Bildungspolitik entideologisieren

Bildungspolitik entideologisieren
Die bildungspolitischen Schulkämpfe auf Länderebene dauern inzwischen seit 50 Jahren an. Jede neue Schülergeneration musste wieder als Versuchskaninchen herhalten für „neue wissenschaftliche Erkenntnisse“, die meist interpretiert wurden von einer einäugigen ideologischen Sicht, die nur das gelten ließ, was in das vorgegebene ideologische Konzept passte. Dabei dauern die Kämpfe um das gegliederte Schulwesen, das den hohen deutschen Bildungsstand jahrzehntelang gesichert hat, bis heute unvermindert an. Die Bundesgemeinschaft Gegliedertes Schulwesen (BGSW) hat dazu vor wenigen Tagen eine Resolution verabschiedet.
von Horst Hennert
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Kritische Bilanz über 50 Jahre Schulreformen

„Eine sorgfältige Prüfung bildungspolitischer Entscheidungen auf der Basis wissenschaftlicher und empirisch fundierter Erkenntnisse findet in vielen Ländern der Bundesrepublik nicht mehr statt“, so das vernichtende Urteil der BGSW, dem sich der Deutsche Elternverein e. V., der Deutsche Philologenverband, der Verband Deutscher Realschullehrer, die Landeselternschaft der Realschulen in NRW e.V., der Elternrat Hauptschulen NRW, der Landeselternverband Bayerischer Realschulen e.V., der Arbeitskreis Gesamtschule u.a. angeschlossen haben.
Die Hauptkritik richtet sich darauf, dass unbewiesen „längeres gemeinsames Lernen“ als Schlüssel für eine bessere Schulpolitik angesehen werde. „ Negative praktische Erfahrungen mit dem längeren gemeinsamen Lernen und wissenschaftliche Untersuchungen, die diese untermauern, wurden in der öffentlichen Debatte ignoriert oder zurückgehalten“, was dann ungeprüft zur Forderung nach Einführung der flächendeckenden Einheitsschule geführt habe, so lautet der Vorwurf. „Die Vorteile einer mit der 5. Jahrgangsstufe einsetzenden begabungsgerechten Differenzierung“ seien nicht zur Kenntnis genommen worden.
Auch die PISA-Ergebnisse bestätigten „die negativen Befunde über das längere gemeinsame Lernen aller vorangegangenen wissenschaftlichen Studien (siehe z. B. www.schulformdebatte.de)“!
So fordert die Resolution: „Eine qualitätsorientierte Auseinandersetzung über richtungsweisende bildungspolitische Entscheidungen für Deutschland ist daher dringend geboten.“ Mit dem Blick auf die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Niedersachen, Hamburg, Berlin, Bremen und dem Saarland, wo mit Einheitsschulen experimentiert wird, mahnt die BGSW: „Eine Bildungspolitik der falschen Voraussetzungen, der Ideologie und der gesellschaftspolitischen Wunschträume kann sich Deutschland nicht leisten.“
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Quelle: Resolution zur Bildungspolitik
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