Wie vermeiden wir fettleibige Kinder?

von Laura Keynes - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Alle Eltern können ein Lied davon singen, wie schwer es ist, Kinder zu bewegen, Gemüse zu essen. Sogar Rose Prince, englische Journalistin für Ernährungsfragen schreibt, dass sie oft „frustriert bei der Fütterung ihrer Kinder“ war und erinnerte sich, wie leicht es ihrer Mutter -„Hausfrau im klassischen Sinn“- gefallen war, leckere Mahlzeiten von Grund auf zuzubereiten und wie sie nebenbei ein Auge darauf hatte, dass nicht zuviel genascht wurde. Ihre eigenen Kinder dagegen „schmieren sich dick belegte Brote und machen sich über die Vorräte an Plätzchen und Süßigkeiten her, sobald sie sicher sind, dass ich im Büro bin…Kinder vielbeschäftigter Eltern finden schnell heraus, dass du zu müde zum Streiten bist“

Man schätzt, dass es in England mittlerweile etwa 140.000 „super-fat kids“, also stark übergewichtige Kinder gibt, die sich wohl in naher Zukunft einer Magenband-Operation -als letztes Mittel zur Einengung des Magendurchmessers- unterziehen müssen, natürlich auf Kosten des Steuerzahlers.

Die Gesundheitsbehörden haben die Initiative Change4Life gestartet, die Menschen dazu ermutigen soll, sich 6 gesunde Gewohnheiten pro Tag anzueignen, dazu gehören 5 Veggie-Mahlzeiten, Salz- und Zucker-Beschränkung und fettreduziertes Essen.

Es wird viel Steuergeld in die Prävention der Fettsucht gesteckt, doch haben die Behörden der verschiedenen Regierungen der letzten Jahrzehnte einen wichtigen Aspekt völlig außer Acht gelassen: dass die traditionelle Familie, bei der die Mutter zu Hause die Mahlzeiten zubereitet, den besten Schutz vor Fettleibigkeit von Kindern bietet. Hätte jemand versucht, diesen Aspekt zu thematisieren, wäre er zweifellos von den liberal-progressiven Kräften niedergebrüllt worden, die darauf aus sind, die Familie in einen Nanny-Staat aufzulösen, in dem alle Frauen arbeiten müssen und Kinder schnellstmöglich in Tagesbetreuung abgegeben werden.

Rose Prince stellt fest, dass „Konzentration nötig ist, um für Kinder gesund zu kochen.“ Familien mit einem Elternteil zu Hause haben viel häufiger gemeinsame Mahlzeiten mit selbst gekochten Speisen. Man muss schon aufpassen, dass Kinder nicht unbedacht alles Mögliche zwischen den Mahlzeiten in sich reinstopfen, darauf sehen, dass gegessen wird, was auf den Tisch kommt und zwar mit ordentlichen Manieren. Die Familie ist nämlich der Ort, wo wir sozialisiert werden und lernen, miteinander auszukommen.

Unsere Kultur hat sich nicht besonders darum gekümmert, Mahlzeiten im Kreis der Familie zu protegieren. Shaun Bailey, der Ratgeber des Premier-Ministers für Jugend und Kriminalität meinte einmal, dass die beste Reform, die die Regierung auf den Weg bringen könne, die sei, eine Mindestgröße für Küchen im sozialen Wohnungsbau vorzuschreiben, groß genug, dass Familien dort gemeinsam an einem Tisch sitzen könnten. Wenn in öffentlich geförderten Wohnungen nicht einmal solche Minimalvoraussetzungen berücksichtigt werden, muss man sich über die Vorstellungen der Eliten, die solche Entscheidungen zu verantworten haben, nicht wundern. Der Führer der Labour Party, Ed Miliband ließ sich -im Wahlkampf- in seiner „Kitchenette“, einem Ort „für eine Tasse Tee und Quick-Snacks“ filmen, wie die Journalistin Jenni Russell, seine langjährige Freundin berichtete.

Er dachte wohl, dass seine potenziellen Wähler sich nicht mit einer Küche, die Platz für Tisch und Stühle bietet, identifizieren könnten.

Selbst in trendigen Häusern der Mittelklasse, deren Küche bequem Platz für Mahlzeiten bietet, werden diese häufig unterbrochen, um den außerschulischen Aktivitäten der Kinder nachkommen zu können, wobei das Essen in Schichten abläuft, damit sie pünktlich zu ihrem Nachhilfelehrer oder zum Musikunterricht aufbrechen können. Die Botschaft für die Kinder ist dann die, dass ein gutes Examen wichtiger ist als ein gutes Familienleben.

Die simple Wahrheit ist, dass seitdem immer mehr Mütter außer Haus arbeiten und der Schulunterricht immer länger geworden ist, die Kinder immer dicker werden. Die Reaktion darauf dürfte nicht die sein, dass noch mehr Steuergelder in Gesundheitsprogramme gepumpt oder Magenbänder einoperiert werden, sondern die, dass der Familie als Basiszelle der Gesellschaft wieder die ihr zukommende Wertschätzung gezollt wird.

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Laura Keynes ist Schriftstellerin und Kritikerin in Cambridge / England. Dieser Beitrag wurde zuerst in The Conservative Woman veröffentlicht und wird hier mit freundlicher Genehmigung wiedergegeben.