Lehrerinnen überholen Lehrer jetzt auch am Gymnasium

Lehrerinnen überholen Lehrer jetzt auch am Gymnasium
Der Trend hält an: die Zahl der Lehrerinnen nimmt an allen Schulformen zu. Erstmals sind die Frauen, wie das Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik in Düsseldorf mitteilt, auch beim Lehrpersonal an den Gymnasien in der Überzahl. Die intensiven Bemühungen in allen Bundesländern, mehr männliche Lehrer an die Schulen zu bekommen, um den Jungen gerechter zu werden, haben bisher nicht gefruchtet.
von Bert Pfahl
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Die letzte „männliche Bastion“ ist gefallen

Im Schuljahr 2006/07 lagen Frauen beim Lehrpersonal an den Gymnasien mit 49,2 Prozent noch knapp hinter ihren männlichen Kollegen. Im laufenden Schuljahr 2007/08 haben sie diese jetzt auch an den Gymnasien, wie schon an allen anderen Schulformen, mit 50,2 Prozent hinter sich gelassen. Vor 10 Jahren sah das an den Gymnasien noch ganz anders aus: Nur vier von zehn Gymnasial-Lehrkräften (41,8 Prozent) waren damals weiblich.
Von den fast 150.000 hauptamtlichen/hauptberuflichen Lehrkräften an allen allgemeinbildenden Schulen sind derzeit mehr als zwei Drittel (67,7 Prozent) Frauen. Damit hat der Frauenanteil an den Lehrberufen gegenüber dem Schuljahr 2006/07 noch einmal um 0,3 Prozent und im Vergleich zum Schuljahr 1997/98 um 4,7 Prozent zugenommen.
Verteilung auf die einzelnen Schulformen

Am höchsten ist der Frauenanteil unter dem Lehrpersonal der Grundschulen mit derzeit 89,5 %. Dabei hat der ohnehin sehr hohe Anteil an Lehrerinnen noch einmal über 4 % in den letzten 10 Jahren zugenommen. Aber auch gegenüber dem letzten Jahr ist er noch einmal leicht angestiegen.
An den Hauptschulen ist der Frauenanteil in den letzten 10 Jahren um fast 10 % auf jetzt 61,2 % angestiegen. An de Realschulen waren die weiblichen Lehrkräfte schon immer in der Überzahl. Aber auch dort ist ihr Anteil noch einmal angestiegen auf derzeit 65,9 %. Ein ähnliches Bild ergibt sich an den Freien Waldorfschulen bei einem um 6 % gestiegenen Frauenanteil auf jetzt 63,1 %.
Die Gesamtschulen sind bei den weiblichen Lehrkräften nicht so beliebt. Dort ist der Anteil der Lehrerinnen in den letzten 10 Jahren nur um knapp 3 % auf jetzt 55,9 % angestiegen.
Bei den Förderschulen machen die Lehrerinnen inzwischen 3/4 der Lehrerschaft aus. Um 4 % stieg ihr Anteil in den letzten Jahren auf jetzt 74,2 %.
Wo bleiben die männlichen Vorbilder?

Trotz der seit einigen Jahren laufenden Bemühungen der Bildungsministerien, mehr männliche Lehrer an die Schulen zu bekommen, vor allem an die Grundschulen, zeigt die Statistik einen weiterhin wachsenden Frauenanteil. An den allgemeinbildenden Schulen (ohne die Weiterbildungskollegs) ist heute mehr als 2/3 der Lehrerschaft weiblich.
In allen der Grundschule vorgelagerten Bildungs- und Betreuungseinrichtungen (Kindergärten, Kitas, Horte, Vorschulen etc.) liegt der weibliche Anteil des Lehr- und Betreuungspersonals noch bedeutend höher.
Zwar hat man - durch vielfältige Untersuchungen erhärtet - erkannt, dass ein Grund der Benachteiligung der Jungen an den Schulen in den fehlenden männlichen Lehrern als Identifizierungspersonen liegt, doch geht der Trend, wie die neuesten Zahlen zeigen, weiterhin in eine andere Richtung. Vielleicht lohnt es sich ja doch, einmal über Jungenschulen mit einem überwiegend männlichen Lehreranteil als eine Alternative nachzudenken.
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