Leo Martin, Ich-krieg-dich, Menschen für sich gewinnen - Ein Ex-Agent verrät die besten Strategien

Rezension von Simone Rüssel
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Zum ersten Mal bin ich auf den Autor Leo Martin beim Kitaleiterkongress in Berlin aufmerksam geworden. Er hat dort einen Vortrag gehalten oder besser gesagt eine kleine Darbietung seiner Fähigkeiten gezeigt, wie man fremde Menschen möglichst schnell einschätzen kann. Als Agent im Inlandsnachrichtendienst war das 10 Jahre lang sein tägliches Brot und manches Mal seine Lebensversicherung. Ich habe mich damals gefragt, was das bei so einem Kongress zu suchen hat. So gefährlichen Situationen ist man im Kita-Alltag eigentlich nicht ausgesetzt.

Es wurde damals aber schnell deutlich, dass es um mehr geht als nur schnell zu wissen, ob jemand lügt oder nicht, sondern wie es gelingen kann, das Vertrauen von Menschen zu gewinnen, die einem persönlich vielleicht nicht so liegen. Und das findet man in jedem (Arbeits-)Alltag. Ich war neugierig geworden und habe mir sein Buch „Ich krieg dich“ gekauft und mit Begeisterung gelesen.

Er nimmt darin den Leser mit zu einem seiner Einsätze und erklärt hier Schritt für Schritt, wie es gelingt, zu fremden Menschen ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, die (in seinem Fall waren es Kriminelle) ein ganz anderes Wertesystem vertreten als man selbst. Und hier findet sich schon eine bemerkenswerte Aussage, denn die Arbeit an diesem Problem – Wie komme ich zu einem vertrauensvollen Kontakt zu einem Menschen, der mir nicht liegt? - beginnt bei einem selbst. Was denke ich über den anderen? Gibt es nicht wenigstens einen Punkt, den ich gut finden kann?

Sehr konkret und mit vielen kleinen Checklisten zum eigenen Verhalten und mit besonderen Übungen wird man durch diese „Mission“ begleitet. Dabei fällt es nicht schwer, an eigene konkrete schwierige Situationen und Begegnungen zu denken und daran, wie man sie demnächst besser gestalten könnte.

Für mich als Coach, der in möglichst kurzer Zeit zu einer Vertrauensbasis mit einem Klienten kommen muss (denn der zahlt ja für jede Stunde), sind sehr hilfreiche Tipps dabei, die auch in ihrer psychologischen Wirkung erklärt werden. Aber nicht nur für Coaches, Trainer oder Verkäufer ist dieses Buch zu empfehlen, sondern auch für Eltern, die immer wieder neu in ihre Beziehung zu den Kindern investieren müssen, die manchmal auch ganz andere Ansichten vertreten als ihre Eltern.

Die Anspielung auf einen berühmten Filmagenten, die sich auf seiner Homepage findet, ist Programm für das ganz Buch: Man muss Menschen rühren, nicht schütteln.

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Homepage von Leo Martin und Informationen zum Buch