Wertschätzung der Familien

Wertschätzung der Familien
Die jüngsten Diskussionen rund um die Rente, aber auch die Klagen über mangelnde Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, sowie die Diskussion um die Sicherung der Arbeitsplätze angesichts der infolge der Finanzkrise entstandenen Wirtschaftsflaute, veranlassen mich, eine zusammenfassende Betrachtung anzustellen.
von Günter Striewe
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Geld hat keinen Wert an sich, denn es ist nur eine Verrechnungseinheit für Leistung, damit Waren und Dienstleistungen einfacher als in der Naturalwirtschaft getauscht werden können. Da inzwischen das gesamte soziale Netz an der geldwerten Erwerbstätigkeit festgemacht ist, kann die Krise der Staatsfinanzen nur behoben werden, wenn wir uns alle wieder auf den Kern aller wirtschaftlichen Vorgänge besinnen.
Die kleinste wirtschaftliche Gemeinschaft ist die Familie. Das hauswirtschaftliche Zusammenleben funktioniert nur, wenn jeder nach seinen Kräften daran mitarbeitet. So lernen auch Kinder bereits, dass im Leben nichts geschenkt wird. Leider ist dieser Satz aber heute mit einem Fragezeichen zu versehen. Denn mangelnde elterliche Zuwendung wird allzu oft durch üppige Ausstattung der Kinderzimmer ausgeglichen. Wer traut sich heute noch, rechtzeitig Grenzen aufzuzeigen und erst dann zu fördern, wenn Forderungen erfüllt worden sind?
Die Arbeiten in der Familie beruhen auf gegenseitiger Hilfe. Sie werden auch nicht gegeneinander aufgerechnet und einer Gewinnoptimierung unterworfen. Angesichts der technischen Errungenschaften ist es aber nicht mehr möglich, alles, was heute das Leben angenehm macht, selbst herzustellen. Aus der über die Grenze der Familie hinaus- gehenden Arbeitsteilung hat sich die entgeltliche Erwerbstätigkeit entwickelt. Sie muss einen Ertrag abwerfen, mit dem die Waren und Dienstleistungen erworben werden können, die im Rahmen der interfamiliären Arbeitsteilung nicht erwirtschaftet werden können.
Hieraus hat sich seit der Industrialisierung das bisher prägende Familienbild der für die internen Belange der Familie zuständigen Hausfrau und des durch seine entgeltliche Erwerbstätigkeit den finanziellen Unterhalt sichernden Ehemannes als Ernährer geformt. Dieses Bild wird spätestens seit der 68-er-Revolution ständig in Frage gestellt.
Zutreffend ist tatsächlich, dass es auch für die Kinder äußerst positiv ist, die elterliche Arbeit zu erleben. Die Zeit der landwirtschaftlichen und der kleingewerblich-selbständigen Erwerbstätigkeit sind allerdings unwiderruflich vorbei. Damals waren Kinder weder überbetreut noch vernachlässigt. Sie waren eingebunden in den Tagesablauf der Eltern, die sich bei ihrer Arbeit gegenseitig unterstützen konnten, und die Kinder hatten ihre Eltern jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung, um die kleinen und großen Probleme unverzüglich mit ihnen zu besprechen. In unserer hoch spezialisierten Berufswelt mit klarer Trennung von Wohnung und Arbeitsplatz ist das nicht mehr möglich.
Bei dieser klaren Trennung von Wohnen und Arbeiten, den vielen Erleichterungen der häuslichen Arbeit, der Reduzierung der Familien auf meistens nur ein Kind, fühlen sich gut ausgebildete Mütter oft unterfordert und möchten neben der Familienarbeit ihrem erlernten Beruf nachgehen. Dafür besteht ganz sicher Verständnis. Es stellt sich aber die Frage, wie die Kinderbetreuung geregelt wird.
Schaut man zurück, ist das Problem nicht neu. Es gab schon immer – nur nicht in so großer Zahl – Familien, in denen auch Frauen aufgrund ihres Studiums einer hoch qualifizierten Tätigkeit nachgingen. Sie sahen darin aber noch eine echte Berufung. Der Gelderwerb stand nicht im Vordergrund. Die gewonnene finanzielle Freiheit wurde genutzt, um eigenverantwortlich für Kinderbetreuung und Hausarbeit eigenes Personal einzustellen und selbst zu bezahlen. So wurden zusätzliche Arbeitsplätze mit eigener Wertschöpfung geschaffen, die Steuern und Sozialabgaben einbrachten.
Heute wird gefordert, der Staat müsse sich um die Kinderbetreuung kümmern. Damit meint man aber nicht nur die Organisation in Kindertagesstätten und Kindergärten gegen kostendeckende Gebühren. Gemeint ist auch die wesentliche Kostenübernahme durch den Staat, weil sich sonst das Arbeiten ja nicht lohne. Gerade Akademikerfamilien haben heute so gute Erwerbschancen, dass sie wie früher die Kosten der Kinderbetreuung daraus ohne negativen Saldo selbst finanzieren können. Allerdings müssen diese Kosten in voller Höhe aus dem unversteuerten Einkommen gezahlt und von dem Empfänger der Entlohnung versteuert werden. Nur so bleibt die klassische Wertschöpfungskette erhalten. Wollen aber die Eltern den Zusatzverdienst als volles Plus verbuchen und der Staat soll die Kostenseite übernehmen, kann die volkswirtschaftliche Rechnung nicht aufgehen.
Nach alledem brauchen wir den politischen Willen, der Modelle umsetzt, mit denen das über Generationen bewährte eigenverantwortliche Wirtschaften der Familien auch in der modernen, durch ihre Mobilität geprägten Gesellschaft abgebildet wird. Dazu gehört ein einfaches und gerechtes Steuersystem, das nur die Erträge besteuert, die über die notwendigen Kosten der laufenden Lebenshaltung hinaus zur freien Verfügung verbleiben. Dann können auch Familien wieder frei entscheiden, welche Dienstleistung sie innerhalb der Familie selbst erbringen. Wenn sie dagegen möglichst viele Dienstleistungen einkaufen möchten, müssen sie selbst entscheiden, ob es sich lohnt, dafür einer zusätzlichen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Da aber Kinder die Zukunft unserer Gesellschaft tragen, muss sich die unter Einkommensverzicht erbrachte Elternarbeit ebenso als Rente niederschlagen wie eine gegen Entlohnung ausgeübte Erwerbstätigkeit. Denn es sind die Kinder, die später alle Renten finanzieren müssen und die nicht noch unter Einkommensverzicht Sonderleistungen an ihre Eltern erbringen können, damit diese im Alter nicht darben müssen.
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Näheres zum Autor: www.striewe-online.de
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