Neue Buchrezensionen

Rezension von Horst Hennert
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Albert Wunsch
In Verlässlichkeit und Liebe das Leben teilen?,
Kirche und Gesellschaft, Heft 407, 2014
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In diesem Heft zeigt er den Ehepaaren praktische Wege auf, wie sie verhindern können, dass ihre Ehe „leerläuft“, im Alltag aufgrund von Gewöhnung und Unaufmerksamkeit „unter die Räder“ kommt. Ohne Anstrengung, ohne beiderseitige Bemühungen in die Beziehung immer wieder neu zu investieren, ohne sich selbst zu korrigieren und weiter zu entwickeln, kann eine Ehe auf Dauer nicht gelingen. Wer meint, das „Gefühl der Liebe“ würde von alleine ein Leben lang eine Beziehung tragen, der unterliegt meist einem gefährlichen Irrtum. Ohne eine ständige Investition in die gemeinsame Beziehung geht es nicht, und die beginnt schon mit einer ernsthaften Vorbereitung und der Arbeit an der eigenen Persönlichkeit in frühen Jahren in der eigenen Familie.

Gute Startvoraussetzungen haben die Paare, die sich auf ein gemeinsames Werte-Fundament stützen können, die sich in grundsätzlichen Fragen einig sind, die dasselbe Ideal von Familie und Erziehung haben. Aber auch sie müssen sich darum bemühen, durch gemeinsames Tun und Erleben diese Basis immer wieder zu aktualisieren und zu festigen, damit sie nicht irgendwann in eine Selbstverwirklichungs-Krise geraten, wie es heute vielen Eheleuten passiert, die dann blind werden für die Bedürfnisse des anderen und der ganzen Familie. Auf die provokante Frage: „Was müssen Paare tun, damit ihre Beziehung zerbricht?“, antwortet der Autor mit dem Wörtchen: „Nichts!“ und macht damit deutlich, dass jede Beziehung mit anderen Menschen Arbeit erfordert, erst recht die engste, wie sie die Ehe darstellt. Ein bedenkenswerter Ansatz für die Synode über die Familie!

Wer dazu weitere ganz praktische Ratschläge für den Ehealltag bekommen möchte, dem sei die ausführliche Schrift des Autors zu diesem Thema empfohlen: „Boxenstopp für Paare – An welchen Schrauben Sie drehen können, damit Ihre Beziehung rund läuft.“

Rezension von Nikolaus Kolbe
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Leonore Schumacher
Die Stadt im Feuer
Nachdenken über Russland
Christiana im fe-Medienverlag
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Die Deutung des pneumatischen Phänomens Russland, sowie Versuche, die übergeschichtliche Idee des russischen Volkes aus dem Gewirr ständig wechselnder historischer Epochen herauszuhalten, waren schon immer schwierige Aufgaben. Mit kühl abwägendem Verstand allein ist das Land, das so schicksalhaft in die Weltgeschichte eingegriffen hat und dessen Rolle in ihr noch längst nicht abgeschlossen ist, nie zu ergründen. Eines aber muss in jedem Fall im Auge behalten werden: Aus seiner authentisch christlich-morgenländischen Tradition herausgelöst kann weder Russland noch unsere eigene Zukunft verstanden werden.

Die Autorin hat keine Scheu, die Wahrheit beim Namen zu nennen und auch unerwartete Vergleiche aufzuzeigen. In vielschichtiger Weise gelingt es ihr, die verborgenen Wurzeln der im neuen Micro-Nationalismus nachwirkenden ersten großen atheistischen Diktatur des Bolschewismus aufzudecken. Zunächst noch fern von aktuellen Parallelen wird dem Leser nicht verschwiegen, dass der das Russische Reich in eine totale Diktatur verwandelnde Hassprediger Lenin von amerikanischen und westeuropäischen „progressiven“, „interfraktionellen“, kapitalstarken Netzwerken zur Machtergreifung gebracht worden ist. Die heutige mediale Darstellung, von westlicher Seite hätte es keine verdeckten Einmischungen gegeben, ist allerdings ohnehin längst widerlegt.

Die wesentliche Leistung der Autorin besteht darin, anhand der wahrhaft dramatischen, aber voller Liebe geschilderten Geschichte ganz Russlands wie im Zeitraffer unsere eigene Zukunft zu erschließen. Nur der Blick aus wahrhaft großer Höhe lässt wie beim Aufreißen der Wolken erkennen, dass wir wohl selbst am Beginn einer mit Brot und Spielen kaschierten westlichen Meinungsdiktatur mit vergleichbaren oder sogar den gleichen Protagonisten leben (Diktatur des Relativismus). Zwar pflegen wir uns bei feierlichen Gelegenheiten mit christlichen Attributen zu schmücken und die Fassaden der Kathedralen stehen noch. Doch wird unsere aktuell unter Mitwirkung oberster Gerichte wieder vorangetriebene Loslösung von allen christlichen Bindungen, Zeichen und sittlichen Normen immer deutlicher erkennbar.

Die „Befreiung“ von authentischen religiösen Postulaten und sittlichen Werten ist aber - wie die Autorin eindrucksvoll nachweist - der Kern und das innerste Wesen des Bolschewismus aller Art, auch des modernen pseudoliberalen Bolschewismus neuer Art. Dabei weist die Bezeichnung darauf hin, dass auch heute innerlich verfaulende winzige Minderheiten dabei sind, den haltlos gemachten, beliebig manipulier- und beherrschbaren neuen Menschen hervorzubringen, einen stolzen homo-americanicus 6.0, was nun gerade in Russland nicht mehr funktioniert. Denn ausgerechnet Russland erlebt im Gegensatz zu westlichen Ländern eine Zeit der tiefen religiösen Neugeburt: Millionen von Menschen kehren - abseits der selektiven Medienberichte westlicher Parteiensender - zu Gott zurück; überall werden Kirchen und Klöster gebaut. Die russisch orthodoxe Kirche ist heute eine der Kirchen mit der stärksten Wachstumsrate. Sie hat keinen Mangel an Berufungen, im Gegenteil: Tausende von jungen Männern treten in ihre theologischen Seminare ein, um ihr Leben Gott zu weihen. Die Verehrung der Beschützerin Russlands war ohnehin nie vergessen.

Gerade darum richtet sich jetzt erneut der gesamte satanische Hass westlicher Geldgeber und Meinungsmacher, ohne die in einstmals bewunderten Staaten niemand Präsident wird, gegen das schon wegen seiner Millionen Märtyrer unaufhaltsam wiederauferstehende christliche Russland. Weil dort nach biblischen sieben Jahrzehnten atheistischer Diktatur, die die Autorin mit größter Anschaulichkeit schildert, die allein freiheitssichernde und zukunftsweisende Bedeutung der innerlich gelebten Gottesbeziehung wieder erkannt wird.

Die nur scheinbar überlegenen zutiefst antichristlichen, jede echte Diskussion verweigernden (Möchtegern-) Weltenherrscher, die seit Jahren versuchen, der ganzen Welt ihr säkularistisches Monopolmodell (einschließlich Frühsexualisierung und Kindestötung) mal subversiv, mal aggressiv aufzuzwingen, könnten bald auch wieder bereit sein, das weit genug entfernte Europa in ein neues Totenfeld zu verwandeln. Der Blick auf die nachprüfbar schon steigenden Aktienkurse ihrer natürlich nur menschenfreundlichen Kriegsrüstungsunternehmen und die auffallend gleichlautenden faktischen Kriegsaufrufe ehemaliger Friedensfreunde sorgen schon jetzt für euphorische Stimmung und glänzende Gewinnaussichten verborgener Antreiber diesseits und jenseits des Atlantiks.

Wer inmitten unseres durch geistige Umweltzerstörung schon stark geschädigten medialen Ökosystems statt Kohlenmonoxyd wieder frische Luft und erfahrungsgesättigte Orientierung sucht, wird mit dem weit in die Zukunft weisenden Buch von Leonore Schumacher reich belohnt.