Durch die Wüste - Fastenzeit

von Martin Eberts
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Inmitten dieser sterilen Wüste werden wir nicht selten von Luftspiegelungen und Täuschungen genarrt, von sektiererischen Irrungen und ideologischen Wirrungen; oder wir werden von vagabundierenden Pathologien von Religion sogar physisch bedroht. Allerdings gibt es in all dieser Ödnis noch ein paar Widerstandsnester – Oasen in der spirituellen Wüste – in denen sich ein gutes religiöses Mikroklima hält und die sogar wieder wachsen. Im Folgenden wollen wir einige davon betrachten – einschließlich der Frage, warum das alles für junge Menschen interessant ist.

Zeit zum Fasten

Die Fastenzeit erlebt seit einigen Jahren ein regelrechtes Comeback. Wie nützlich eine Zeit der Nüchternheit und des Verzichtes sein kann, und dass so etwas zumindest physiologisch von Wert ist, hat sich herumgesprochen – spätestens seit sich der Begriff „Heilfasten“ im allgemeinen Sprachgebrauch eingebürgert hat. Wie steht es aber mit dem ursprünglichen, dem spirituellen Sinn des Fastens? Geht es wirklich nur um Essen und Trinken? Warum muss das zu einer bestimmten „Fastenzeit“ sein? Und wie lässt sich dies jungen Leuten als sinnvoll vermitteln?

Unsere Gesellschaft ist sehr auf Haben und Konkurrieren ausgerichtet. Die Grundfrage bei allen Tätigkeiten ist: „was bringt mir das“? Selbst da, wo nicht Leistungsdruck und Prüfungsstress herrschen, besteht doch fast immer eine Art „Peer Pressure“, selbst in der Freizeit. Und wie selbstverständlich wird ein positives Selbstbild mit Erfolg, und Erfolg mit materiellen Vergütungen oder Belohnungen verbunden. Immer weniger geschieht um seiner selbst willen; fast alles ist „verzweckt“. Kein Wunder also, dass Suchtverhalten und Depressionen schon bei jungen Leuten zunehmen.

Warum überhaupt verzichten?

Die bloße Vorstellung, auf etwas Gewohntes verzichten zu sollen, ganz besonders, wenn es um Genussmittel oder Selbstverwirklichung geht, ist vielen jungen Menschen fremd geworden, und der Gesundheitsaspekt, der Älteren unmittelbar einleuchtet, ist für sie meist nicht relevant. Um so wichtiger ist es für sie, vom materialistischen Weltbild loszukommen, wieder neu zu lernen, dass das Leben mehr ist als Geld und Ansehen, weil das alles „sub specie aeternitatis“ , unter dem Aspekt der Ewigkeit wenig bedeutet. In Kindergärten gibt es gelegentlich Programme, in denen die Kleinen für einige Wochen ohne Spielzeug auskommen; das dient der Kreativität und beugt tatsächlich späterem Suchtverhalten und Abhängigkeiten vor. Warum also sollten nicht in ähnlicher Weise Jugendliche in der Fastenzeit z.B. einmal auf Computerspiele oder Handy-Nutzung verzichten? Das ist gewiss ebenso sinnvoll, wie der Verzicht auf Alkohol oder Süßigkeiten. Sie werden das aber nur durchhalten und einen Nutzen davon haben, wenn wir den Verzicht auch geistlich begründen können – wir tun das für uns, aber auch für unseren Schöpfer… Junge Menschen sind dafür empfänglich, mehr als ältere. Geben wir ihnen wieder die Chance Spiritualität zu erleben!

Wozu eine feste Fastenzeit?

In der Katholischen Kirche gilt das klassische Fastengebot für die Altersgruppe zwischen 18 und 59 Jahren, in der Zeit von Aschermittwoch bis Ostern. Es gibt Ausnahmen für Schwangere, Reisende, Kranke etc. Aschermittwoch und Karfreitag sind dagegen für alle Gläubigen strenge Fast- und Abstinenztage, an denen weder Fleisch und Alkohol genossen werden. Das alles geschieht nicht aus diätetischen oder medizinischen Gründen, sondern als Vorbereitung auf das Osterfest. Es hilft uns dabei, das unglaubliche Geschehen des Leidens und Sterbens Christi bewusster wahrzunehmen und zu verstehen. Am Ende der Fastenzeit steht dann die Freude über Ostern – nicht über verlorene Pfunde oder das endlich wieder „erlaubte“ Bier, sondern über das Wunder der Auferstehung Christi, das zugleich die Überwindung des Todes überhaupt und also auch für uns persönlich bedeutet. Der Verzicht durch Fasten hilft unserer Seele dabei „Ballast“ abzuwerfen und wieder hellhöriger und wahrnehmungsfähiger zu werden, befreit von störenden Lasten.

Wie soll das junge Leute reizen?

Junge Leute sehnen sich nach Spiritualität, auch wenn sie es nicht so ausdrücken. Sie haben spirituelle Bedürfnisse, suchen nach Sinn und Geborgenheit; sie fühlen unbewusst, dass das Leben mehr ist als Materie und Funktion. Eine kalte, materialistische Umwelt lässt dieses Wissen verkümmern, aber es verschwindet nie ganz. Wir müssen ihnen gar nichts einreden oder gar aufzwingen, das wäre verfehlt und kontraproduktiv, würde ihnen nur schaden. Aber wir haben eine Verantwortung für ihr seelisches Wohl und dürfen ihnen diese Dimension des Lebens nicht vorenthalten – sei es aus Scham, oder falschem Verständnis von Selbstbestimmung. So wie wir unsere Kinder zu gesunder Ernährung anhalten, so müssen wir auch auf ihr seelisches Wohl bedacht sein. Es reicht dabei völlig, ein gutes Beispiel zu geben, für Fragen offen zu sein und ehrliche Antworten zu geben. Sprechen wir vor und in der Fastenzeit darüber, warum wir fasten. Fordern wir nichts Schematisches von ihnen, sondern lassen wir der Kreativität der Teens und Twens ihren Lauf. Und leben wir Fasten- und Osterzeit in der Familie – das schönste Fastenopfer für die Familie ist der Verzicht auf Stress, weil wir dadurch mehr Zeit zusammen haben!

Wenn wir die Fastenzeit bewusst und gemeinsam mit jungen Leuten erleben – zuhause, in der weiteren Familie, vielleicht auch mit Freunden und natürlich in der Gemeinde – dann können wir auch bewährte christlich-meditative Traditionen wieder neu erleben, das Beten des Rosenkranzes, die Kreuzwegandacht und schließlich die wunderbaren Liturgien der Karwoche und des Osterfestes.

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wird fortgesetzt