Hamburger Bürger votieren für das Gymnasium

Hamburger Bürger votieren für das Gymnasium
Sonntag, der 18. Juli 2010 wird in die Geschichte der Bildungspolitik als ein besonderer Tag eingehen. Die Hamburger Bürgerschaft hat sich eindeutig gegen den verführerisch daherkommenden Slogan vom längeren „gemeinsamen Lernen“ gewandt. Die CDU hat ihre Quittung für die aus Koalitionsgründen aufgegebene eigene Schulpolitik bekommen. Die Eltern wollen sich das Gymnasium nicht von der Politik nehmen lassen und glauben immer weniger daran, durch strukturelle Änderungen gute Schulen schaffen zu können.
von Horst Hennert
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Längeres „gemeinsames Lernen“ als Mogelpackung

Keines der Bundesländer –wie Berlin oder Brandenburg-, die seit eh und je die sechsjährige Grundschule haben, konnten bisher in den Leistungsvergleichen der Bundesländer die erhofften besseren Ergebnisse erbringen. Daher war damit zu rechnen, dass eine Mehrzahl der Eltern sich nicht auf die durch keine Untersuchung belegten aber versprochenen besseren Leistungen durch eine sechsjährige Grundschule für ihre Kinder einlassen wollte. Außerdem haben sich die Hamburger Bürger dagegen gewandt, dem Gymnasium zwei Schuljahre und damit einen Teil seiner nachweislichen Wirksamkeit zu nehmen.
Der gesunde Menschenverstand wurde durch eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen gestärkt, nämlich dass homogene Schülergruppen größere Leistungserfolge erzielen als wenn eine große Begabungskluft zwischen den einzelnen Schülern besteht. Und hier liegt wohl der entscheidende ideologische Ansatz der Verfechter des längeren gemeinsamen Lernens: nicht anerkennen zu wollen, dass es Begabungsunterschiede gibt, dass nicht alle Menschen –auch nicht alle Kinder- gleich begabt oder „gleich zu begaben“ sind. Wenn die Schule, und das ist ihre Aufgabe, Kindern Wissen vermitteln und sie befähigen soll, mit diesem Wissen umgehen zu können, dann ist es sowohl für die Lehrer als auch für die Schüler selbst viel motivierender, wenn sie nicht hoffnungslos über- oder unterfordert werden. Beides führt zur De-Motivation bis hin zur Leistungsverweigerung. Weder den besser begabten, aber auch den weniger begabten wird man durch längeres gemeinsames Lernen gerecht.
Der ideologische Kampf gegen das Gymnasium

Es ist in den Diskussionen der letzten Monate immer wieder deutlich geworden, dass die schulpolitischen Veränderung der Hamburger Koalition vor allem gegen das Gymnasium gerichtet ist. Es wird als die „Schule der Reichen“, der „Besserverdienenden“, als „Standesschule“ verunglimpft. Dabei verkennt man, dass das Gymnasium die Schulform ist, die in den letzten Jahrzehnten am stärksten gewachsen ist – die Zahl der Schüler an den Gymnasien hat sich verfünffacht. Allerdings ist es auch die Schulform, die am deutlichsten macht, dass es Begabungsunterschiede gibt. Von der Schule für weniger als 10 % der Bevölkerung ist sie zur Schule für 40 % geworden, mit freiem Zugang für alle, die mit den entsprechenden Leistungen aufwarten können.
Das Gymnasium hat in den letzten Jahrzehnten auch die größte integrative Kraft bewiesen, indem unabhängig von der sozialen Herkunft, auch unabhängig von einem Migrationshintergrund, alle Schüler Zugang zu dieser Schulform erhalten haben, für die sie - gemessen an der Begabung der Schüler – die richtige ist.
Die neue Regierung in NRW sollte sich noch einmal gut überlegen, ob sie die in ihrem Koalitionsvertrag geäußerte Absicht, auch in NRW auf längeres „gemeinsames Lernen“ zu setzen, ohne Rücksicht auf den Willen der Bürger durchsetzen will. Sie könnte ein ähnliches Desaster wie Hamburg erleben.
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