Max Minsky und ich

Max Minsky und ich
Zu den bevorzugten Vorlagen für Spielfilme gehören insbesondere literarische Werke. Was bei Kinder- und Jugendfilmen besonders ausgeprägt ist: Rund die Hälfte der Kinderfilme adaptieren Romane und Erzählungen für dir große Leinwand. So auch der am 6. September anlaufende Spielfilm „Max Minsky und ich“. Der Film basiert auf Holly-Jane Rahlens’ Jugendroman „Prinz William, Maximilian Minsky und ich“, der in sieben Sprachen übersetzt und 2003 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde.
Filmische Qualität: 4 von 5 Punkten
Regie: Anna Justice
Darsteller: Zoe Moore, Adriana Altaras, Emil Reinke, Monica Bleibtreu, Susanna Simon, Jan Josef Liefers, Rosemarie Fendel, Hildegard Alex, Wladimir Tarasjanz
Land, Jahr: Deutschland 2007
Laufzeit: 99 Minuten
Genre: Komödie
Publikum: alle (FSK: ohne Altersbeschränkung)
Einschränkungen: --

Rezension: JOSÉ GARCÍA - www.textezumfilm.de
Foto: © T-Verleih

„Max Minsky und ich“ handelt von der 13-jährigen Nelly Sue Edelmeister (Zoe Moore), die sich im Unterschied zu ihren pubertierenden Klassenkameradinnen für Mathematik und vor allem für Astronomie interessiert. Diese Liebe zu den Sternen verbindet sie allerdings mit dem (fiktiven) 16-jährigen luxemburgischen Prinzen Edouard, in den sie heimlich verliebt ist. Darin besteht auch die größte Änderung der Filmadaption gegenüber dem Roman, die bereits im verkürzten Titel zum Ausdruck kommt. Zu der Adaption einschließlich Wechsel vom echten zum fiktiven Prinzen führt Roman- und Drehbuchautorin Holly-Jane Rahlens aus: „Wir verlegten die Handlung von 1997 ins Jahr 2007, trennten uns von Prinz William, der mit 25 nicht mehr der anbetungswürdige Star sein konnte, der er mit 15 war, und schufen einen fiktiven Prinz von Luxemburg namens Edouard“.
Wie soll aber eine Schülerin aus Berlin den Prinzen von Luxemburg persönlich kennen lernen? Die Chance eröffnet sich Nelly ausgerechnet im verhassten Sportunterricht: Die Basketball-Auswahl ihrer Schule wird zu einem internationalen Turnier eingeladen, dessen Schirmherrschaft Prinz Edouard übernommen hat. Der Haken an der Geschichte: Nelly kann mit Sport im Allgemeinen und mit Basketball im Besonderen – gelinde gesagt – nicht viel anfangen. Bei einer Feier fällt Nelly auf, dass der neue Nachbarsjunge Max Minsky (Emil Reinke) mit dem Ball ziemlich gut umgehen kann. Das intelligente Mädchen kommt auf einen ziemlich cleveren Gedanken, um sich von Max trainieren zu lassen, damit sie es doch noch schaffen kann, in die Schulmannschaft aufgenommen zu werden.
Der vielschichtige Film behandelt in einem Nebenstrang das schwierige Verhältnis von Nellys Eltern zueinander. Der Vater Benny (Jan Josef Liefers) tingelt als Gelegenheitsmusiker durch Geburtstags- und sonstige Partys. Die Mutter Lucy (Adriana Altaras) scheint als jüdische New Yorkerin unmittelbar einem Woody-Allen-Film entsprungen zu sein, weist freilich auch autobiografische Züge der Roman-Autorin auf: Holly-Jane Rahlens wuchs in New York auf, lebt aber seit 1971 in Berlin. „Ich fühle mich nicht als Deutsche, aber ich fühle mich als Berlinerin. Als Jüdin sowieso“. Allerdings „hören New Yorker nie auf, New Yorker zu sein, und sie sind stolz darauf“. So läuft Lucy in der Wohnung bevorzugt in einem „I love New York“-T-Shirt herum, und im Übrigen bedrängt sie ihre Tochter mit ihrer anstehenden Bat-Mizwa, zu der aber Nelly keine rechte Lust verspürt.
Dazu kommt noch ein zweiter Handlungsstrang: Weil „Max Minsky und ich“ eigentlich ein Märchen ist, „braucht man eine gute Fee“ (so Holly-Jane Rahlens). Diese wird von Großtante Risa Grinsberg (Monica Bleibtreu) verkörpert, einer gläubigen Jüdin, die den Holocaust überlebt hatte, über die Einiges über jüdische Kultur in den Film einfließt. Von ihr lernt Nelly, dass sie mit Beharrlichkeit ihre Ziele erreichen kann.
Spielfilmdebütantin Anna Justice hält mit sicherer Hand diese unterschiedlichen Handlungsfäden im Gleichgewicht, ohne das eigentliche Zentrum von „Max Minsky und ich“ aus dem Auge zu verlieren: Die Entwicklungsgeschichte der 13-Jährigen, die ihren Platz im Leben sucht, und mit der Welt der Erwachsenen, etwa mit den nicht immer rationalen oder moralischen Handlungen ihrer Eltern zurechtkommen muss.
Der Film erzählt mit ausgesprochenem Gespür für Erzählrhythmus konsequent aus der Sicht ihrer Protagonistin Nelly, die von Zoe Moore mit großer Natürlichkeit glaubwürdig gespielt wird. Und dies alles mit einer guten Portion Ironie, die Anna Justice gekonnt in lustige Regiepointen umsetzt.

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