Wie hältst Du es mit Ostern?

Wie hältst Du es mit Ostern?
Alle Jahre wieder versuchen Meinungsforscher herauszufinden, wie die Bundesbürger Ostern feiern und stellen dabei fest, dass immer weniger die Bedeutung des Osterfestes kennen. In diesem Jahr ergibt eine Befragung des Marktforschungsinstituts Ipsos, dass noch jeder Dritte (im Westen 34 %) in die Kirche geht, im Osten aber nur noch gut jeder Zehnte (13%).
von Horst Hennert
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Goethes „Faust“ kannte noch den Osterglauben

Das Nichtwissen über die wichtigsten Inhalte des christlichen Glaubens ist in dieser fortschreitenden Weise ein Phänomen der Neuzeit. Trotz der Informationsflut der neuen Medien bleiben die christlichen Inhalte offensichtlich auf der Strecke, entweder weil sie nicht in attraktiver Weise angeboten werden oder erst gar nicht an die Adressaten gelangen. Benedikt XVI. hat daher auch angemahnt, die neuen Medien besser für die Verkündigung des Glaubens zu nutzen und ist selbst als 84jähriger mit gutem Beispiel vorangegangen.
Faust wird von den Engelschören, die ihm die Osterbotschaft verkünden, vom Selbstmord abgehalten. Er erinnert sich an die Auferstehung, „an diesen Klang, von Jugend auf gewöhnt, ruft er auch jetzt zurück mich in das Leben“, er weiß was Ostern bedeutet, auch wenn er sagt: „Die Botschaft hör´ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ Trotzdem spürt er „ein unbegreiflich holdes Sehnen“, selbst wenn er den Weg in die Gläubigkeit seiner Kindheit nicht zurück findet, sich ihm der Weg zu Gebet und „jenen Sphären“ nicht mehr auftut. Das Sehnen bleibt, weil er es einmal kennen gelernt hat.
Wohin zielt unsere Sehnsucht?

Wenn selbst in vielen christlichen Familien der Glaube wenig freudig und nicht mehr als einzig Sinn stiftender Halt an die nächste Generation weitergegeben wird, wenn der Religionsunterricht die wesentlichen Inhalte des Glaubens nicht vermittelt oder gleichwertig neben alle anderen „Heilsbotschaften“ setzt, wenn Jugendliche nicht mehr den Weg zur Kirche finden, dann fehlt die Grundlage für junge Menschen überhaupt zu einer Entscheidung für oder gegen den Glauben zu kommen. Im Osten Deutschlands haben zwei Generationen ausgereicht, um die Christen in die Minderheit zu bringen.
Aber immer wieder blitzt die Sehnsucht gerade bei jungen Menschen auf: Die Weltjugendtage geben davon ebenso ein beredtes Zeugnis, wie die Taizé-Treffen oder wie die Millionen, die nach Rom beim Tod von Johannes Paul II. spontan vor 6 Jahren gepilgert sind und jetzt zu seiner Seligsprechung wieder den größten Teil der Anwesenden ausmachen werden.
Wir leben in einer Welt mit einer Vielzahl von Angeboten – aber auf Dauer kann keines die Sehnsucht des Menschen nach Ewigkeit stillen. So wie auch Goethes Faust sein Sehnen durch keines seiner Abenteuer stillen konnte. Erst die Liebe zu Gretchen lässt ihn ahnen, dass es mehr als „Materielles“ gibt.
Der christliche Glaube, der Glaube an die Liebe Gottes zu uns, an den Tod des Sohnes Gottes aus Liebe zu uns und an seine Auferstehung weiß eine Antwort auf den Tod und auf „das danach“ zu geben.
Glaubwürdiges Zeugnis gefragt

Was Jugendliche anzieht, ist das glaubwürdige Zeugnis des Lebens von Christen: Nicht Worte sondern der eigene konsequente Lebensvollzug wirkt, so wie die ersten Zeugen der Auferstehung für diese befreiende Botschaft ihr Leben eingesetzt haben, so wie Mutter Teresa von Kalkutta glaubwürdig war, so wie es viele in Johannes Paul II. gesehen haben.
Das Christentum, die Wirkung seiner Botschaft der Liebe steht und fällt auch heute mit der Glaubwürdigkeit seiner Zeugen. So sind es die Christen selbst, die etwas an der derzeitigen Lage ändern können. Papst Benedikt XVI., nach Jahrhunderten wieder ein deutscher Papst gibt mit seinem Besuch im September eine Steilvorlage dazu. Schon jetzt hat er mit dem 2. Band seines Buches „Jesus von Nazareth“ eine große Verstehenshilfe für die darin als glaubwürdig aufgezeigte Auferstehung Jesu Christi gegeben. Auch er mahnt vor allem bei den Christen ihren glaubwürdigen Einsatz gegen das Böse in der Welt an (S. 174):
„Die Schläfrigkeit der Jünger bleibt die Jahrhunderte hindurch die Chance für die Macht des Bösen. Diese Schläfrigkeit ist eine Abstumpfung der Seele, die sich nicht aufregen lässt durch die Macht des Bösen in der Welt, durch all das Unrecht und all das Leid, das die Erde verwüstet. Sie ist eine Stumpfheit, die all dies lieber nicht wahrnehmen möchte; die sich beruhigt, dass alles schon nicht so schlimm sei, um in der Selbstzufriedenheit des eigenen gesättigten Daseins fortfahren zu können. Aber diese Stumpfheit der Seelen, dieser Mangel an Wachsamkeit sowohl für die Nähe Gottes wie für die drohende Gewalt des Übels, gibt dem Bösen Macht in der Welt.“
Wenn Goethes Faust nicht nur die Botschaft der Auferstehung gehört, sondern sie glaubhaft in den Christen erlebt hätte, hätte er und vielleicht viele heute mit ihm zum Glauben gefunden.
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