Kinderbetreuung und Problemverhalten

von Nicole M. King - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Warum möchte Obama Familien helfen, die Kinderbetreuungskosten zu zahlen? Weil es irrsinnig teuer wird.

Eines der Themen in Präsident Obamas Rede an die Nation in diesem Jahr war „Kinderbetreuung“, bzw. der Mangel an „bezahlbarer“ und „qualitätsvoller“ Betreuung. Der Präsident widmete diesem Thema in seiner Rede beträchtlichen Raum, um für seinen Plan zu werben, allen Eltern einen Kredit auf ihre Steuern in Höhe von $ 3.000 zu gewähren, um die gewaltigen Kosten institutionalisierter Kinderbetreuung abfedern zu helfen.

Jordan Weissmann vom Slate-Magazin analysiert, weshalb die Bezuschussung der Kinderbetreuung so wichtig ist. „Wie teuer ist die Betreuung in heutiger Zeit eigentlich? Von Staat zu Staat variieren die Kosten enorm, doch sind sie in etwa mit der Höhe des Schulgeldes vergleichbar.“ In der Tat ist Kinderbetreuung heute so teuer geworden, dass Familien kaum noch professionelle Betreuung bezahlen können. Und warum ist das eigentlich so? Die Personalkosten der Kindergärten und Kitas sind erheblich. So ist Weissmann’s Folgerung, die einzige Möglichkeit, Kindergärten für Eltern erschwinglich zu machen, die sei, Obama’s Vorschlägen zu folgen und Subventionen zu bieten.

Forschung legt jedoch nahe, dass statt eine Diskussion darüber zu führen, mit wieviel Geld Eltern bezuschusst werden sollten, man sich eher der Frage widmen sollte, ob es wirklich gute Politik ist, Geld in ein System zu pumpen, welches Kindern wenig Gutes verheißt.

Neue Forschung - Giftmüll aus Kindererziehungsfabriken

Forschungsergebnisse belegen weiterhin die Auffassung des russischen Schriftstellers Yevgeny Zamyatin, der Kinderhorte als „Kindererziehungsfabriken“ sieht.

Im Rahmen der laufenden Untersuchungen zu Auswirkungen früher, nicht-mütterlicher Kinderbetreuung hat das National Institute of Child Health and Human Development eine Reihe von Ergebnissen veröffentlicht, die zeigen, dass die Kindererziehungsfabriken in den USA nachhaltig soziale Umweltschäden verursachen. Ergebnisse von 2003 weisen aus, dass Kinder in nicht-familiärer Betreuung eindeutig stärker als ihre Altersgenossen in mütterlicher Obhut, Problemverhalten, wie Aggression und Ungehorsam im Kindergarten entwickeln. Eine Folgestudie belegt, dass diese Probleme bei Kindern in Tagesbetreuung bis in die sechste Jahrgangsstufe andauern.

Die Autoren der Studie glauben, dass ihre Ergebnisse Beachtung verdienen, da sie auf Daten basieren, die „große, unterschiedliche Bevölkerungsschichten in einer weitblickenden und langzeitlich angelegten Studie erfasst und sich vielfältiger und ergiebiger Messmethoden und multipler Auskunftsgeber bedient“. Diese Ergebnisse mögen zu einem gewissen Teil beruhigen. So berichten die Forscher z. B., dass die Unterbringung von Kindern bei nicht verwandten Betreuern in frühester Jugend einen eher „schwachen Prädiktor“ für „externalisierte Probleme“ darstelle und in der Folge „Lehrer - Kind - Konflikte“ am Ende der 6. Jahrgangsstufe schließlich [statistisch] unbedeutend seien.

Wenn die Forscher jedoch ihren Fokus verengen und die „Zeiträume der Unterbringung bei nicht verwandten Betreuern (Tagesmütter) einerseits und öffentlichen Kindertagesstätten andererseits“ analysieren, sind die Ergebnisse ziemlich verstörend. Unter Zuhilfenahme multi-variabler statistischer Modelle konnten die Forscher nachweisen, dass im Vergleich zu Kindern, die in den ersten Jahren durch ihre Mütter betreut wurden, „Kinder, die über längere Zeit in Kindertagesstätten aufwuchsen, bis in die 6. Jahrgangsstufe eine höhere Problematik aufwiesen“. Mit anderen Worten haben sich die „scheinbar negativen Auswirkungen der Betreuung in Kindertagesstätten zum Zeitpunkt der Beendigung der 6. Jahrgangsstufe nicht verflüchtigt“.

Bei der Bewertung der Auswirkungen der Betreuung in Kindertagesstätten merken die Autoren an, dass es „nicht gänzlich geklärt werden konnte, warum die Prognose in Bezug auf problematisches Verhalten unverändert bis zum Ende der 6. Jahrgangsstufe besteht“ und ergänzen, warum „die aktuellen Einflussfaktoren, durch die … Erfahrungen in der KiTa … diese Effekte haben, wohl ein Mysterium bleiben werde“. Der normale Bürger wird allerdings die Frage stellen: Sind die Konsequenzen der Erziehung in einer Kindererziehungsfabrik im Vergleich zur Betreuung durch die eigene Mutter wirklich so mysteriös?

Die Bürger der USA kennen wahrscheinlich noch nicht alle die ganze Wahrheit über das schreckliche Experiment, ganz kleine Kinder aus den Armen ihrer Mütter zu nehmen und sie in die Hände angestellter Fremdbetreuer zu übergeben.

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(Quellen: Bryce J. Christensen und Robert W. Patterson, New Research, The Family in America, Herbst 2009, Vol. 23 Nr. 3. Study: Jay Belsky et al., Are There Long-Term Effects of Early Child Care?” Child Development 78 [2007]: 681–701).

Dieser Beitrag wird hier mit freundlicher Genehmigung von The Family in America, einer Publikation von The Howard Center, einem Partner von MercatorNet veröffentlicht.