Klares Votum für die 4-jährige Grundschule

Klares Votum für die 4-jährige Grundschule
Der Kampf um die Primarschule (6-jährige Grundschule) seitens der Bildungspolitik und um den Erhalt des Gymnasiums ab Klasse 5 seitens vieler Eltern geht nicht nur in Hamburg weiter, wo gerade die Bürgerinitiative "Wir wollen lernen“ einen Volksentscheid vorbereitet. Ein wichtiges Argument für die 4-jährige Grundschule hat jetzt auch der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes Meidinger in die Diskussion eingebracht.
von Horst Hennert
---
4-jährige Grundschule ist sozial gerechter

Die aktuellen PISA-Vergleichsuntersuchungen von 2000 und 2006, die erstmals auch einen Vergleich zwischen den Bundesländern erlauben, unterstützen in keiner Weise die Behauptung der Reformbefürworter, die PISA-Daten sprächen für eine Verlängerung der Grundschuldauer. Vielmehr zeigen sie, so Heinz-Peter Meidinger, dass durch die 6-jährige Grundschule die Chancen eines Arbeiterkindes, das Gymnasium zu besuchen, deutlich sinken:
"Ein Blick auf das einzige Bundesland, das in diesem Zeitraum eine verpflichtende sechsjährige Grundschule eingeführt hatte, Brandenburg, fördert Erstaunliches zutage. Nicht nur, dass sich in Brandenburg der Zusammenhang zwischen sozialer Schicht und Bildungserfolg (Steigung des sozialen Gradienten) im Berichtszeitraum 'signifikant' erhöht hat, auch in der Lesekompetenz konnte eine 'tendenzielle Zunahme der sozialen Unterschiede' festgestellt werden. Das Autorenteam um Prof. Baumert stellt in dieser Vergleichsuntersuchung außerdem fest, dass sich deutschlandweit lediglich in Brandenburg der 'Gymnasialanteil für Schülerinnen und Schüler der oberen Dienstklasse statistisch bedeutsam erhöht' habe. In keinem Bundesland mit vierjähriger Grundschule liegt außerdem die Gymnasialbeteiligung von Oberschichtkindern so hoch wie in Brandenburg, nämlich bei 63 Prozent.“
Die Chance eines Arbeiterkindes im Vergleich zu Kindern aus den Oberschichten, zum Abitur zu gelangen, sei zwischen 2000 und 2006 bei gleicher Lesekompetenzstufe in Brandenburg von 1:1,9 auf 1:4,3 zurück gegangen. Die soziale Chancengerechtigkeit hat sich damit im Vergleichszeitraum um minus 2,4 verschlechtert, während sich beispielsweise Bayern um den Faktor 3,8 verbessern konnte. Es sind also laut Meidinger keinerlei positive Effekte festzustellen, die für eine Verlängerung der Grundschulzeit sprechen. „Im Gegenteil: Die soziale Schere geht weiter auf. Brandenburg mit seiner längeren Grundschulzeit ist das schwarze Schaf in Sachen Bildungsgerechtigkeit in Deutschland“, so der Verbandsvorsitzende.
Dass auch viele Eltern den Übergang zu den weiterführenden Schulen nach der 4. Grundschulklasse wollen, wurde in Hamburg eindrucksvoll demonstriert. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Bildungspolitiker an diesem Willen der Eltern orientieren.
Chance eines Facharbeiterkindes im Vergleich zu Kindern der oberen Dienstklasse, das Gymnasium zu besuchen bei gleichen Lesekompetenzen

Quelle: teachersnews

Taxonomy upgrade extras: