Kinder ruinieren ihr Leben durch Sexting, aber manche Erwachsenen finden das OK

von Carolyn Moynihan - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Die Engländer machen sich Sorgen wegen des Einflusses von Internet-Pornographie auf ihre Kinder. Das sollten sie in der Tat.
Eine Untersuchung der London Times in diesem Jahr verzeichnete eine geradezu epidemische Zunahme von Sexting unter Schulkindern, zehntausende von ihnen haben in den vergangenen drei Jahren eindeutige Bilder online untereinander getauscht. Viele dieser Kinder waren erst 12 oder 13 Jahre alt. Ein Sozialfürsorger berichtete The Times, dass etwa die Hälfte der Schulmädchen es bitter bereuen, Bilder auf Instagram oder Snapchat zu posten und dass deshalb auf der Helpline für Kinder immer mehr Anrufe aufliefen.

Die National Crime Agency berichtete, dass vier junge Männer Suizid begingen, nachdem sie überredet worden waren, eindeutige Bilder von sich ins Netz zu stellen. Sie waren, wie hunderte andere, erpresst worden, was mittlerweile auch zum Geschäft international agierender Banden gehört, die vom Sexting Minderjähriger durch Einschüchterung und Erpressung profitieren.

Eine wachsende Zahl von Teenagern leiden an mentalen Gesundheitsproblemen, wie Depression, Magersucht und Selbstverletzung. Gender Konfusion ist weit verbreitet, besonders bei Mädchen, die überzeugt sind, im falschen Körper geboren worden zu sein, das Ergebnis einer „online-Infektion“, wie es ein leitender Kinderarzt der Psychologie an der Tavistock Clinic mit erfrischender Offenheit einmal nannte.

Die Metapher ist einleuchtend, wir sind mit der Situation in unserer Umgebung vertraut. Doch was ist zu tun, um gegen die Vergiftung von Gemüt und Seelen von Kindern vorzugehen?

Regierungen und Behörden fordern Soziale Medien und Mobilfunkanbieter auf, effektive Methoden zu entwickeln, anstößige Bilder von Nutzern unter 18 zu blockieren. Eine frühere Regierung hatte schon Internet-Anbieter bewogen, ein Pornographie-Filter als Standard zu implementieren, doch wie die Times Kolumnistin Janice Turner (am 3. Dez.) schrieb: „entschieden die meisten Haushalte, den Filter abzuschalten um Inhalte für Erwachsene konsumieren zu können“. Turner weiter: „Eltern ist also ihr eigenes Porno-Vergnügen wichtiger, als der Schutz ihrer Kinder“.

Nun, mag sein. Doch ist dieses Verhalten der Eltern für Turner Grund genug, eine andere Lösung vorzuschlagen, die auf drei Prämissen beruht:

1. Eltern sind meist hoffnungslos überfordert, was ihre pubertierenden Kinder betrifft.
2. Kinder sind meist recht ausgeschlafen, was den Umgang mit PC’s oder Smartphones angeht.
3. Lehrer sind die Klügsten, sie müssen es richten, Kinder vor den schlimmsten Auswirkungen der Pornographie zu schützen.

Da kann man nur beipflichten; die Leute, die geholfen haben, Safe-Sex, STD‘s (Geschlechtskrankheiten) und die Vergewaltigungskultur in Schulen und Universitäten zu tragen, werden jetzt neue Wunder vollbringen.

Wie? Durch eine „exzellente Sexualerziehung“.

Nein, sie war wirklich vorher nicht exzellent zu nennen, doch wird sie jetzt viel, viel besser sein, denn Kinder werden nicht mehr „nur an Hand zeitloser Versatzstücke, sondern in Anlehnung an die immer in Bewegung befindliche „online-Sex-Landschaft“ erzogen werden.

In der Übersetzung liest sich das so: Es geht nicht mehr darum, die Veränderungen in der Pubertät und die Biologie menschlicher Fortpflanzung zu erläutern. Nicht darum, das jahrzehntelang betriebene (und gescheiterte) Experiment fortzuführen „Sex“ haben zu können und dabei „safe“ zu bleiben. Nicht um die neueren Rituale der „Zustimmung“. (Natürlich auch auf keinen Fall um moralische Bildung, die sich vielleicht gar noch auf religiöse Fundamente britischer Kultur stützt - Religion stört nur - und es geht gar nicht, Begriffe wie Ehe, Mutterschaft und Vaterschaft zu erwähnen.) Nein, was wir brauchen, sind Lehrer, die die ganzen Abscheulichkeiten und den Fetischismus im Internet mit den Kindern „aufarbeiten“ und sie dann durch alle dunklen Unterführungen lotsen.

Die „ausgeschlafenen“ Kids werden dennoch alle Kontrollen austricksen und „wenn Schulen Kindern nicht helfen, ihre aufbrechende Sexualität in den Griff zu kriegen, wird dies von einer unbegrenzten Zahl einschlägiger Websites übernommen.“ Was ist aber andererseits gewonnen, wenn sich der Sexualkunde-Unterricht nur noch um stets sich ändernde und immer abstoßendere Webauftritte mit schädlichen Inhalten dreht, durch die der Schüler navigieren können soll? Nichts! Allerdings würde jungen Menschen, die sich solche Inhalte nicht antun wollen, etwas Wertvolles vorenthalten bleiben: die Chance, darum zu kämpfen, ihre Gedankenwelt sauber zu halten.

Hinter dieser Herangehensweise steht das Bemühen einer Generation um Rechtfertigung, die den Anschlag auf die eigene Sexualität verloren hat und nun mit eigenen, kaputten Vorstellungen über Sex leben muss. Sehr viele von ihnen, sofern sie nicht selbst Lehrer sind, glauben dann zur Feder greifen und Zeitungsspalten füllen zu müssen. Ihre defätistische, dem Zeitgeist huldigende Haltung kommt in diesem Abschnitt von Turner zum Ausdruck:

„Lehrer sind heute gelangweilt und erschöpft, immer wieder neu das Internet durchkämmen zu müssen und zu entscheiden, welche Inhalte elterliches oder gar polizeiliches Einschreiten erfordern. Die Schulen wissen, dass Sexting heute einfach Bestandteil moderner „Balz“, Teilen von Intimität, ja geradezu einen körperlichen Liebesbrief darstellt. Umso weniger verständlich ist, dass man zwar mit 16 Jahren legal Sex haben, aber dennoch strafrechtlich verfolgt werden kann, wenn man erotische Bilder von sich selbst verschickt.“

Balz? Intimität? Liebesbrief?! Diese Frau redet über 13jährige, die solche Bilder ins Internet stellen, die sie ihr Leben lang bereuen werden. Es sind keine Jane Austen Charaktere, die kurz vor der Eheschließung stehen. Die Vorstellung, dass wir Sexting einfach als kulturellen Wandel akzeptieren sollten, der keinen Schaden anrichtet, zeigt, wie vergiftet solche Ratschläge von „Experten“ sein können.

Eine wirklich „exzellente Sexualerziehung“, die diese Bezeichnung verdient, würde andere Schwerpunkte setzen: sie würde die Schönheit sexueller Liebe hervorheben, mit Fokus auf Ehe und Kinder, vorbereitet durch Selbstbeherrschung und Selbsthingabe. Sie wäre, mit anderen Worten, eine Hinführung zu den edlen Werten und Tugenden, die wirklich geeignet sind, junge Menschen zu schützen und ihnen beim Kampf auf dem Weg zum künftigen Glück zu helfen.

Eine „exzellente Sexualerziehung“ würde in erster Linie von Eltern betrieben, die keinesfalls hoffnungslos in ihren Bemühungen sind. Die erste Aufgabe für Schulen wäre, Eltern, die sich bei der Bewältigung der Aufgabe unzureichend gebildet fühlen, mit dem nötigen Rüstzeug auszustatten und sie in ihren Erziehungsaufgaben zu stärken, die ihr Recht und ihre Pflicht sind. Es sind letzten Endes immer die Eltern, an denen die Sorge für die Kinder hängenbleibt, wenn sie durch zu frühe Sexualisierung depressiv und magersüchtig geworden sind und die mit ihrer Trauer zurechtkommen müssen, wenn ein Kind sich das Leben nimmt.

„Wir können ihnen nicht die Augen verschließen, wir müssen sie vielmehr anleiten, sich auf das was sie sehen, einen Reim zu machen“, sagt Turner.

Falsch. „Wir“ können durchaus vor ihren Augen viel mehr verbergen, als wir heute tun, wenn wir uns gegen schmutzige und schädliche kulturelle Trends stemmen, statt uns bereitwillig auf sie einzulassen. Und wenn Kinder sich durch pornographische Darstellungen angegriffen sehen, wollen wir nicht, dass sie sich „einen Reim darauf machen“, sondern erkennen, wie falsch, herabwürdigend und letztlich widersinnig diese Darstellungen sind.

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Carolyn Moynihan ist stellvertretende Chefredakteurin bei MercatorNet.