Bürger stellen der Bildungspolitik ein schlechtes Zeugnis aus

Bürger stellen der Bildungspolitik ein schlechtes Zeugnis aus
Das Institut für Demoskopie Allensbach führte im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland und des Deutschen Philologenverbandes eine Repräsentativbefragung zur aktuellen Schul- und Bildungspolitik mit insgesamt 2.262 Interviews durch, davon 436 Interviews mit Eltern schulpflichtiger Kinder, um Aufschluss über die Bewertung der Situation an den deutschen Schulen zu erhalten und Orientierungen in der aktuellen bildungspolitischen Diskussion zu bekommen.
von Horst Hennert
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Die Schulreformen treffen nicht auf Zustimmung

Während die Schulreformer wieder einmal an strukturellen Veränderungen unseres Schulsystems basteln, halten Eltern wenig von Strukturreformen, sondern sie sind vor allem unzufrieden mit zu großen Klassen und Lehrern, von denen viele mit dem Unterricht überfordert seien. Ebenso wie bei der Befragung 2009 stehen für die Eltern nicht Strukturen sondern weiterhin folgende Punkte ganz oben auf der Wunschliste: Klassengröße, Stundenausfall, Sprachprobleme bei ausländischen Schülern und Vermittlung von mehr Allgemeinbildung. Von den Lehrern erwarten sie vor allem gute pädagogisch-didaktische Fähigkeiten, gutes Fachwissen, Motivationskraft und einen guten, verständlichen Unterricht.
Dementsprechend wenig erwarten sich die Befragten von der Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen. Nur ein Drittel der Umfrageteilnehmer rechnet damit, dass sich dadurch die Bildungschancen von Hauptschülern verbessern werden.
Auch mehrere Jahre nach Einführung der verkürzten Gymnasialzeit in den westlichen Bundesländern sprechen sich Eltern und Schüler mehrheitlich gegen die Verkürzung der Gymnasialzeit auf 8 Jahre aus, da sie bezweifeln, dass der bisherige gymnasiale Lehrstoff innerhalb der verkürzten Schulzeit bewältigt werden kann. Während 39 Prozent der Eltern von Schulkindern zum Abitur nach 13 Schuljahren zurückkehren wollen und weitere 32 Prozent zwischen achtjährigem und neunjährigem Gymnasium wählen möchten, ist das für die Ostdeutschen kein Thema, da in den neuen Bundesländern das Abitur nach zwölf Schuljahren schon lange üblich ist.
Gegen den Bildungsföderalismus

Besonders bemerkenswert ist, dass über 60 Prozent der Befragten die Kompetenz in Sachen Bildungspolitik auf den Bund übertragen sehen wollen - im Osten sind es sogar fast 80 Prozent. Die Bildungspolitik ihrer jeweiligen Landesregierung bewerten die Befragten schlecht: im Durchschnitt mit der Schulnote 3,57, wobei die Bundesländer in der Bewertung recht nahe beieinander liegen, Bayern schneidet mit 3,29 am besten, Schleswig-Holstein mit 4,19 am schlechtesten ab.
Der Wunsch nach einem bundesweit einheitlichen Schulsystem erwächst auch aus der immer größer werdenden Mobilität, weswegen viele einheitliche Abschlüsse und vergleichbare Prüfungen vorziehen.
Insgesamt lässt sich feststellen, dass die groß angekündigten Schulreformen beim Bürger nicht ankommen, da er nicht weitere Strukturreformen, sondern einfach einen besseren Unterricht erwartet.
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Hier finden Sie die gesamte Allensbach-Umfrage:
Allensbach-Umfrage zur Schulpolitik und zum Lehrerbild in Deutschland
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