Jugendliche geraten immer mehr unter sexuelle Zwänge (2)

Jugendliche geraten immer mehr unter sexuelle Zwänge (2)
Natürlich, der Mensch ist ein geschlechtliches Wesen, aber er ist mehr als das: er ist Person. Und die Liebe eines Menschen gilt stets einer einzelnen Person, keinem bloßen Körper, keiner Gruppe, keiner Gattung.
Liebe und Leben

Sexualität hat einen dreifachen Sinn: zum einen ist sie körperlicher Ausdruck der Liebe zu einer anderen Person; dann dient sie der Befriedigung von Begierde und Lust, und zum dritten dient sie der Weitergabe des Lebens. Gott hat die menschliche Vereinigung als Voraussetzung der Zeugung gewollt. Wäre die Fortpflanzung eine rein technische Frage, so wäre es einfacher, wenn der Mann beispielsweise zu bestimmten Brunftzeiten mit seiner Zunge oder dem Zeigefinger das linke Ohr der Frau berühren würde. Liebe und Leben heißen somit die beiden Sinngehalte der Sexualität.
Sexualität aus diesem Zusammenhang herauszureißen, sie zu einer Technik zu machen, die man vor der Ehe einübt oder im Verlauf seines Lebens immer wieder mit anderen betreibt, nimmt ihr Sinn und Natur. Wäre die körperliche Liebe nur eine technische Angelegenheit, dann wären frühe sexuelle Erfahrungen empfehlenswert. Das Gelingen einer sexuellen Beziehung hängt jedoch nicht von einer Technik, sondern von der Qualität der Liebe ab. Man muß Lernen zu lieben und nicht, wie man miteinander schläft oder „Liebe macht“.
Die Weitergabe des Lebens ist also eine der zentralen „Funktionen“ von Sexualität. Kindern und Jugendlichen „verheimlicht“ man das. Man bringt ihnen nicht bei, sie sollten alleine schon aus dem Grund mit dem Beischlaf warten, weil sie für Kinder noch keine Verantwortung übernehmen könnten. Statt dessen lehrt man sie, wie man „technisch“ bloß lästige Nebenwirkungen vermeidet oder später entsorgt.
Kirche und Sexualität
Kein anderes Thema treibt junge Menschen so um wie die Sexualität. Das ist nichts Neues. Das war nie anders. Während es allerdings „früher“ eher als Ausnahme galt, daß schon Jugendliche sexuell aktiv waren bzw. Verlobte offen miteinander verkehrten, so ist heute das Gegenteil der Fall. Wer mit so manchem warten oder sich gar vor der Ehe sexuell enthalten möchte, gilt als Exot, um den es in seiner Clique sehr einsam und frostig werden kann. Nicht selten kommt es zu üblen Frotzeleien und Spießrutenlauf. Der Druck auf junge Menschen, die versuchen möchten, auch in Fragen der Sexualität vorsichtig zu sein und gemäß der Lehre der Kirche zu leben, ist ungleich höher als „früher“. Das sollte man berücksichtigen, bevor man die Jugend ob ihrer „verkommenen Moral“ über einen Kamm schert und verurteilt.
Keine Frage, es ist „sauschwer“ für junge Menschen. Da ist zunächst ihre „Umgebung“: Internet, MTV, Viva, Bravo, Glamour und wie sie alle heißen. Man kennt ihre Botschaft: Sexualität tut gut, du hast ein Recht drauf, hör nicht auf deine Eltern, auch ohne ihr Einverständnis steht dir die Pille zu, hämmert man ihnen ein. Dann gibt es ihre Clique, in der es selbstverständlich „alle tun“. Und schließlich wächst die Sehnsucht nach Zärtlichkeit, die Neugier auf Berührung, das Drängen nach mehr, die in der Pubertät erwachen. Und das Wissen um die Lösung, die „die anderen“ wählen: die Pille. Oder: Die Pille danach.Doch was sagt die Kirche? Für den bedeutenden Scholastiker Thomas von Aquin ist die menschliche Geschlechtskraft etwas in sich Gutes, ja Göttliches. Er knüpft allerdings den rechten Gebrauch der Geschlechtlichkeit an eine Bedingung: Der Gebrauch hat in der ordo rutionis, in der Ordnung der Vernunft, zu erfolgen. Und Vernunft setzt voraus, daß für neues Leben, das gezeugt werden könnte, Verantwortung übernommen werden kann.
Katholiken haben zudem ein sakramentales Verständnis von Ehe. In der Ehe ist die Liebe zwischen Mann und Frau der „Ort“ der Gegenwart Gottes. Die Eheleute spenden sich das Sakrament der Ehe selber – und vollziehen die Ehe erst durch den Geschlechtsverkehr, kommt es hierzu nicht, so ist die Ehe nichtig, nicht vollzogen. Auch dies zeigt den bedeutenden Stellenwert, den die Kirche der Sexualität zuordnet.
Und schließlich ist noch eines wichtig: das Verhältnis, die Freundschaft zwischen Gott und dem Menschen ist kein Werkvertrag, aufgrund dessen der Mensch Gott „Erfolge“ schuldet. Ein solcher Erfolg könnte beispielsweise sein, jungfräulich in die Ehe zu gehen. Der Mensch ist eine gefallene Kreatur, von der Erbsünde gezeichnet. Entscheidend ist, daß zwei junge Menschen sich vornehmen, auch vor der Ehe die Kirchengebote zu befolgen, sich nicht überheblich eigene „Regeln“ basteln und mit Freund oder Freundin mit großer Selbstverständlichkeit so leben, wie es ihnen beliebt. Es geht in einem ernsthaften christlichen Leben um Bemühen und Kampf, so auch um das Ringen um die Tugend der Keuschheit. Nicht aber um „Erfolge“.
Leider aber gelingt es den Theologen nicht immer, das Positive von Sexualität und Geschlechtlichkeit gerade für Jugendliche verständlich zu artikulieren. Da gibt es manche Sprachkrämpfe und übertriebene Scheu, die Dinge beim Namen zu benennen. Natürlich wäre es obsolet, würden sich Geistliche im Jugendjargon äußern. Auch sollte man tunlichst vermeiden, ein bestimmtes Niveau zu verlassen. Doch geht es nicht einfacher als beispielsweise in folgendem Zitat eines deutschen Theologen: „In der leiblichen Ganzhingabe schenken sich Mann und Frau einander rückhaltlos in allem, was sie als Person sind und haben. Sie werden füreinander Quelle unendlicher Freude und Entzückung, bis hin zu einer Verklärung des Daseins, in der die ganze Welt neu erscheint. In der Hingabe aneinander, durch die sich Mann und Frau in ihrer Freiheit auf das Großartigste beschenkt wissen, offenbart sich ihnen die unendliche Herrlichkeit und Güte des Seins. Sie begreifen sich als hineingenommen in ein sich selbst transzendierendes, sie umfassendes und bergendes Geschehen, so, als würde das Wesen der Dinge still zu sprechen beginnen und mit ihnen einstimmen in den Jubel der gemeinsam erfahrenen Liebe.“ Und das ist kein Einzelfall. Auch hieran gilt es zu arbeiten.
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