Transsexualität: die endlose Suche nach dem „wahren Ich“

Interview von Mercatornet mit Gerard van den Aardweg - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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„Bruce Jenner ist überall“, so wird eine Serie in The New York Times betitelt ... Es scheint, als würde Transsexualität zum neuen Megathema sexueller Verwirklichung. Warum? Gibt es wirklich Handlungsbedarf? Der holländische Psychologe Gerard van den Aardweg gibt schnörkellose Antworten auf unsere Fragen.

MercatorNet: Facebook bietet seinen Nutzern neuerdings die Möglichkeit, unter etwa 50 Spielarten geschlechtlicher Selbst-Identifikation zu wählen. Gibt es ein Problem, wenn Menschen ihre Geschlechtlichkeit nach Gusto umdefinieren können?

Gerard van den Aardweg: Der Genderwahn geriert sich als moderne Mythologie auf niedrigem intellektuellem Niveau, denn er verneint die offenkundige Realität menschlicher Natur. Der Mensch kommt, sowohl physisch als auch psychisch, als Mann oder Frau zur Welt und da gibt es nichts „auszuwählen“. Auf Grund schlechter Einflüsse oder mentaler Störungen kommt die Männlichkeit oder Weiblichkeit einer relativ kleinen Gruppe Menschen nicht zur vollen Entwicklung, sodass sie sich mit ihrer eigenen Geschlechtlichkeit und ihrer natürlichen Heterosexualität nicht identifizieren wollen oder können. Hier geht es also um psychisch kranke Vorstellungen, um ein verzerrtes Selbstbild der eigenen Phantasie und nicht um Unterschiede der biologischen oder psychologischen Natur von Mann oder Frau.

Die Phantasie kann Vorstellungen anderer „Gender“ oder „Identitäten“ produzieren. So bilden sich Pädophile z.B. ein, dass ihre Natur sie für Kinder attraktiv macht. Für einige von ihnen ist selbst ein Maß an Gewalt oder Sadismus natürlicher Bestandteil dieser „Liebe“, wie bei manchen Homosexuellen. Andere sind überzeugt, dass ihre Natur sie zum Exhibitionismus, zu heterosexuellem oder homosexuellem Sadismus, Masochismus, etc. nötigt.

Einige glauben, die Reinkarnation einer realen oder imaginären Person der Vergangenheit zu sein, andere sind von der Vorstellung besessen, ein Tier zu sein, wie der französische Kardinal Richelieu, der sich als Pferd fühlte und seine Mitbewohner schreckte, indem er immer mal wieder durch die Gänge seines Hauses galoppierte und dabei wieherte. Darüber hinaus gibt es beinahe unendlich viele sexuelle Präferenzen, die Menschen mit entsprechender „Identifikation“ ausleben wollen.

Diese Beispiele gehören allerdings in den Bereich der Pathologie. Glücklicherweise identifizieren sich 95% der Menschen mit ihrem natürlichen biologischen und psychologischen Geschlecht und mit der Heterosexualität. Die 50+ Gender-Typen von Facebook sind Abweichungen, statistisch und gedanklich. Transsexualität ist das Paradepferd darunter. Die Blödsinnigkeit des Ganzen ist, dass man so tut, als seien alle diese Gender-Variationen normal, gleichwertig mit der natürlichen biologischen und psychologischen Verfassung des Menschen und seiner Instinkte. So trägt Facebook in unverantwortlicher Weise zur Zerstörung und Verwirrung der Gemüter, besonders junger Menschen bei, da es die Dimension der Beziehung von Mann und Frau und die Natürlichkeit der Heterosexualität negiert. So wirkt Facebook bei der Förderung der mächtigen Ideologie gegen Ehe und Familie mit, die viele Medien im Griff hat.

M: Die Zahl der Menschen, die sich selbst oder ihre Kinder als Transsexuelle bezeichnen, ist in den letzten Jahren regelrecht explodiert. Warum?

GVDA: Wirklich? Der gleiche Eindruck entstand in den 1960ern und 1970ern, als plötzlich Homosexualität zum großen Thema wurde. Es stimmt schon, dass viel mehr Menschen mit homoerotischen Gefühlen damals begannen, diese auszuleben, doch lag es in erster Linie an der überbordenden Berichterstattung, die viele glauben machte, die Zahl Homosexueller sei explodiert. Seriöse statistische Studien aus jüngster Zeit belegen jedoch, dass deren Anteil an der Gesellschaft immer noch etwa der Gleiche ist wie vor hundert Jahren. Wir müssen den Eindrücken gegenüber, die uns die Medien nahebringen, skeptischer sein.

Absichtlich oder nicht, vor etwa 50 Jahren unterstützten die Medien die Gay-Rechte-Propaganda mit der Behauptung, dass mindestens 5% der Bevölkerung homosexuell sei. (Kinsey verstieg sich gar zu der Behauptung, es seien 10%). Doch 2% ist der beste Schätzwert. Egal, die Berichterstattung in den westlichen Medien soll wohl bei der Kampagne helfen, alles als normal zu deklarieren. Die Logik dahinter: je mehr „Transsexuelle“ sich bestärkt fühlen, es zu sein, umso mehr werden sie glauben, dass es auch normal sei. In der Realität jedoch wäre eine Prävalenz von 0,1% Transsexueller in der Bevölkerung schon eine Überschätzung.

M: Glauben Transsexuelle, dass sie ihre Empfindungen, im falschen Körper zu leben, schon von frühester Kindheit an spürten? Wird man so geboren?

GVDA: Nein, abgesehen von einigen, äußerst vagen, vielschichtig interpretierbaren und nicht reproduzierbaren Befunden, deutet nichts auf eine biologische Ursache hin. Die Vorstellung, eigentlich ein anderes Geschlecht zu besitzen, reift in der Jugend, speziell in der Pubertät heran. In Phantasien beginnen sie sich mit dem anderen Geschlecht zu identifizieren, ein Wunsch-Tagtraum, um aus Bewusstsein und Frustration zu fliehen, sich als Außenseiter zu fühlen, der nicht der Welt des eigenen Geschlechts zugehört. Nebenbei bemerkt ist die Ausprägung des Selbstbildes im eingebildeten, anderen Geschlecht oft fließend. Viele, die in der Pubertät den Wunsch entwickelten, ihr Geschlecht spontan ändern zu können, lösten sich ebenso spontan davon, als sie älter wurden. Eine Studie ergab, dass nur etwa 30% der vorpubertären Kinder, die ihr eigenes Geschlecht ablehnten, 10 Jahre später immer noch diese Haltung hatten. Man sollte sich deshalb hüten, durch irreversible chirurgische Interventionen oder psychologische Therapien transsexuelle Empfindungen unreifer Jugendlicher zu bestätigen.

M: Ist Geschlechtsänderung möglich? Wenn nicht, warum empfinden dann manche Menschen einen Missklang zwischen ihrer Geschlechtsidentität und ihrem Körper?

GVDA: Man kann das Geschlecht eines Menschen nicht ändern. Sogenannte Geschlechtsumwandlungs-Operationen sind Betrug und Selbsttäuschung. Mit einem solch brutalen Eingriff wird ein Körper nur scheinbar umgewandelt, tatsächlich aber verstümmelt.

Wie ich schon sagte, entwickeln sich Empfindungen von Dissonanz zwischen Körper und Geschlechtsidentität meist schon sachte in der Kindheit und verstärken sich in der Pubertät. „Transsexuelle oder Transgender” nennt man Menschen mit extremer Ausprägung solcher Empfindungen, doch sind deren Intensität und Dauer sehr unterschiedlich. Die Gefühle sind letztlich Phantasievorstellungen, die ihren Ursprung in einer Unzufriedenheit des Kindes mit dem eigenen Geschlecht haben. Diese Unzufriedenheit ist oft dadurch begründet, dass das Kind sich wegen seines Geschlechts hintangesetzt fühlt oder besonders geschätzt wird, weil es Verhalten und Interesse an Dingen zeigt, die eher charakteristisch für das gegenteilige Geschlecht sind.

So findet man z. B. männliche Transsexuelle, die von einer alleinerziehenden Mutter erzogen wurden, die mädchenhaftes Verhalten förderte, weil sie sich lieber ein Mädchen gewünscht hatte, oder mit einem Vater im Hause, der dem Kind keine Hilfen gab, sich als Junge zu entwickeln.

Nicht selten entwickelt eine transsexuelle Frau ausgesprochen burschikose Verhaltensweisen unter väterlichem Einfluss, wenn im Haushalt die Mutter fehlt oder sich nicht um die Entwicklung ihrer weiblichen Anlagen kümmert. In anderen Fällen möchte ein Junge gern wie seine Schwester sein, die die ganze Zuwendung der Eltern erfährt, während er selbst sich vernachlässigt fühlt usw. Ich kann hier nur einige Möglichkeiten skizzieren.

Vor-transsexuelle und Vor-homosexuelle Kinder sind meist Geschlechts-Nonkonformisten und fühlen sich minderwertig in Bezug auf ihre Männlichkeit oder Weiblichkeit. Dieses Gefühl, gepaart mit geringer Wertschätzung durch die Umgebung, führte zur Kultivierung von Verhaltensweisen und innerer Einstellung auf das andere Geschlecht. Viele Homosexuelle identifizieren sich bis zu einem gewissen Maß mit gegenteiligen Sexualrollen, doch ohne den Wunsch, den gegensätzlichen Körper anzunehmen. Transsexualität von Männern kann in der Tat als Extremfall verweiblichter Homosexualität angesehen werden.

Hinzu kommt, dass die Sucht des Transsexuellen, zum anderen Geschlecht zu gehören, eine neurotische Zwangsvorstellung darstellt, die durch unablässige Gefühle von Unzufriedenheit und Minderwertigkeitskomplexen noch befeuert wird. Es gibt keine Zufriedenheit. Deshalb sind Männer, die sich per Operation zur Frau haben wandeln lassen, dauernd bemüht, ihre Super-Fraulichkeit unter Beweis zu stellen. Diese Menschen leiden an einer schweren Neurose, die nicht durch eine Sex-Operation geheilt werden kann.

M: Warum sollte unser Geschlecht festgelegt und bipolar sein müssen, wenn es doch die Technologie gibt, dies operativ zu ändern? Das „wahre Ich“ ist doch das, was ich empfinde und nicht mein Körper.

GVDA: Wir haben solche Technologie eben nicht. Wir können Umwandlung nur vortäuschen. Unser Körper ist untrennbar mit seiner Psyche verbunden. Die eigene psychologische Männlichkeit oder Weiblichkeit passt zum männlichen oder weiblichen Körper, wie der Schlüssel zum Schloss. Das „wahre Ich“ lässt sich aus dem Geschlecht des Körpers herauslesen. Transsexuelle weisen keinerlei somatische Spuren des anderen Geschlechts auf, keine abnormalen Hirne, Hormone oder Gene. Wie schon gesagt, sind es schlechte Einflüsse oder mentale Störungen, die einen jungen Menschen dazu bringen, ein falsches Ich, ein Trugbild als sein „wahres Ich“ anzusehen.

M: Transsexuelle sind häufig obdachlos, ohne Arbeit und viele von ihnen begehen Selbstmord. Liegt das nicht an der Stigmatisierung durch Menschen, die diesem Lebensstil feindlich gegenüber stehen?

GVDA: Transsexuelle sind generell sozial schlecht integriert, besonders in Bezug auf ihre privaten Beziehungen. Es gibt unzählige Belege dafür, dass Sex-Operationen nicht ihre Lebensqualität und schon gar nicht ihre psychologische Befindlichkeit verbessern. Das Suizidrisiko nach Operationen ist vielfach höher als im Bevölkerungsdurchschnitt. Das hat überhaupt nichts mit Diskriminierungen zu tun, denn die meisten Transsexuellen leiden nicht an schlechter Behandlung, sondern an Beziehungsproblemen, Depressionen, Tendenzen zur Selbstzerstörung und Sex-Obsessionen. Sie sind gemütskrank und es ist ein Skandal, dass unsere soziale Gesellschaft und mit ihr die psychiatrische und psychologische Welt die Dinge nicht sehen will, wie sie tatsächlich sind und diese Menschen so noch tiefer ins Elend ihrer exzessiven, egozentrischen Wahnvorstellungen stößt.

M: Ist es schädlich, Vor-Pubertierenden oder Teenagern eine Sex-Umwandlung zu gestatten?

GVDA: Das ist genauso schädlich, wie kriminelle Kinderschändung.

M: Bedauern eigentlich viele Transsexuelle im Nachhinein den Entschluss, sich operieren zu lassen?

GVDA: Uneingeschränkt: ja. Ein positives Ergebnis ist allerdings, dass einige, die ihre „Umwandlung“ zutiefst bedauern, ihre Geschichte per Buch oder Internet-Blog öffentlich gemacht haben, um andere zu warnen, sich in die Arme einer gewissenlosen Transgender- Ideologie und -Industrie zu werfen. Die kürzlich erschienene Autobiographie „Walt Heyer’s A Transgender’s Faith (2015)“ ist sicher hilfreich, denen die Augen zu öffnen, die erwägen, sich einer Sex-OP zu unterziehen.

M: Eine Reihe führender Medizin-Körperschaften haben der Transsexualität „Normalität“ bescheinigt, einschließlich der American Psychological Assoziation. Transgender Aktivisten sagen dazu, dass Skeptizismus der medizinischen Praxis um die Ohren fliegt. Ist das so?

GVDA: Die American Psychiatric Assoziation verlor ihre wissenschaftliche Unschuld 1973, als sie einer Gruppe von Gay-Psychiatern zubilligte, ihre Ideologie von Normalität allem überzustülpen, nicht auf Grund von Argumenten oder Evidenz, sondern einfach durch Manipulation der Bürokratie. Seitdem mutierte sie Schritt für Schritt zu einem Propaganda- Instrument radikaler Sexual-Ideologie mit Alfred Kinsey als ihrem großen Promoter. Nach und nach werden alle sexuellen Deformationen und Erkrankungen als „normal“ deklariert. Wir werden noch mehr progressive Erklärungen zu erwarten haben. Bulletin of the World Health Organization publizierte 2014 einen Beitrag, in dem die Abschaffung aller Krankheitstatbestände, die mit sexueller Orientierung verbunden sind, gefordert wurde. Die APA wird sicher den Empfehlungen der WHO folgen, ebenso andere Gesundheitsverbände. Immerhin weiß man, dass die WHO von radikalen Sexual-Reformern geführt wird.

Sind Sex-Operationen anerkannte medizinische Praxis? Ich möchte an die Sexual-Abteilung der Johns Hopkins University, Baltimore erinnern, wo solche OP’s in den 1970er Jahren regelmäßig durchgeführt wurden. Die Abteilung wurde geschlossen, nachdem eine Folgestudie belegte, dass chirurgische Eingriffe die Patienten nicht heilten. Sie litten im Gegenteil weiterhin unter „schwersten psychologischen Problemen“.

Ich zweifle nicht daran, dass die Ergebnisse der Folgestudien über Fälle der jüngeren Vergangenheit zu Geschlechtsumwandlung keine Unterschiede ausweisen werden. Doch hat kaum jemand Interesse an solchen Studien.

M: Einige Ärzte vergleichen Geschlechts-Dysphorie, also die Unzufriedenheit mit dem eigenen Geschlecht, mit Krankheiten, wie Anorexia nervosa oder Bulimie, mit Unzufriedenheit mit der Körperwahrnehmung. Ist das eine passende Analogie?

GVDA: So ist es. Die Vergleichbarkeit der Syndrome liegt in der Unzufriedenheit mit der Wahrnehmung des eigenen Körpers (der Sicht einer Person von ihrem Körper, die eine Folge von Imagination ist); der obsessiven und unvernünftigen, unangemessenen Natur solch negativer Sicht und des zwanghaften, verzweifelten Bemühens, mit dem Menschen, die an solchen Obsessionen leiden, versuchen, ihr illusionäres physisches Idealbild zu verwirklichen, ohne je zufrieden sein zu können.

Ein Transsexueller muss sich zwangsweise darüber beschweren, im falschen Körper zu stecken. Er wird dies weiterhin tun, egal, welche Operationen er auf sich nimmt oder welche sozialen Bestätigungen er in seinem neuen Geschlecht erfährt. Wenn er männliche Beziehungen sucht, ist er nicht weniger promiskuitiv als männliche Homosexuelle. Sein ganzes Leben dreht sich um seine Pseudo-Weiblichkeit. Er ist selbstsüchtig bis zum Exzess, doch findet er nie sein wahres Ich.

M: Würden Sie so weit gehen, Gender - Dysphorie als eine Form psychischer Erkrankung zu bezeichnen?

GVDA: Transsexualität ist in der Tat eine schwere psychologische Störung.

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Gerard van den Aardweg ist holländischer Psychologe, der sich auf Homosexualität und Eheprobleme spezialisiert hat.