The Interview

(Bild: © Sony Pictures International. All Rights Reserved)

von José García
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Kaum ein Spielfilm löste in letzter Zeit bereits im Vorfeld so viele politische Reaktionen aus wie „The Interview“. Nachdem Sony eine filmische Satire auf den nordkoreanischen „Obersten Führer“ Kim Jong-Un angekündigt hatte, erlitt das Filmstudio einen Hackerangriff, hinter dem Nordkorea vermutet, aber nicht sicher ausgemacht wurde. Daraufhin setzte Sony den Kinostart von „The Interview“ ab. Nach einem Vorstoß des Regisseurs und Schauspielers George Clooney und einer Äußerung von Präsident Barack Obama selbst („Wir können keine Gesellschaft haben, in der irgendein Diktator irgendwo in der Welt anfangen kann, hier in den Vereinigten Staaten die Zensur einzuführen“) entschloss sich Sony doch noch, „The Interview“ in etwa 300 Kinos der Vereinigten Staaten am ersten Weihnachtsfeiertag spielen zu lassen. Trotz Attentatsdrohungen wurde kein Zwischenfall bekannt. Nun startet „The Interview“ im deutschen Kinoprogramm.

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Filmische Qualität: 2 von 5 Punkten
Regie: Seth Rogen, Evan Goldberg
Darsteller: James Franco, Seth Rogen, Lizzy Caplan, Randall Park, Diana Bang
Land, Jahr: USA 2014
Laufzeit: 108 Minuten
Genre: Komödie
Publikum: Erwachsene
Einschränkungen: Obszöne Dialoge, Szenen mit erotisierender Absicht, explizite sexuelle Szenen
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Dave Skylark (James Franco) moderiert eine seichte, aber quotenstarke Talkshow mit dem Namen „Skylark Tonight“, die von seinem Freund Aaron Rapaport (Seth Rogen) produziert wird. Dem naiven Skylark gelingt es mit seiner kumpelhaften und sorglosen Art, Prominenten Geheimnisse zu entlocken. Beispielsweise outet sich Rapper Eminem live in der Sendung als homosexuell. Obwohl die beiden Freunde den Erfolg in vollen Zügen genießen, möchte Aaron mit der Sendung auch etwas Seriöses, so etwas wie investigativen Journalismus, produzieren: „Wir müssen uns ändern“. Die Gelegenheit bietet sich, als Dave aus einer TV-Reportage erfährt, dass sich der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-Un bei allem Hass gegen die Vereinigten Staaten als einen großen Fan der Talkshow „Skylark Tonight“ bezeichnet. Ein Exklusivinterview mit dem öffentlichkeitsscheuen Kim Jong-Un wäre nicht nur eine Sensation im amerikanischen Fernsehen, sondern auch etwas, wovon Aaron Rapaport träumt. Obwohl er nicht so recht daran glaubt, fragt der Talkshow-Produzent nach, und erhält überraschend eine positive Antwort. Dave und er sollen in Nordkorea Kim Jong-Un interviewen.

Mitten in den Vorbereitungen für die Reise nach Nordkorea bekommen Dave und Aaron Besuch von der CIA-Agentin Lacey (Lizzy Caplan). Ihr Anliegen: Da wohl kein Amerikaner je so nah an Kim Jong-Un herankommen wird wie sie, sei ihre patriotische Pflicht, den Diktator zu liquidieren. Was bleibt dem Duo anders übrig, als anzunehmen? In Nordkorea findet Dave jedoch den wie ein großes Kind wirkenden Kim Jong-Un (Randall Park) jedoch ungemein sympathisch. Die beiden spielen etwa Basketball miteinander und vergnügen sich mit leichten Mädchen. Sichtlich gerührt zeigt sich Dave, als Kim Jong-Un seine große Schwäche für Katy Perry-Songs gesteht. Aaron fällt es nicht gerade leicht, Dave an den Auftrag im Dienste der nationalen Sicherheit zu erinnern.

Wären nicht die politischen Implikationen, könnte „The Interview“ als derbe Komödie, als Posse abgetan werden. Zwar bieten gerade zu Beginn James Francos übertriebene Gesten eine herrliche Satire auf die Promiklatsch-Talkshows des westlichen Fernsehens. Die Chance, die oberflächliche Talkshow-Landschaft aufs Korn zu nehmen, die anfangs ansatzweise gelingt, verpufft jedoch bald genauso wie die Seitenhiebe auf die eigenen Geheimdienste. Was aber die Filmemacher – die Regisseure Seth Rogen und Evan Goldberg sowie ihr Mit-Drehbuchautor Dan Sterling – unter Humor verstehen, nimmt sich als eine krude Mischung aus Fäkalhumor, nacktem Fleisch und albernen Witzen aus. Dazu kommen einige Verweise etwa auf „Der Herr der Ringe“ – Nordkorea wird mit Mordor verglichen. Dabei ist die Kritik an diesem „Mordor“ eigentlich recht zahnlos. Auf ihrer Reise zum Palast des Diktators hält beispielsweise der Wagen mit Dave und Aaron „zufällig“ vor einem dicklich, offenbar guternährten Kind, das vor einem Supermarkt mit reichlich bestückten Auslagen steht. Später wird Dave herausfinden, dass das vermeintliche Lebensmittelgeschäft lediglich eine Attrappe ist. Das ist aber schon alles, was „The Interview“ an Kritik an der Situation der nordkoreanischen Bevölkerung aufzubieten hat. Von Menschenrechtsverletzungen erfährt der Zuschauer kaum etwas.

Stattdessen konzentrieren sich die Regisseure Seth Rogen und Evan Goldberg darauf, den Luxus im Palast Kim Jong-Uns und dessen Waffennarrheit in den Mittelpunkt zu stellen. Die damit zusammenhängenden Witzen und die ständigen sexuellen Andeutungen wiederholen sich bis zum Exzess, so dass sich der Film endlos in die Länge zieht.

Sicher: „The Interview“ zeichnet ein alles andere als schmeichelhaftes Bild vom nordkoreanischen „Obersten Führer“. Aber dieses Bild kann nicht einmal in Ansätzen den Anspruch erheben, irgendetwas mit der Realität zu tun zu haben. Der Gedanke, dass ein amtierendes Staatsoberhaupt durch einen dilettantischen Plan mithilfe der zwei schusseligen Fernsehleute eliminiert werden soll, mutet darüber hinaus so grotesk an, und wird außerdem als solche Groteske inszeniert, dass „The Interview“ nichts anders denn als Klamotte bezeichnet werden kann. Der Film erweckt den Eindruck, dass die Filmemacher einfach ihre pubertären Phantasien einschließlich „Rambo“-Verweise ausleben wollten.

Hätte der Film von Seth Rogen und Evan Goldberg nicht den medialen Krieg und die politischen Verstimmungen zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea veranlasst, wäre „The Interview“ kaum eines Kommentars wert gewesen.