Man sollte Verlobten ruhig gratulieren

von Melissa Langsam Braunstein - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Im Redbook Magazin, verkündete Ashley Mateo apodiktisch: „Ich hasse es, Menschen zu ihrer Verlobung zu gratulieren und werde es nie wieder tun.“ Nun, dies ist ein freies Land und deshalb kann Frau Mateo, ebenso wie jeder andere reden, oder beschweigen, was immer sie mag. Doch wollen wir einmal ihre Einwände gegen „Glückwünsche“ betrachten, ein Wort, das die meisten Menschen wohl für unverfänglich halten:

• Erstens, so Mateo, sind Glückwünsche meiner Auffassung nach dann angebracht, wenn jemand etwas erreicht, was andere nicht geschafft haben, der Lohn für etwas, wofür jemand hartnäckig gearbeitet hat. Frau Mateo insistiert, dass Verlobungen keine Errungenschaften sind.
• Zweitens, so schreibt sie: bedeutet demnach nicht verlobt sein, das Ziel nicht erreicht zu haben und um dieses Argument zu untermauern, zieht sie den Vergleich zu Menschen, die mit 30 noch ihr Kinderzimmer im Elterlichen Haus bewohnen. Für sie bedeutet es Diskriminierung von Nicht-Verlobten, ist also uncool.
• Schließlich, so merkt Mateo an, verletzt ein Glückwunsch, den man der Frau entgegenbringt, die gebotene Etikette, da ursprünglich nur dem Bräutigam gratuliert wurde.

Wir wollen einmal annehmen, dass Fragen der Etikette im Zeitalter des Feminismus durchaus überwunden sind und uns deshalb nur den ersten beiden Anmerkungen zuwenden. Zunächst bezweifelt Mateo, dass es angemessen sei, Verlobung mit Errungenschaft gleichzusetzen. Klar haben heute Frauen mehr Optionen, als in früheren Jahrzehnten, wir können heute eine Vielzahl persönlicher und beruflicher Ziele anstreben. Desungeachtet wollen viele Frauen (und Männer) auch heute noch heiraten, weshalb sollten wir uns also nicht freuen, wenn unsere Freunde Partner finden, mit denen sie ein ganzes Leben durch alle Herausforderungen gehen wollen? Ein Pew Research von 2014 ermittelte, dass eine große Zahl erwachsener Amerikaner, die sich bis dahin nicht zu einer Ehe entschlossen hatten; dennoch zu mehr als der Hälfte (53%) angaben, irgendwann noch heiraten zu wollen.

Weiter, warum sollten wir nur jemand beglückwünschen, der etwas erreicht hat, was andere nicht haben? Warum sollten wir nicht an der Freude anderer Menschen teilhaben, die etwas zum ersten und vielleicht einzigen Mal geschafft haben? Wir spenden Beifall, wenn ein kleines Kind die ersten Schritte tut, aber nicht deshalb, weil Laufen eine historische Errungenschaft ist.

Es ist richtig, dass die Verlobung nicht so beeindruckt, wie ein Eheleben über 20 und mehr Jahre, wie Mateo abschließend bemerkt. (Ihre Ausdrucksweise, das 20. Jahr „unverletzt“ zu erreichen, klingt allerdings ziemlich absurd. Die Härte des Lebens trifft jeden von uns in der einen oder anderen Weise.) Allerdings kann man auch nicht über eigene Ehejahre reden, ohne sich verlobt und geheiratet zu haben. Mit solcher Logik missgönnt man einem Paar, das noch keinen Jahrestag feiern konnte, alle Glückwünsche,

Was Mateo’s zweiten Punkt betrifft, so scheint es mir falsch und egoistisch, die gute Nachricht eines Freundes als persönliche Zurücksetzung zu sehen. Glückwünsche zur Verlobung sollte man nicht als Abwertung für Singles auffassen.

Warum sollten wir eigentlich annehmen, dass die Ungebundenen Verlierer sind? Wenn sie heiraten wollen, sind sie wohl noch auf der Suche nach dem richtigen Partner. Anstatt Neid zu schüren, sollte man ihr Warten positiv begleiten, denn wenn andere gute Partner finden, können sie es sicher auch.

Mateo hat einfach keine klaren Vorstellungen. Einen Partner zu wählen, ist eine sehr persönliche Angelegenheit, während die Ehe ein öffentliches Gut ist. Eheleute helfen, die Ecksteine stabiler, starker Volksgemeinschaften zu bilden, denn nur die Ehe verleiht viele finanzielle, emotionale und gesundheitliche Vorteile.

Die Ehe ist eine höchst attraktive Lebensform aus unterschiedlichen Gründen, zu denen auch das füreinander Einstehen und die gegenseitige Unterstützung in Krisenfällen oder Tagen der Krankheit zählen. Ein Ehepartner wird unermüdlich bei Krankheit, Jobverlust, Tod in der Familie etc. helfend und tröstend zur Seite stehen, auch an Wochenenden und Feiertagen, so wie es eine gesichtslose Sozialbehörde niemals tun könnte und wollte.

Wenn Kinder hinzukommen, wird eine Ehe besonders attraktiv. Viele Studien belegen, dass Kinder enorm davon profitieren, bei ihren verheirateten (im Gegensatz zu nur zusammenlebenden) Eltern aufzuwachsen.

Frau Mateo darf also ihre Freunde mit den Worten hochleben lassen, die sie für richtig hält. Ich persönlich bevorzuge ein herzhaftes „Mazel tov!“ Aber feiern sollte sie auf jeden Fall. Es ist nicht nur angemessen, die Entscheidung eines Freundes, einer Freundin, einander JA zu sagen, gebührend zu feiern, sondern auch zu bedenken, dass von einer guten Ehe die Partner, die Kinder, die sie vielleicht haben werden und die ganze Gesellschaft profitieren. In diesem Sinne finden wohl alle, denen ein „herzlichen Glückwunsch“ zu pompös erscheinen mag, ein Wort, das auf die Situation passt und die positiven Effekte einer Ehe hervorhebt. Es ist schließlich keine Kleinigkeit, wenn sich zwei Menschen für ein Leben gegenseitiger Hingabe und Verantwortung entscheiden.

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Melissa Langsam Braunstein ist unabhängige Schriftstellerin in Washington, DC, und verfasst regelmäßig Beiträge auf dem Institute for Family Studies blog, wo dieser Artikel zuerst publiziert wurde. Wir veröffentlichen ihn hier mit freundlicher Genehmigung.