Extravagante Kindergeburtstage

von Tamara Rajakariar - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Kids und Geburtstagsfeiern. Was für ein Dilemma. Wie schon in einem Beitrag des SLATE angemerkt, reichen ein paar Luftballons, selbst gebackene Kuchen, Spiele und ein passendes Geschenk - oder, in meinem Fall, mein Vater verkleidet als Zauberer, der uns mit seinen Tricks begeisterte - längst nicht mehr. Selbst die angesagten Feiern meiner Kindheit (erinnert sich jemand noch an McDonalds Partys?) sind megaout und vorbei.

Ehrlich gesagt, hatte ich bis heute keinen Schimmer, wie Geburtstagspartys „extravaganter Kids“ ablaufen mögen, bevor ich den Artikel las. Doch im Nachhinein erkannte ich, dass ich schon gelegentlich über meine jüngeren Geschwister damit in Berührung gekommen war. Diese waren auf Kindergeburtstagen, von denen sie CDs mitbrachten, auf denen ihre persönlichen Partyerinnerungen aufgezeichnet waren; wo „NERF-Blaster“ zum Ballern zur Verfügung standen; wo Haarstyling und Schminken geboten wurden. Für die sehr Betuchten werden auch Partys in Ski-Resorts oder Fahrten in Luxus-Limousinen angeboten. Wenn man die Atmosphäre der eigenen Villa hingegen vorzieht, muss die Party schon von einem renommierten -und teuren- Entertainer geschmissen werden. Nur zur Erinnerung: wir reden hier nicht über 21jährige, sondern über niedliche Zwerglein.

Wie kommt es zu dieser Entwicklung? Sind die Eltern oder die Kinder daran schuld? Hier ist meine Sicht darauf:

Die Eltern glauben, dass jeder es tut und man mithalten muss.

Ich will realistisch sein. Sicher bin ich nicht die Einzige, die in diesem Jahr mindestens schon 10 Geburtstagskuchen mit opulenten Figuren aus dem Disney-Film Eiskönigin gesehen hat. Wenn Eltern glauben, dass bestimmte trendige Renommierstücke für die Party nötig und hinreichend extravagant sind, und wenn sie es sich leisten können, was sollte sie daran hindern?

Elterliche Liebe demonstrieren.

Ich glaube nicht, dass Absicht dahinter steckt, doch sind Kindergeburtstage eine gute Gelegenheit, sich als formidable Eltern zu präsentieren. Es ist eine öffentliche Demonstration von Liebe, wenn man so will, wobei der Level an Großzügigkeit und einzigartiger Bespaßung das Maß an Liebe darstellen soll, das Eltern für ihr Kind empfinden. Es gibt wohl keine Eltern, die in diesem Zusammenhang einen schlechten Eindruck machen wollen.

Die Kids verlangen es.

Kids sind wunderbar, doch sind viele heutzutage bis ins Mark verwöhnt. Sie verlangen viel und wenn sie sehen, was andere Kinder haben, wollen sie genau das auch noch, oder mehr davon, oder etwas Besseres. Es ist unwahrscheinlich, dass sie zur Themenpark-Party ihres Freundes gehen und sich dafür begeistern lassen, den eigenen Geburtstag zu Hause zu feiern.

Es macht sich besser in den Sozialen Medien.

Wer wird wohl mehr „likes“ auf Facebook einheimsen - ein paar Kids mit Party-Hütchen oder euer 5jähriger Liebling vor einem professionell arrangierten Erlebnisbuffet mit Süßigkeiten und einer Hüpfburg? Traurig, aber wahr!

Natürlich muss man sich fragen, ob das alles sooo schlecht ist. Ist es schlecht, Erinnerungen an die Meilensteine, die ein Kind im Leben nimmt, zu schaffen und an solchen Tagen die Spendierhosen anzuziehen? Selbstverständlich kann und will ich nicht die Absichten der Eltern bewerten und im Übrigen hat jede Familie ein anderes Budget. Doch persönlich glaube ich, dass es Wichtigeres für ein Kind gibt, als ausgefallene Partys. Solange ein Kind sich wirklich geliebt und umsorgt weiß und seine Eltern die besten Absichten für es im Herzen haben, spielen opulente Feierlichkeiten wohl keine Rolle. Was meinen Sie?