Minions

von José García
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Die „Minions“ wurden im Animationsfilm „Ich – Einfach unverbesserlich“ („Despicable Me“, 2010), dem ersten Animationsfilm von „Illumination Entertainment“ für die Universal-Studios, als Helfer des Superschurken Gru bekannt und insbesondere bei den jüngeren Zuschauern sehr beliebt. In der Fortsetzung „Ich – Einfach unverbesserlich 2“ („Despicable Me 2“, 2013) waren sie es sogar, die dem Film über die im Unterschied zum ursprünglichen „Einfach unverbesserlich“-Film eher konventionelle Handlung hinaus einen besonderen Charme verliehen.

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Filmische Qualität: 3 von 5 Punkten
Regie: Pierre Coffin, Kyle Balda
Darsteller (dt. Stimmen): Pierre Coffin, Carolin Kebekus, Sascha Rotermund, Erich Räuker, Ulrike Möckel, Marie Christin Morgenstern, Christin Marquitan
Land, Jahr: USA 2015
Laufzeit: 95 Minuten
Genre: Animation
Publikum: alle (FSK o.A.)
Einschränkungen: --
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Dass Nebenfiguren in einem Film noch populärer als die Hauptcharaktere werden, ist nichts Neues. Ähnliches geschieht in der Animationssparte mit „Scrat“, dem hyperaktiven Urzeitnager aus den bisher vier „Ice Age“-Filmen (2002–2012), der wie die leuchtend gelben Minions immer wieder für Chaos sorgt. Haben die Macher aus den für Twentieth Century Fox agierenden „Blue Sky Studios“ der Versuchung widerstanden, „Scrat“ einen eigenen abendfüllenden Film zu widmen, und es bei diversen Kurzfilmen belassen, so bringt „Illumination Entertainment“ nun mit „Minions“ einen eigenen Animationsfilm über die quirligen, pillenförmigen Minions in die Kinos.

In „Minions“ erzählen die Regisseure Pierre Coffin und Kyle Balda die Geschichte dieser seit Anbeginn der Welt existierenden Wesen von Anfang an. Der als Zeichentrickfilm gestaltete Vorspann geht in Animation über, während eine Off-Stimme davon erzählt, dass die Minions schon immer auf die Suche nach einem Schurken waren, dem sie als „Boss“ folgen. Übrigens: „Boss“ gehört neben „Banana“ und „Qué pasó?“ zu den wenigen halbwegs verständlichen Wörtern aus dem von Pierre Coffin selbst gesprochenen Kauderwelsch, das aus einer Mischung aus meistens wirr gesprochenem Englisch, Spanisch, Italienisch und auch Deutsch besteht, und zu den „Minions“ einfach dazugehört. Der erste „Boss“, dem die Minions in unvordenklichen Zeiten folgten, war der aus den „Jurassic Park“-Filmen berühmt gewordene Tyrannosaurus rex. Ein Schnellgang durch die Geschichte in einer lustig wirkenden, schnellgeschnittenen Sequenz zeigt die Minions als Helfer eines Höhlenmenschen, der Ägypter und schließlich Napoleons. Sogar ein gewisser Graf Dracula gehört zu den „Bossen“ der ulkigen gelben Wesen.

Irgendwann einmal aber ging die Herrschaft des jeweiligen „Superschurken“ vorbei. Die Minions verkrochen sich in eine Höhle am Nordpol und verfielen ohne einen „Boss“ in eine tiefe Depression. Dann entwickelt aber ein Minion namens Kevin einen Plan: Er will nach einem neuen Oberschurken suchen. Ihm schließen sich der rebellische Stuart und der liebenswerte, etwas verpeilte Bob an. Gemeinsam machen sich die drei Minions auf die Reise zu ihrem nächsten potenziellen Meister. Bei der Geheim-Convention „Villain-Con“ meinen sie fündig zu werden: Scarlet Overkill (deutsche Stimme: Carolin Kebekus) will als erste weibliche Superschurkin die Weltherrschaft an sich reißen. Inzwischen schreiben wir das Jahr 1968, so dass sich sowohl New York als auch London in voller „Flower Power“-Stimmung befinden.

Visuell schließt „Minions“ selbstverständlich an die zwei „Ich – Einfach unverbesserlich“-Filme an: Nicht nur die Minions sehen genauso aus, auch die Zeichnung der Menschen und der Städte lehnt sich an die Vorgängerfilme an. Witzig, halbwegs originell und rasant nimmt sich insbesondere die Eingangssequenz aus, die gleichsam als vorgeschalteter Kurzfilm im Film angesehen werden könnte. Auch während der Haupthandlung des Filmes gibt es etliche Momente, die einfach verrückt lustig wirken, so etwa die Schilderung, wie die Minions zu dem blauen Latzhosen kamen, die der Zuschauer aus „Ich – Einfach unverbesserlich“ 1 und 2 kennt.

Für einen Film mit einer mehr als anderthalbstündigen Länge reichen die Gags jedoch kaum aus – es sei denn der Zuschauer ist ein eingefleischter „Minions“-Fan. Mit dem repetitiven „Banana“-Geblubber der Minion-Sprache verhält es sich ähnlich: Anfangs macht es im Zusammenspiel mit dem Kullerauge oder -augenpaar und dem abwechselnd kleinen oder übergroßen Mund Spaß. Nach einer Weile stellt sich allerdings eine gewisse Müdigkeit ein. Teilweise geht der zwiespältige Eindruck auf das völlig vorhersehbare Drehbuch, teilweise aber auch auf die Figurenzeichnung zurück. Scarlett Overkill stellt sich als (weibliche) Neuauflage des Schurken Gru aus dem ersten „Einfach unverbesserlich“-Film heraus. Selbst dies ist konventioneller gestaltet. Denn was ist schon Scarletts Plan, die Krone der englischen Königin zu stehlen, verglichen mit Grus Vorhaben im ersten Film, den Mond zu entführen? Als bestes Beispiel für die kaum gelungene Integration von interessanten Figuren ins Drehbuch stellt sich die Familie heraus, die Kevin, Stuart und Bob von New York zur „Villain-Con“ nach Orlando mitnimmt. Diese Familie hätte den Mittelpunkt einer originellen Handlung abgegeben. Stattdessen bleibt die Zeit mit der skurrilen Schurken-Familie eine lose Episode im Film, die mit der restlichen Handlung von „Minions“ kaum zusammenhängt.

Die Zuschauer aber, die in „Minions“ nicht vorwiegend eine stimmige Handlung, sondern einfach viele, mit einem beschwingten 60er-Jahre-Soundtrack unterstützte Gags mit den quirligen gelben Einzellern suchen, werden in dem eigentlich als Prequel zu den „Ich – Einfach unverbesserlich“-Filmen konzipierten Animationsfilm auf ihre Kosten kommen, und sich auf die neue Fortsetzung „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ freuen, die für das Jahr 2017 angekündigt wurde.