"Polyamorie" - wer viele liebt, liebt gar nicht

"Polyamorie" - wer viele liebt, liebt gar nicht
Beim Zappen im Hotel auf der Suche nach CNN blieb ich bei Markus Lanz hängen. Ein älteres Paar erläuterte redselig, wie befreit es nun sei, seit es seine „Polyamorität“ erkannt hatte. Sie lieben mehrere, und tun es auch kräftig. Die anderen Gäste applaudieren ihrer „Ehrlichkeit“ - denn monogam wäre ja schließlich sowieso keiner. Allein Dagmar Koller fand solches Verhalten „entsetzlich“: Ohne auf die Treue ihres Mannes zählen zu können, hätte sie sich nicht „fallen lassen und ganz öffnen können“.
von Dr. Gudrun Kugler
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Auf einem anderen Sender lief ein Programm über Wildpferde. Das Erkämpfen einer Stute ist die große und gefährliche Aufgabe des jungen Hengstes. Selig, wenn er dies geschafft hat, gründet er eine Familie, auf die er eifersüchtig wacht. Woher weiß er, wie das alles geht? Es sind seine Instinkte, die ihn anweisen.
Der Mensch wird viel weniger von seinen Instinkten angeleitet. Was ihm den Weg - inklusive Umgang mit der eigenen Sexualität - zeigt, nennt man Kultur. Den Weg wohin? Zu dem, was erfülltes, geglücktes Leben als Grundlage braucht. Nicht zum Glück per se, aber zu etwas, ohne das das Glück sich nicht finden lässt.
Mit dem Mann ihres Lebens durch Dick und Dünn gehen: Der Traum des kleinen Mädchens kann sich erfüllen - aber er tut es nicht von selbst. Zu bemitleiden, wer für ein paar sexuelle Abenteuer darauf verzichtet, mit einem anderen durchs Leben zu gehen. Unverzeihlich, wer Kultur schafft, die mit großen Pfeilen in Sackgassen weist - wie nicht zuletzt das öffentlichrechtliche Fernsehen.
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