Ferien … wenn die Seele sich in der Hängematte entspannt

Ferien  … wenn die Seele sich in der Hängematte entspannt
Urlaub machen heißt meist, vom Alltag abschalten, Tristes überwinden. Viele, meist aber unabgestimmte Erwartungen - an wen auch immer - werden mit dieser Zeit verbunden. Durch welche Voraussetzungen sich jedoch im Ferien-Alltag ein gutes Miteinander ergibt, wird aber meist ausgeblendet. Damit die ‚schönste Zeit des Jahres’ nicht zum Störfall wird, sollten wir nicht den Zufall werkeln lassen. Sonst kann es leicht vom ‚Strand zum Konflikt-Coach’ gehen.
von Dr. Albert Wunsch
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Ferienanregungen für Familien: Damit die schönste Zeit des Jahres nicht zu Stress führt

Ganze 9 Minuten sprechen Paare nach Einschätzungen von Paarberatern täglich miteinander und nun hocken sie 24 Stunden aufeinander. Mit dem Auto wird oft sorgfältiger umgegangen als mit der Beziehung. Denn Fahrzeuge werden meist vor einer Reise noch einmal durchgecheckt, während das Zusammenleben eher zufällig im Urlaub auf den Prüfstand gerät. Dann können die Beteiligten - selbst ohne Sonnen-Einstrahlung - kräftig ins Schwitzen geraten.
Aber das muss nicht sein. Kein Projektleiter käme z.B. auf die Idee, Ziele oder Erwartungen nicht in planbare Handlungsschritte umzusetzen. Dies gilt genauso für die Urlaubszeit, selbst wenn sie zu Hause verbracht wird. Abhilfe schafft eine gute Vorabstimmung zu den Rahmenbedingungen, die Klärung von unterschiedlichen Vorstellungen, der damit verbundenen Konsequenzen sowie eine Regelung der anfallenden Aufgaben.
Entlastende Vorbereitung der Ferien

Vor Ferienbeginn ist daher mit den Kindern ab ca. 3 Jahren - je nach Alter leicht zu variierend - zu klären: „Wer übernimmt welche Aufgabe im Tagesablauf in den Ferien?“ Geht es in eine Ferienwohnung, auf den Campingplatz oder in die Jugendherberge, gibt es reichlich Tätigkeiten zwischen Frühstück und Abendessen.
Wird dies innerhalb einer Pauschalreise mehr oder weniger alles geregelt, sind die Planungen auf das gemeinsame oder auch - bei größeren Kindern - zeitweise separierte Tun im Tagesablauf gerichtet. Was soll unternommen werden? Wer ist dafür zuständig? Was sollte möglichst vermieden werden? Wie finden innerhalb der Ferien sinnvolle Abstimmungsprozesse statt? Hilfreich ist es auch, wenn eine Kennzeichnung nach den Kategorien ‚gutes Wetter’, ‚nicht so tolles Wetter’, ‚auch bei Regen gut umsetzbar’ erfolgt, um in der Situation schneller entscheiden zu können.
Falls Kinder dazu neigen sollten, wenig nützliche oder gar schädliche Dinge für sich einzuplanen – z. B. aus dem Bett nicht rauskommen oder stundenlang vor TV-Geräten, PC’s Spielkonsolen oder ähnlichem verbringen zu wollen, sind hier Maximal-Zeiten pro Tag aus Sicht der Eltern festzulegen, damit der Nachwuchs sich nicht zu umfangreich von Bewegung, frischer Luft, sozialen Kontakten und neuen Erfahrungen absorbiert und gleichzeitig dem Wachstum von ‚viereckigen Augen’ Vorschub leistet.
Da in der Regel Etliches nur mit einem bestimmten Finanzaufwand zu realisieren ist, wird auch gemeinsam geklärt, welche dieser Vorhaben aus dem Familien-Urlaubsbudget zu realisieren sind und was nur bei einem Einsatz des pro Kind bereitgestellten persönlichen Urlaubsbudgets oder unter Einbeziehung des Taschengeldes verwirklicht werden kann und welche Kombinationen möglich sind. Eltern, welche sich bisher noch nicht für eine Budget-Regelung entschieden haben, werden schnell erfahren, wie erleichternd und lehrreich dies für alle Beteiligten ist.
Nun werden die Planungen in einen eigenen Ferien-Ablauf-Plan eingetragen. So wird das nach zwei drei Ferien-Tagen einsetzende Gejammer in den Variationen: „Was soll ich denn heute tun? Mama, mir ist so langweilig!“ oder „Dazu habe ich heute gar keine Lust?“ maximal minimiert. Aber auch ad hoc Situationen wie: ‚Ich will jetzt mit Max und Erna ins Spaßbad und dazu brauche ich für Eintritt, Getränke, Eis und Snacks 30,- EURO, aber bitte schnell, die anderen warten’ werden so vermieden. So lassen sich recht gut unterschiedlichste Freizeit-Gestaltungsideen in einen koordinierten Gesamtplan bringen.
Neue Zugänge zu den Kinder

Neben diesem sinnvollen alltagspraktischen Handeln können in solchen ‚Sonder-Zeiten’ Eltern aber auch zu ihren Kindern recht neue Zugänge erschließen, indem sie sich über Träumereien, Zukunftspläne, Sorgen, Unsicherheiten, brachliegenden Fähigkeiten, besondere Fertigkeiten, die umfangreichere Realisierung von Hobbys - auch unter finanziellen und zeitlich-organisatorischen Gesichtspunkten - austauschen. Damit sind keine Fragerunden an den Nachwuchs im Sinne: ‚Was ich immer schon einmal von dir wissen sollte’ gemeint, sondern Chancen für einen differenzierten Gedankenaustausch gemeint, in welche Eltern sich ähnlich einbringen wie ihre Kinder.
Häufig wird dann ‚als Nebenprodukt’ deutlich, weshalb sich Sohn oder Tochter in der Schule überhaupt oder im Fach X bzw. bei der Lehrkraft Y so schwer tun, weshalb manchmal Mauern zwischen Kindern und Eltern wachsen, in welchen Situationen Konflikte bevorzugt auftreten, besonders in der Zeit der Pubertät, auf welche Weise das Klima in der Familie verbessert werden könnte und welche Sprüche oder Reaktionsmuster der Kinder bzw. von Mama oder Papa wirklich umgehend in den Restmüll gegeben werden sollten. So würden Ferien zu einer (Aus)Zeit, in welcher nicht nur gemeinsam neue Erfahrungen in Natur und Alltag gemacht werden, sondern gleichzeitig das Leben im Miteinader erlernt wird.
Kommt ein gut lebbarer Konsens zwischen allen Beteiligten zustande, kann es wirklich eine ‚schöne (Sonder-)Zeit’ werden. Dann wird die Seele von Eltern für einige Zeit ganz entspannt in der Hängematte baumeln, Wünsche und Sehnsüchte fliegen auf den Wolken ins Irgendwo und manche Sorgen können auf den Wellen des nahen Baches ins Ur-Meer fließen.
Währenddessen kann der Nachwuchs jenseits von technischen Freizeitgeräten in neue emotional geprägte Innen- oder Außenwelten vordringen, in Abgrenzung von schulischem Lernen manch unbekannte Galaxien entdecken und erforschen, durch die Wandlung bzw. Überwindung von sattsam bekannter Alltags-Langeweile in kreativ-ideenreiche Erfahrungsräume vorstoßen. Ja, ein erwartungsgeerdeter Urlaub hilft allen Familiemitgliedern abschalten, reduziert den Alltags-Ballast und füllt den Reservetank unseres Leistungsvermögens kräftig auf.
Hilfreiche Absprachen

Wenn sich die Eltern vom Grundsatz her auch an die, den Kindern gegebene Aufgabenstellung gehalten haben, vorrangig ihre Feizeitinteressen und Rekreationswünsche aufzulisten, wird kurz vor dem Beschluss des Ferienprogramm-Rahmens von den Eltern der Hinweis eingebracht werden, dass nun nur geregelt werden müsse, wer denn während der Zeit, wo alle Familienmitglieder berechtigter Weise Urlaub machen wollen (ob zu Hause oder im Ferien-Domizil), für Einkaufen, Kochen, Tischdienste, das Sauber- und Ordnunghalten der Wohnräume usw. zuständig sei. Auch wenn der Nachwuchs auf diese Frage äußerst irritiert reagieren wird, denn schließlich haben aus Kindersicht Eltern weder Nachtschlaf-, Freizeit- oder Urlaubs-Bedürfnisse zu haben, jetzt steht – je nach den altersbedingten Fähigkeiten – Aufgabenmoderation nach dem Muster: ‚Wer macht was, wer könnte was machen’ an.
Diese Runde ist erst dann beendet, wenn alle Aufgaben halbwegs gerecht verteilt sind. Jetzt ist noch notwendig zu klären, was denn die Söhne und Töchter als Ideen haben, was denn passieren sollte, wenn sie die Regel ‚mal vergessen’ sollten oder sie diese zeitweise außer Kraft zu setzen suchen. Auf den Ablenkungsversuch: ‚Das brachen wir nicht zu regeln, dass mache ich schon!’ sollten Eltern keinesfalls reinfallen. Also steht weiter in Kurzfassung im Raum: ‚Was passiert, wenn’s nicht passiert?’ Wenn dem Nachwuchs nichts einfallen sollte, können die Eltern entsprechende Vorschläge zur Konsequenz eines solchen Verhaltens machen. Unabhängig davon sind jederzeit Tauschaktionen unter den Beteiligten möglich. Dann kann in der Kombination von individuellem bzw. familiärem Freizeitprogramm und gemeinsam zu realisierendem Haushaltsprogramm eine abschließende Inkraftsetzung des Ferien-Programms 2011 erfolgen.
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Copyright: Dr. Albert Wunsch, 41470 Neuss, Im Hawisch 17
Dr. Albert Wunsch ist Erziehungswissenschaftler, Psychologe, Supervisor (DGSv) und Konflikt-Coach. Er lehrt an der Uni Düsseldorf, der KatHO Köln sowie der PTH in Vallendar und arbeit in eigener Praxis als Paar-, Lebens- und Erziehungs-Berater. Seine Bücher, Die Verwöhnungsfalle (auch in Korea und China erschienen) und Abschied von der Spaßpädagogik lösten ein starkes Medienecho aus. Er ist Vater von 2 erwachsenen Söhnen und Großvater von 3 Enkeltöchtern. Im Sept. 2011 erscheint von ihm: Boxenstopp für Paare
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