Entscheidet die Schulpolitik über die Wahl in NRW?

Entscheidet die Schulpolitik über die Wahl in NRW?
Die Auffassungen über die beste Schulpolitik könnten unterschiedlicher nicht sein, wie sie derzeit im heißen NRW-Wahlkampf zu einem zentralen Thema werden, an dem sich die Wahl am 9. Mai letztlich entscheiden könnte. Wie sind die Positionen der einzelnen Parteien? Wie reagieren sie auf die weiter sinkenden Schülerzahlen? Was hätte der Bürger bei einer Veränderung der politischen Landschaft zu erwarten?
von Bert Pfahl
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Schwarz-gelb und das gegliederte Schulsystem

Das derzeitige Schulgesetz in NRW sieht vor, dass Haupt- und Realschulen ebenso wie die Gymnasien flächendeckend erhalten bleiben, wobei im Einzelfall Haupt- und Realschulen zu Verbundschulen unter einer gemeinsamen Schulleitung aber bei getrennten Bildungsgängen zusammengefasst werden können. Für den Beibehalt des gegliederten Schulsystems kämpft auch das Aktionsbündnis Schule, ein Zusammenschluss von ca. 20 Lehrer- und Elternverbänden.
Innerhalb der NRW-Koalition hat die FDP sich für regionale Mittelschulen ausgesprochen, in denen Haupt-, Real- und Gesamtschulen bis zur 7. Klasse zusammengelegt werden können, danach sollen die Schulzweige wieder getrennt geführt werden. Die Eigenständigkeit des Gymnasiums bleibt unangetastet. Sollte die Koalition von CDU und FDP bestehen bleiben, müssen sich die Partner auf ein gemeinsames Modell einigen.
Konzeptionen der Oppositionsparteien

Bekommt die SPD die Möglichkeit –zusammen mit den GRÜNEN und evtl. der LINKSPARTEI- ihre schulpolitischen Vorstellungen umzusetzen, würde sich künftig folgendes Schulpanorama in NRW ergeben:
Es soll eine Gemeinschaftsschule für die Jahrgangsstufen 5-10 für alle eingeführt werden. Eltern und Schulträger können aber nach der 6. Klasse dafür votieren, ob innerhalb des gemeinsamen Schulgebäudes Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialklassen gebildet werden oder alle weiter bis zur 10. Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Die Vorstellungen der GRÜNEN ließen sich damit im Großen und Ganzen vereinbaren.
Sollte sich die SPD mit der LINKSPARTEI einigen müssen, würde es erheblich schwieriger, da ihre Vorstellungen auf eine einheitliche Schule für alle Kinder von der 1. bis zur 10. Klasse hinauslaufen, in die auch Förderschulen und Gymnasien eingegliedert sind.
Grundsatzentscheidung der Eltern

Derzeit gibt es wohl eine Mehrheit von Eltern, die sich für ein differenziertes Schulsystem aussprechen, wie man an den Wahlen für die weiterführenden Schulen ablesen kann (über 50 % wählen das Gymnasium und die Realschule für ihre Kinder). Die Skepsis, dass ein einheitliches System größere Schwierigkeiten hat, sich auf den Lernstand des einzelnen Schülers einzustellen, ist groß, vor allem bei Eltern, die heute das Gymnasium wählen, da sie von ihm eine stärkere Förderung besser begabter Schüler erwarten. Man kann davon ausgehen, dass bei der Wahl in NRW am 9. Mai auch über das gegliederte Schulsystem abgestimmt wird.
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