Sexual-Experten dringen auf mehr Geburten

von Shannon Roberts - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Den Sexualkundlern, die unsere Teenager unterweisen, beginnt zu dämmern, dass sie ihre Strategie ändern müssen, wenn sie erreichen wollen, dass junge Menschen Babys in einem positiven Licht sehen. Sie sollten dann nicht länger landauf, landab trommeln, dass Verhütung das Wichtigste im Leben einer Frau sei.

Ich habe nun schon das reife Alter von 31 Jahren erreicht und treffe immer häufiger auf Freunde, die es gar nicht so einfach finden, schwanger zu werden, wie sie früher dachten. Für viele bedeutet es einen Sinneswandel von der Vermeidung von Babys, wie es ihnen immer eingebläut wurde, zum verzweifelten Wunsch, endlich schwanger zu werden und sich bewusst zu machen, dass Kinder ein Geschenk sind und die Gebärfähigkeit nicht ewig währt.

Erst kürzlich hat Sex and Society, eine gemeinnützige Organisation, die in Dänemark Sexualerziehung betreibt, ihr Curriculum angepasst. Während früher der Schwerpunkt auf Schwangerschaftsverhütung lag, findet man heute auch ein paar positive Töne über das Kinderkriegen. Marianne Lomholt, nationale Direktorin der Organisation, kommentiert dies so:

„Über viele, viele Jahre haben wir nur über sicheren Sex und die Vermeidung von Schwangerschaft gesprochen. Irgendwann kam uns der Gedanke, dass wir auch einmal erklären sollten, wie man schwanger wird.“

Dieser Sinneswandel spiegelt die in vielen Ländern der Welt wachsende Sorge wider, dass Frauen zu wenige Kinder bekommen. In Dänemark liegt seit Anfang der 1970er Jahre die Geburtenrate unter der Erhaltungsrate, die die Bevölkerungszahl stabil hält (2,1 Kinder/Frau). Diese düstere Aussicht findet man auch in Japan, Italien und zahlreichen anderen Ländern, worüber wir an anderer Stelle in diesem Blog mehrfach berichtet haben.

Im März vergangenen Jahres diskutierte ich den Besuch von Lord Winston of Hammersmith in Neuseeland, der versuchte, den dortigen Studenten das Problem der Unfruchtbarkeit und die Gefahr, sich zu lange Zeit zu lassen, Kinder zu bekommen, zu erklären. Neuseelands Geburtenrate lag über mehrere Jahrzehnte knapp unterhalb der Erhaltungsrate und ist heute, wiewohl immer noch niedrig, eine der höchsten in der entwickelten Welt. In dem Beitrag wurde der Besuch so kommentiert:

Es ist interessant und auch eine Ironie, dass der Fertilitätsexperte, der Pionierarbeit bei der Einführung von IVF leistete, heute davor warnt, dass der rasante Fortschritt in der Reproduktionsmedizin die Menschen zu selbstzufrieden macht, statt selbst für Kinder zu sorgen.

Auch in Japan hat einer der führenden Gynäkologen und Experte für Unfruchtbarkeit die Notwendigkeit für einen Sinneswandel erkannt und betont:

In Japan geht es bei der Sexualerziehung nur um Verhütung… mir scheint, dass auch gelehrt werden sollte, dass unter 30 das geeigneteste Alter ist, mit dem Kinderkriegen zu beginnen.

Die Sexualerziehung für Studenten sollte noch einen Schritt weitergehen und sowohl den unermesslichen Wert der Mutterschaft, als auch das unglaubliche Geschenk, das Kinder darstellen, würdigen. Den Schülern sollte bewusst werden, dass Frauen höchstwahrscheinlich eines Tages Mütter sein werden. Für Studenten kann es durchaus bedeuten, dass ihre Karriereplanung beeinflusst wird. Es wäre sicher gut, wenn Teenager, männlich wie weiblich, einmal darüber nachdächten, welche Berufswahl sich am ehesten mit ihren Vorstellungen von Familienleben in Einklang bringen ließe oder ob sie sich in Zukunft Teilzeitarbeit vorstellen könnten.

Es ist wissenschaftlich belegt, dass Studenten bei der Wahl ihres Berufsweges durchaus durch ihre Lehrer beeinflusst werden. Wir leisten den Studenten keinen guten Dienst, wenn wir nicht das Familienleben als möglicherweise beträchtlichen Teil ihres Lebens thematisieren.

Ich selbst hatte mich für ein Jurastudium entschieden und wollte es irgendwie mit Journalismus verbinden, doch hatte ich kaum Kenntnis oder Information von der Realität endlos langer Stunden im Büro und inwieweit die Berufspflichten durch Teilzeitarbeit mit der Erziehung von Kindern in Einklang gebracht werden könnten. Heute habe ich zwei kleine Kinder und kann mir nicht vorstellen, irgendwann wieder eine Vollzeitbeschäftigung über viele Jahre anzunehmen. Es wäre sicher nützlich, wenn unsere Studenten ein wenig ermutigt würden, solche Überlegungen zu bedenken, wenn wir wünschen, dass sie sich damit auseinandersetzen, Familien zu gründen und Kinder zu bekommen. Viele Frauen fühlen sich allein gelassen, wenn sie ihr erstes Kind bekommen haben; kein Wunder, wenn die gesamte schulische Erziehung sich bis heute nur mit der Notwendigkeit, Karriere zu machen beschäftigt und die Bedeutung von Familie und Familienleben an den Rand gedrängt wird.

Studenten sollten möglichst frühzeitig erkennen, wie überaus wertvoll Familienleben ist, sowohl ökonomisch wie auch sozial. Wahrscheinlich hätten wir dann auch nicht solch fatal schlechte Geburtenraten. Es ermutigt, dass wir anscheinend eine Änderung sehen werden.