Papstbotschaft zum 25. Weltjugendtag: "Die Zukunft liegt in Eurer Hand"

 "Die Zukunft liegt in Eurer Hand"
Zum 25. Mal jährt sich an Palmsonntag der von Johannes Paul II. im Jahre 1986 eingeführte Weltjugendtag, der in diesem Jahr in den einzelnen Bistümern gefeiert wird, bevor wieder ein großer gemeinsamer Weltjugendtag, im nächsten Jahr in Madrid mit 2 Millionen erwarteten Jugendlichen, stattfindet.
Benedikt XVI. ermutigt die Jugendlichen, sich den existenziellen Fragen zu stellen und am Aufbau der Zukunft „kompetent und großherzig“ mitzuwirken. Das diesjährige Motto lautet: „Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?" (Mk 10,17). Der Papst richtet den Blick der Jugend auf die gemeinsam zu gestaltende Zukunft: „Wenn ihr wollt, so liegt die Zukunft in Euren Händen, da die Gaben und Reichtümer, die der Herr in das Herz eines jeden von Euch eingesenkt hat, der Welt echte Hoffnung bringen können!"
Das Vertrauen, das der Papst auf den Glauben der jungen Menschen setzt, sollte in einem schweren Augenblick für die Kirche und den Papst durch Gebet und loyales Eintreten für Papst und Kirche zurückgezahlt werden. Wir dokumentieren die Papstbotschaft im Wortlaut.
BOTSCHAFT VON PAPST BENEDIKT XVI. FÜR DEN XXV. WELTJUGENDTAG (28. MÄRZ 2010)
"Guter Meister,was soll ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?" (Mk 10,17)
Liebe Freunde,
dieses Jahr feiern wir den 25. Jahrestag der Einrichtung des Weltjugendtages, durch den geliebten Diener Gottes Johannes Paul II., den er als jährlichen Event für junge Gläubige überall auf der Welt sehen wollte.
Es war eine prophetische Initiative, die reiche Früchte hervorgebracht hat und den heranwachsenden Generationen die Chance bietet, sich zu treffen, miteinander auf das Wort Gottes zu hören, die Schönheit von Kirche zu entdecken und starke Erfahrungen im Glauben zu machen, die viele die Entscheidung treffen lies, sich ganz Christus zu überlassen.
Dieser XXV. Weltjugendtag stellt eine Etappe in Richtung des kommenden Weltjugendtages in Madrid dar, der im August 2011, in der Hoffnung durchgeführt wird, dass möglichst viele von Euch, dieses Gnadenpaket miteinander teilen können.
Zur Vorbereitung auf dieses Fest möchte ich mit Euch einige Gedanken über das Jahresthema teilen. Es handelt sich um die Stelle aus dem Evangelium, in der es um die Begegnung Jesu mit dem reichen Jüngling geht: „Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?" (Mk 10,17). Ein Thema, über das Papst Johannes Paul II. bereits im Jahr 1985 in einem schönen Brief, der sich an die junge Menschen richtete, geschrieben hat (Apostolisches Schreiben Papst Johannes Pauls II. an die Jugend der Welt zum internationalen Jahr der Jugend, 31.3.85).
1. Jesus trifft auf einen jungen Menschen

„Als sich Jesus wieder auf den Weg machte“, heißt es im Evangelium des heiligen Markus, „lief ein Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ Jesus antwortete: „Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen. Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter! Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. Da sah ihn Jesus an, und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen." (Mk 10, 17-22)
Diese Erzählung bringt ganz klar das große Interesse Jesu für Jugendliche zum Ausdruck: Zu Euch, Euren Träumen, Euren Hoffnungen. Es steht für seinen großen Wunsch, Euch persönlich zu treffen und mit jedem Einzelnen von Euch zu reden.
In der Tat hielt Christus auf seinem Weg an, um auf die Frage seines Gesprächspartners einzugehen und für diesen jungen Menschen ganz und gar verfügbar zu sein, der ihn angetrieben von einem brennenden Wunsch, von ihm zu lernen, wie er seinen Lebensweg bewältigen soll, mit „Guter Lehrer“ anredet.
Mit dieser Stelle aus dem Evangelium, wollte Euch mein Vorgänger einladen: „Euer eigenes Gespräch mit Christus zu führen - ein Gespräch, das von grundlegender und wesentlicher Bedeutung für einen jungen Menschen ist." ( Dilecti Amici/ Brief an die Jugend der Welt, Nr. 2)
2. Jesus blickte ihn an und liebte ihn

In der Evangelienerzählung unterstreicht der hl. Markus die Tatsache: „Jesus blickte ihn voller Zuneigung an." (Mk 10,21) Dieser Blick des Herrn ist der Mittelpunkt dieser wirklich besonderen Begegnung und jeder christlichen Erfahrung. Wahrhaftig ist das Wichtigste des Christentums nicht vorrangig eine Moralvorstellung, sondern vielmehr die Erfahrung Jesu Christi, der uns persönlich liebt, ob wir jung oder alt, arm oder reich sind; er liebt uns auch dann, wenn wir uns von ihm abwenden.
In seinem Kommentar über diese Szene, hat Papst Johannes Paul II. sich an Euch junge Leute gewandt: „Ich wünsche euch, diesen Blick Jesu erleben zu dürfen! Ich wünsche euch, die Wahrheit zu erfahren, dass er, Christus, euch in Liebe anblickt!" (Dilecti Amici/ Brief an die Jugend der Welt Nr. 7)
Eine Liebe, die sich am Kreuz so vollständig und umfassend gezeigt hat, dass der hl. Paulus nur mit Erstaunen schreiben kann: „Er hat mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben." (Gal 2,20)
„Das Bewusstsein, dass der Vater uns immer schon in seinem Sohn geliebt hat", schreibt Papst Johannes Paul II. ,,dass Christus selbst einen jeden ohne Unterlass liebt, (wird) zu einem festen Halt für unsere gesamte menschliche Existenz"( ebda. Nr. 7), und hilft uns durch alle Anfechtungen hindurch: Die Entdeckung unserer Sünden, Leiden und unseren Vertrauensverlust.
In dieser Liebe sprudelt die Quelle des ganzen christlichen Lebens und die Triebkraft der Evangelisierung: Wenn wir Jesus wirklich drinnen gefunden haben, können wir nicht umhin, es draußen allen zu zeigen, die diesen Blick noch nicht gespürt haben!
3. Die Entdeckung eines Lebensplans

Im jungen Menschen des Evangelium erleben wir eine Situation, die wie zugeschnitten auf einen jeden von Euch ist. Auch Ihr seid reich an Qualitäten, Energien, Träumen, Hoffnungen: Ihr habt Werte im Überfluss! Euer Alter ist ein großer Reichtum nicht nur für euch selbst, sondern auch für andere, für die Kirche und die Welt.
Der reiche junge Mann fragt Jesus: „Was muss ich tun?" Die Lebensphase in der Ihr Euch befindet, ist eine Zeit voller Entdeckungen: Der Gaben, die Gott Euch gegeben hat und Eurer Selbstverantwortung. Es ist auch die Zeit, grundlegende Weichenstellungen für Euer Lebensprojekt vorzunehmen. Deshalb ist es eine Zeit, um Euch über den wahren Sinn des Lebens Gedanken zu machen und Euch ehrlich zu fragen: „Bin ich glücklich mit meinem Leben? Was fehlt mir eigentlich?"
Wie der Jüngling des Evangeliums, erlebt Ihr vielleicht auch gerade Instabilität, Verwirrung oder Leid, das Euch dazu antreibt nach einem Leben Ausschau zu halten, das eben nicht mittelmäßig ist und Euch fragen lässt: Was ist ein erfülltes Leben? Was muss ich tun? Wie könnte mein Lebensplan ausschaun? „Was müsste ich tun, damit mein Leben seinen vollen Wert und vollen Sinn erhält?" (Dilecti Amici/ Brief an die Jugend der Welt, Nr. 3).
Habt keine Angst, Euch diesen Fragen zu stellen! Mehr als Euch zu deprimieren, drücken sie die großen Hoffnungen aus, die in Euren Herzen leben. Aber man muss sie hören wollen. Sie erwarten Antworten, die nicht oberflächlich bleiben, sondern in der Lage sind, Eure Erwartungen nach Glück und echter Lebensqualität zu erfüllen.
Damit Ihr den Lebensplan findet, der Euch wirklich glücklich macht, solltet ihr Gott zuhören, denn er hat einen Plan der Liebe für jeden Einzelnen von Euch. Fragt Ihn vertrauensvoll: „Herr, wie sieht Dein Plan als Schöpfer und Vater für mein Leben aus? Was ist Dein Wille? Ich möchte ihn erfüllen! Habt keine Angst, denn Er antwortet Euch! Fürchtet seine Antwort nicht. Denn : „Gott ist größer als unser Herz und weiß alles." (1 Joh 3,20)
4. Komm, folge mir nach!

Jesus lädt den reichen jungen Mann ein, weit über die Befriedigung seiner Wünsche und persönlichen Pläne hinaus zu gehen und sagt zu ihm: „Komm, folge mir nach!". Die christliche Berufung ist aus einem Vorschlag des Herrn geboren, den er aus Liebe gemacht hat. Sie kann also nur durch eine Antwort der Liebe verwirklicht werden: „Jesus fordert seine Jünger zur Ganzhingabe ihres Lebens auf, ohne menschliche Rechnung und Gegenrechnung, mit einem vorbehaltlosen Vertrauen in Gott. Die Heiligen nehmen diese anspruchsvolle Aufforderung an und begeben sich demütig und gefügig in die Nachfolge des gekreuzigten und auferstandenen Christus. In der nach menschlichen Gesichtspunkten manchmal unverständlichen Logik des Glaubens besteht ihre Vollkommenheit darin, dass sie nicht mehr sich selbst in den Mittelpunkt stellen, sondern dass sie sich entscheiden, nach dem Evangelium zu leben und damit gegen den Strom zu schwimmen." (Benedikt XVI, Predigt anlässlich der Heiligsprechung am 11. Oktober 2009).
Dem Vorbild vieler Jünger Christi folgend, sollt auch Ihr, liebe Freunde, freudig den Aufruf zur Nachfolge annehmen, damit Ihr in dieser Welt intensiv und fruchtbar lebt. In der Tat, mit der Taufe ruft er einen jeden in die Nachfolge und zu konkreten Taten, ihn über alle Dinge zu lieben und ihm vor allem in den Geschwistern zu dienen. Der reiche Jüngling nahm leider die Einladung Jesu nicht an und ging traurig davon. Er hatte nicht den Mut, sich von materiellen Gütern zu lösen, um das höchste Gut, Jesus selbst, in Besitz zu nehmen.
Die Traurigkeit des jungen Mannes aus dem Evangelium wird im Herzen eines jeden geboren, der nicht den Mut hat, Christus zu folgen und die rechte Entscheidung zu treffen. Aber es ist nie zu spät, ihm zu antworten!
Jesus wird niemals müde, mit Liebe Ausschau zu halten und alle einzuladen, seine Jünger zu werden. Einigen schlägt er zudem eine noch radikalere Option vor. In diesem Priesterjahr möchte ich alle Jugendlichen und Heranwachsenden einladen, dafür wach und aufmerksam zu werden, ob der Herr sie dazu einlädt, ein noch größeres Geschenk zu erhalten: Es handelt sich dabei um das priesterliche Amt und die Bereitschaft, es mit Begeisterung und mit Großzügigkeit zu akzeptieren. Der dazu notwendige Prozess der Entscheidungsfindung sollte mit einem Priester oder einem geistlichen Begleiter dann begonnen werden.
Fürchtet Euch nicht, liebe Jugendliche, wenn der Herr Euch zum religiösen, klösterlichen oder missionarischen Leben oder zu einer besonderen Weihe ruft: Er schenkt denen, die seinem Ruf großzügig folgen, viel Freude.
Ich lade auch alle, die sich zur Berufung zur Ehe gerufen fühlen, herzlich ein, sie im Glauben willkommen zu heißen. Es braucht dazu die Verpflichtung, ein solides Fundament für das Leben einer großen Liebe zu legen, die treu und offen für das Geschenk des Lebens ist. So wird es zum Reichtum und zur Gnade für die Gesellschaft und für die Kirche.
5. Mit Blick auf das ewige Leben

„Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?" Diese Frage des jungen Mannes im Evangelium scheint weit entfernt von den Anliegen vieler zeitgenössischer Jugendlicher zu sein. Denn, wie mein Vorgänger erwähnt: „Sind wir nicht die Generation, deren Lebenshorizont völlig von der Welt und dem zeitlichen Fortschritt ausgefüllt wird?"
Aber die Frage des "ewigen Lebens" taucht dann in besonders schmerzhaften Momenten des Lebens wieder auf, wenn wir leiden, den Verlust eines Menschen zu beklagen haben, oder wenn wir die Erfahrung des Scheiterns machen.
Doch was ist das „ewige Leben", auf das sich der reiche Jüngling bezieht? Das erklärt uns Jesus, als er zu seinen Jüngern gewandt sagt: „Ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen und niemand nimmt euch eure Freude." (Joh 16, 22) Dies sind Worte, die auf ein aufregendes Angebot ewigen Glücks hinweisen, ein Angebot der Freude, für immer mit göttlicher Liebe erfüllt zu werden.
Sich jedoch nach der endgültigen Zukunft zu befragen, die jeden von uns erwartet, heißt den Plan des Lebens nicht mehr auf eingeschränkte oder vergängliche Horizonte, sondern auf weite und tiefe Horizonte zu richten. Sie führen uns dazu, dass wir die Welt lieben, die Gott selbst so sehr geliebt hat, und uns ihrer Entwicklung widmen, stets in der Freiheit und in der Freude, die aus dem Glauben und der Hoffnung erwachsen.
Es sind Horizonte, die uns helfen, das Irdische nicht als absolut zu betrachten, denn wir wissen, dass Gott uns auf eine größere Perspektive vorbereitet, und wir können mit dem heiligen Augustinus wiederholen: „Verlangen wir nach dem Vaterlande droben, seufzen wir nach dem Vaterlande droben, betrachten wir uns hier als Fremdlinge." (Vorträge über das Johannes-Evangelium, 35, 9) Den Blick fest auf das ewige Leben gerichtet, hat der Selige Pier Giorgio Frassati, der 1925 im Alter von 24 Jahren verstorben ist, gesagt: „Ich will leben und nicht mein Leben vertun!" und auf das Foto einer Klettertour, das er einem Freund schickte, schrieb er: „Nach oben", wobei er auf die christliche Vollkommenheit anspielte, aber auch auf das ewige Leben.
Liebe Jugendliche, ich lade Euch dazu ein, diese Blickrichtung in Eurem Lebensplan nicht zu vergessen: Wir sind zur Ewigkeit berufen. Gott hat uns geschaffen, um für immer bei ihm zu sein. Er wird Euch dabei helfen, dass Eure Entscheidungen sinnvoll werden und Euer Leben überreich und wertvoll wird.
6. Die Gebote, der Weg der wahren Liebe

Jesus erinnert den reichen Jüngling an die zehn Gebote, als wesentliche Grundlage, „um das Ewige Leben zu erlangen". Sie sind die wesentlichen Bezugspunkte, wenn es darum geht, die Liebe zu leben, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und einen soliden und dauerhaften Lebensplan zu verwirklichen.
Auch Euch fragt Jesus, ob Ihr die Gebote kennt, ob Ihr Euch bemüht, Euer Gewissen nach dem göttlichen Gesetz zu bilden und ob Ihr sie in die Praxis umsetzt. Gewiss, sind das jetzt Fragen, die im Vergleich mit der heutigen Mentalität unkonventionell erscheinen können, da es um eine Freiheit geht, die sich von Werten, Regeln und objektiven Normen losgelöst hat und dazu auffordert, sich bei der Erfüllung aller Wünsche des Augenblicks keine Einschränkungen aufzuerlegen.
Aber statt zur wahren Freiheit zu führen, macht dieser Ansatz den Menschen zum Sklaven seiner selbst, seiner unmittelbaren Wünsche. Er wird Sklave von Götzen wie Macht, Geld, dem hemmungslosen Vergnügen und den Verblendungen der Welt und wird so unfähig, seiner angeborenen Berufung zur Liebe zu folgen.
Gott hat uns die Gebote gegeben, da er uns zu wahrer Freiheit erziehen und sein Reich der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens aufbauen will. Wenn wir auf sie hören und sie in die Praxis umsetzen, dann heißt dies nicht, dass wir uns entfremden, sondern dass wir den Weg der wahren Freiheit und der authentischen Liebe finden, denn die Gebote schränken unser Glück nicht ein, sondern zeigen uns auf, wie wir es finden können. Jesus ruft zu Beginn seines Gesprächs mit dem reichen Jüngling in Erinnerung, dass das von Gott gegebene Gesetz gut ist, dass Gott gut ist.
7. Wir brauchen Euch

Wer heute seine Jugend lebt, muss viele Probleme bewältigen, die sich aus der Arbeitslosigkeit oder aus dem Mangel an sicheren idealen Bezugspunkten und an konkreten Zukunftsperspektiven ergeben. Manchmal kann der Eindruck entstehen, angesichts der derzeitigen Krisen und negativen Tendenzen ohnmächtig zu sein. Lasst Euch trotz der Schwierigkeiten nicht entmutigen und gebt Eure Träume nicht auf!
Bewahrt in Eurem Herzen den Wunsch nach Geschwisterlichkeit, Gerechtigkeit und Frieden. Die Zukunft liegt in den Händen derjenigen, die starke Gründe des Lebens und der Hoffnung zu suchen und zu finden vermögen. Wenn Ihr wollt, liegt die Zukunft in Euren Händen, denn die Gaben und den Reichtum, den der Herr in das Herz jedes einzelnen von Euch gelegt hat, werden, wenn sie von der Begegnung mit Christus geformt sind, der Welt wahre Hoffnung schenken!
Es ist der Glaube in seiner Liebe, der Euch, indem er Euch stark und großherzig macht, den Mut geben wird, Euren Lebensweg mit Gelassenheit anzugehen und in der Familie und im Beruf Verantwortung zu übernehmen. Bemüht Euch, Eure Zukunft ernsthaft durch persönliche Bildung und durch Lernen aufzubauen, um auf kompetente und großherzige Weise dem Wohl der Allgemeinheit zu dienen.
In meiner letzten Enzyklika - Caritas in veritate - über die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, habe ich einige wichtige aktuelle Herausforderungen aufgeführt, die dringend und wichtig für das Leben der Welt sind: die Nutzung der Bodenressourcen und die Achtung der Ökologie, die gerechte Verteilung von Gütern und finanzielle Kontrollmechanismen, die Solidarität mit armen Ländern auf dem Hintergrund der Menschheitsfamilie, der Kampf gegen den Hunger in der Welt, die Förderung der Würde der menschlichen Arbeit, der Dienst an einer Kultur des Lebens, die Arbeit am Frieden unter den Völkern, der interreligiöse Dialog, die positive Nutzung der Massenmedien.
Dies sind Herausforderungen, auf die Ihr reagieren müsst, um eine geschwisterliche und gerechtere Welt aufzubauen. Es sind Herausforderungen, die einen anspruchsvollen und spannenden Lebensentwurf darstellen, weil es verlangt, Euer persönliches Vermögen dem Plan Gottes für jeden einzelnen entsprechend einzusetzen.
Es geht dabei gar nicht um außerordentliche Heldentaten, sondern darum, die eigenen Talente und Potenziale fruchtbar zu machen, und sich darauf einzulassen, stetig Fortschritte im Glauben und in der Liebe zu machen.
In diesem Priesterjahr lade ich Euch ein, das Leben der Heiligen besser kennen zu lernen, vor allem das von heiligen Priestern. Ihr werdet sehen, dass Gott sie dahin geführt hat, ihren Weg zu finden. Und dies Tag für Tag, in Glaube, Hoffnung und Liebe. Christus ruft einen jeden von Euch zu einem Pakt der Liebe und der Verantwortung für den Aufbau der Zivilisation der Liebe. Möge die Jungfrau Maria, Mutter der Kirche, Euch mit ihrem Schutz begleiten. Ich versichere Euch allen meines Gedenkens im Gebet und mit großer Zuneigung segne ich Euch.
Vatikan, 22. Februar 2010
BENEDICTUS PP. XVI
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