Hobbit 3 - Die Schlacht der fünf Heere

von José García
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Der zweite Teil der Hobbit-Trilogie von Peter Jackson „Der Hobbit – Smaugs Einöde“ (siehe Filmarchiv) endete abrupt mit dem Angriff des Drachen Smaug auf die Seestadt Esgaroth, während der Bogenschütze Bard (Luke Evans) gefangen wurde. Der Abschluss der Filmtrilogie „Die Schlacht der fünf Heere“ schließt unmittelbar an „Smaugs Einöde“ an. Während der feige Bürgermeister der Seestadt (Stephen Fry) flieht, gelingt es Bard, aus seinem Kerker zu entkommen. Ihm kommt die Aufgabe zu, Smaug mit einem besonderen Pfeil zu töten. Diese erste Schlacht, bei der es um die Zerstörung Esgaroths durch Smaugs Feuerflammen geht, stellt aber erst den Auftakt für die finale Schlacht im Filmtitel dar.

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Filmische Qualität: 3 von 5 Punkten
Regie: Peter Jackson
Darsteller: Martin Freeman, Ian McKellen, Richard Armitage, Evangeline Lilly, Lee Pace, Luke Evans, Ken Scott, Stephen Fry, Cate Blanchett, Ian Holm, Christopher Lee, Hugo Weaving, Orlando Bloom
Land, Jahr: USA 2014
Laufzeit: 144 Minuten
Genre: Fantasy
Publikum: Jugendliche, Erwachsene
Einschränkungen: Gewalt ++
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Nachdem ihre Seestadt verwüstet und der Drache getötet wurde, machen sich die Menschen unter Bards allgemein anerkannter Führung auf den Weg zum Berg Erebor, um den Teil des Schatzes, den ihnen Smaug gestohlen hatte, von Zwergenkönig Thorin (Richard Armitage) zu beanspruchen. Thorin hat allerdings inzwischen die Drachen- oder Goldkrankheit befallen: Die Gier macht ihn so blind, dass er sich lieber im Berg verschanzt – auf der Suche nach dem Arkenstein, dem größten Schatz –, als dass er mit irgendjemand teilen würde.

Bald gesellen sich zu den Menschen auch die von Thranduil (Lee Pace) angeführten Waldelben. Bilbo Beutlin (Martin Freeman) unternimmt dann einen verzweifelten Versuch: Er stiehlt sich aus Erebor mit dem Arkenstein, um ihn für die Verhandlungen zwischen Menschen, Elben und Zwergen einzusetzen. Aber weder die Menschen und Elben noch Gandalf (Ian McKellen) können Thorin dazu bewegen zu verhandeln, erst recht nicht, als ihm bald die Armeen des Zwergen Dain zu Hilfe kommen.

Bald rüsten sich Elben, Menschen und Zwerge zur Schlacht. Ehe aber Menschen und Elben gegen Zwerge zu kämpfen beginnen, kommt ein gemeinsamer Feind ins Spiel. Der weiße, große Ork Azog (Manu Bennett) hat auf dem hohen Berg Gundabag gewaltige Ork-Armeen zusammengeführt, die sich nach Smaugs Tod des Berges Erebor bemächtigen wollen. Da die Orks die Feinde aller sind, vergessen Zwerge, Menschen und Elben ihre Streitigkeiten. So beginnt die „Schlacht der fünf Heere“ – das fünfte Heer sind wohl die Adler, die zuletzt angreifen. Eine Schlacht, die John R.R. Tolkien folgendermaßen beschreibt: „Es war eine schreckliche Schlacht, das schlimmste Erlebnis, das Bilbo je widerfuhr und das er zeit seines Lebens am meisten hasste.“ Kenner des Buchs „Der kleine Hobbit“ wissen, dass nicht alle der dreizehn Zwerge die Schlacht überleben werden.

Das Drehbuch von Fran Walsh, Philippa Boyens, Guillermo del Toro und Regisseur Peter Jackson läuft von Anfang an auf diese gewaltige Schlacht zu, die Peter Jackson 45 Minuten lang inszeniert und dabei nicht nur auf die neueste Computeranimation zurückgreift, sondern auch seiner Fantasie freien Lauf lässt. Ein Beispiel: Gigantische Orks, die Katapulte auf dem Rücken tragen und gewaltige Steine schwingen. Bei aller Bombastik enttäuscht beispielsweise die Elben-Bogenschützenarmee, die der Klon-Armee aus den Star Wars-Filmen nachgebildet zu sein scheint.

Die nach der Buchvorlage für die Schlacht entscheidende Figur ist darüber hinaus in Jacksons Film kaum ein paar Sekunden auf der Leinwand zu sehen. Tolkien schreibt: „Aber selbst mit den Adlern als Bundesgenossen waren sie noch an Zahl unterlegen. Und in dieser letzten Stunde erschien Beorn. Keiner wusste, wie und woher er kam. Er kam allein und in Bärengestalt. Ja, er schien in seiner Wut zu einem riesigen Untier geworden zu sein. Sein Gebrüll klang wie Paukendröhnen und Kanonendonner. Er fegte Wölfe und Orks wie Strohhalme und Federn aus dem Weg.“

Dafür bietet – wie schon in den ersten zwei Teilen der „Hobbit“-Trilogie“ – das Drehbuch von „Der Hobbit 3: Die Schlacht der fünf Heere“ einige Nebenstränge, die nicht in der Buchvorlage enthalten sind, so etwa der Kampf von Gandalf, Saruman (Christopher Lee), Galadriel (Cate Blanchett) und Elrond (Hugo Weaving) gegen die neun Nazgûl oder Ringgeister, die von Sauron verführten Menschenkönige, oder auch die Liebesgeschichte zwischen der Waldelbin Tauriel (Evangeline Lilly) und dem Zwergen Kili (Aidan Turner).

Die visuelle Kraft von Jacksons Film drückt sich außerdem in den bekannten Einstellungen und Kamerafahrten, etwa den für die Filmsprache von „Der Herr der Ringe“ typischen Totalen aus der Vogelperspektive mit Kameraschwenks aus. Dies erweist sich freilich auch als die Schwäche des Filmes: Nach drei „Der Herr der Ringe“- und den zwei früheren „Hobbit“-Filmen kennt der Zuschauer das Universum Mittelerde so gut, dass ihm alles bekannt vorkommt. Trotz der imposanten Figuren wie der Drache Smaug oder die furchteinflößenden Orks sowie der haptischen Qualität aller Requisiten nutzen sich diese Effekte bald ab. Nach Abschluss der „Hobbit“-Trilogie und damit nach Peter Jacksons (einstweiligem?) Abschied vom Mittelerde steht es nun fest: Trotz Jacksons Versuche, die „Schlacht der fünf Heere“ als bombastisches Spektakel zu inszenieren, erreicht er nicht die Stärke der „Herr der Ringe“-Filme.

Vielleicht liegt dies einfach am Inhalt. Zwar geht es im „Hobbit“ auch um zutiefst menschliche Themen wie Mut, Aufopferung und Liebe. Die Vielschichtigkeit der in „Der Herr der Ringe“ von Tolkien behandelten und von Peter Jackson in Szene gesetzten Themen – Starkmut gepaart mit Demut, Freundschaft, Hingabe, Treue zur eigenen Berufung – sucht man in der Hobbit-Filmtrilogie vergebens.