regionen bedeutend. (siehe Tabelle 3, Datenreihe 4). Auf einer Skala von 1-(freizügig) bis10-(restriktiv), findet man am unteren Ende Schweden (2,6) und am oberen Ende Nigeria (8,5). In den beiden amerikanischen Kontinenten sind unter den konservativen Ländern, Peru (7.2) und Kolumbien (6.3) zu nennen. Alle anderen Länder liegen unterhalb der Skalenmitte von 5,5: Argentinien (4.5), Kanada (5.1), Chile (5.0), Mexiko (5.7), und die USA (5.2).
Die Europäischen Länder vertreten moderate bis freizügige Einstellungen, wobei Polen (6.3) und Italien (6.0) Scheidungen restriktiver betrachten. In Schweden (2.6) steht man auf dem Standpunkt, dass eine Scheidung eigentlich immer zu rechtfertigen ist. Spanien (3.9), Frankreich (4.1), Deutschland (4.3), und Großbritannien (4.6) sind ebenfalls recht freizügig im Hinblick auf Scheidungen.
Der Mittlere Osten, Afrika und Asien zeigen sich am konservativsten, obwohl auch hier die Zahlen nicht für extreme Positionen sprechen. Ägypten (6.0) und Saudi Arabien (6.4) zeigen sich recht moderat. Nigeria (8.5) schon erwähnt, ist konservativ, ebenso wie Südafrika (7.1).
In Asien verzeichnet man eine große Variationsbreite, mit Japan (4.6) bis China (8.3). Zwischen diesen Extremen rangieren Länder, wie Südkorea (6.4) und Taiwan (6.3), aber auch konservativere Länder, wie Indien (7.1), Indonesien (8.0), Malaysia (7.4), und die Philippinen (7.8).
Ozeanien verhält sich, wie Europa, ziemlich freizügig in der Frage der Ehescheidung. Sowohl Australien, als auch Neuseeland liegen bei 4.3, womit eine hohe Scheidungsrate deutlich wird.
Die Ehescheidung wird also in Amerika, Europa und Ozeanien fortschreitend liberalisiert. Ausnahmen sind nur Kolumbien, Peru, und Italien.
Weiterführende Informationen (in englisch): The Sustainable Demographic Dividend.
Uns liegen keine Langzeitdaten für den Mittleren Osten vor, doch scheint in Nigeria die Haltung zur Scheidung tendenziell restriktiver zu werden, und in Südafrika in etwa stabil zu bleiben. Auch in China, insbesondere seit 1955, scheint der Trend in Richtung einer restriktiveren Haltung zu gehen, während andere asiatische Länder, wie Indien, Japan, Südkorea, und Taiwan, Scheidungen freizügiger handhaben. Dies gilt auch für Australien und Neuseeland.
Schlussfolgerungen

Versucht man, ein Gesamtbild zu zeichnen, stellt man fest, dass die erwachsene Bevölkerung relativ traditionelle Vorstellungen von der Familie hat. Sie ist im Großen und Ganzen der Auffassung, dass Kinder am Besten in einer stabilen Familienbeziehung mit Mutter und Vater gedeihen. Sie anerkennen die Ehe als wichtige Institution und wünschen für sie eine bessere gesellschaftliche Förderung. Andererseits zeigen sie eine relativ freizügige Haltung in der Frage der Ehescheidung. Wir erkennen daraus, dass viele sich mit der Bedeutung von Ehe und Familie schwer tun. Einerseits wird der Wert der Ehe und ihr Nutzen für die Erziehung der Kinder geschätzt, andererseits zeigt man sich offen für individualistische Neigungen der Partner, die eine Beendigung der Beziehung aus vielen Gründen für möglich halten.
In dieser Gesamtschau ist jedoch eine deutliche Variationsbreite der Familienkultur feststellbar.
Nord Amerika, Ozeanien, und Skandinavien nehmen zur Familie eine freizügigere Haltung ein, wogegen Afrika, Asien, der Mittlere Osten, und Latein-Amerika die Funktion der Familie wichtiger nehmen. Diese Unterschiede lassen sich der Religion, der ökonomischen Entwicklung, der politischen Kultur und dem Primat der Gesellschaft gegenüber individuellen Interessen in den unterschiedlichen Regionen der Welt zuschreiben.

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