Starke Kinder sind am besten vor Missbrauch geschützt

Starke Kinder sind am besten vor Missbrauch geschützt
Der bekannte Erziehungswissenschaftler Dr. Albert Wunsch gibt aus pädagogischer Sicht angesichts der Missbrauchsfälle wichtige Hinweise und Ratschläge, wie Kinder stark fürs Leben und resistent für negative Einwirkungen werden und wie Eltern einem Missbrauch ihrer eigenen Kinder vorbeugen können.
von Dr. Albert Wunsch
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Ich-Stärke fördern

Dreh- und Angelpunkt dafür, dass Kinder möglichst keine Ansatzpunkte für Missbrauchs-Attacken bieten, ist eine altersgemäß entwickelte ‚Ich-Stärke’. Sie ist das Ergebnis einer ‚ungeschuldeten Liebe’, wie der Gesprächstherapeut Carl Rogers es einmal sehr treffend formulierte. Eine solche Zuwendung ist nicht an Vor-Bedingungen geknüpft und basiert auf einem ehrlichen Interesse am Kind. So wächst Vertrauen in sich selbst und in die Bezugspersonen. Dies ist die Basis einer starken Autonomie. Solche Kinder tragen quasi ein Schild auf der Stirn mit der Botschaft: ‚Ich bin ich, ohne meine Zustimmung passiert hier nichts!’ Dagegen scheinen andere die Inschrift zu offerieren: ’Mit mir kannst du’s machen!’
Im ersten Fall konnten Kinder reichlich ‚satte’ Beziehungs-Erfahrung machen, im zweiten Fall entwickelte sich stattdessen Unsicherheit oder gar Angst. So wird sich ein selbstbewusstes Kind in schwierigen Situationen den Eltern anvertrauen, während mangelnde Vertrautheit und Sicherheit sich in Schweigen äußert. Dass viele Kinder, welche durch emotionale Vernachlässigung, Trennung, Scheidung oder Tod von Vater oder Mutter bzw. einer sonst sehr wichtigen Bezugsperson hier besonders anfällig für eine falsche Suche nach Nähe bzw. Zuwendung sind oder sich ins eigene Selbst zurückziehen, wird offensichtlich. Die fehlende Neigung eines Kindes, seinen Bezugspersonen bedrückende Geheimnisse anzuvertrauen, ist meist Ausdruck eines Mangels an individualisiertem Selbstausdruck und Selbsterhaltungsinstinkt.
Schutz-Schild gegen Missbrauch

Kinder haben den besten Schutz-Schild gegenüber Missbrauchs-Attacken, wenn sie:
  • viel Selbstbewusstsein und ein großes Vertrauen in die wichtigsten Bezugspersonen entwickeln konnten;
  • sich möglichst zeitnah über beunruhigende Kontakte oder Ereignisse mit Erwachsenen äußern können, um sich so vor (weiteren) Verletzungen zu schützen;
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  • ihre Wut und Enttäuschung über ‚Zudringlichkeiten’ und Einschüchterungen zeigen dürfen;
  • gelernt haben, sich an schlechte und bedrückende Geheimnis-Zusagen nicht gebunden fühlen zu müssen;
  • in all diesen Fällen ihre Eltern oder andere nahe Personen als Beschützer und Unterstützer ihrer Sorgen und Nöte erfahren, selbst wenn diese nicht - bzw. noch nicht - belegbar oder überzogen sein sollen.

Diese Voraussetzungen können weder per Lehreinheiten oder Moralpredigten vermittelt werden, noch können wir unsere Kinder wirkungsvoll über die Gefahren des Missbrauchs aufklären. Sie haben aber gute Wachstumsbedingungen, wenn Kinder von der Geburt an spüren, angenommen und geliebt zu sein. Diese ‚Eigenschaften sind die Frucht erfüllender und nährender Bindungen und können nur zu Hause wachsen. Wenn Kinder in Umständen leben, wo die Verletzlichkeit unerträglich ist, gehen diese Fähigkeiten verloren.’ Dann werden Kinder, so das Neufeld-Institut in Vancouver, eine ‚leichte Beute’ für Missbrauchs-Täter.
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