Erkenntnis der Benachteiligung von Jungen setzt sich nur langsam durch

Erkenntnis der Benachteiligung von Jungen setzt sich nur langsam durch
Die Berliner Morgenpost hat in ihrer Ausgabe vom 11. März 07 einen Artikel veröffentlicht, in dem einmal mehr die Gründe für die Benachteiligung von Jungen in unserem Bildungssystem hervorgehoben werden. Gleichzeitig wird bedauert, dass keine entscheidenden bildungspolitischen Maßnahmen getroffen werden, um den Jungen in ihrer Bildung gerechter zu werden. Noch hat die Gender-Mainstreaming-Ideologie unser Bildungssystem fest im Griff.
Alle Statistiken kommen zum gleichen Ergebnis
Die Statistiken der letzten Jahre zeigen für Deutschland, dass in vielen Bereichen die Jungenproblematik weiter zunimmt, während in den letzten Jahren die Mädchen in vielen Bereichen die Sieger sind. Hier seien nur noch einmal einige Fakten ins Gedächtnis gerufen:
- Bei der Abiturientenquote liegen Mädchen bei inzwischen 55 %, Jungen bei 45 %.
- Fast 2/3 der Hauptschüler sind männlich, mehr noch gehen auf die „Sonderschule“
- ADHS (das „Zappel-Philipp-Syndrom“) tritt bei weniger als einem Drittel der Mädchen auf, ebenso Schulversagen und Leistungsverweigerung
- Bei der Berufsbildungsfähigkeit schneiden Jungen ebenfalls viel schlechter ab
- Gewaltauffällig werden zu 90 % Jungen
- Selbstmord kommt bei Jungen 10x häufiger als bei Mädchen vor.
Obwohl sich diese Negativ-Liste für Jungen noch verlängern ließe, hat das neue Gleichbehandlungsgesetz im Bildungsbereich noch nicht zu den dringend notwendigen Maßnahmen geführt. Noch ist diese Jungenproblematik nicht genügend in das öffentliche Bewusstsein eingedrungen.
Wissenschaftliche Erkenntnisse der Verschiedenheit von Jungen und Mädchen
Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Hirnforschung der letzten Jahre (vgl. Artikel auf erziehungstrends.de Mädchen haben die Jungen weltweit abgehängt und Christa Meves) weisen eindeutig die Unterschiede in der Gehirnstruktur von Jungen und Mädchen nach, die sich auf die Entwicklung, das Lernverhalten und die Stärken und Schwächen der Geschlechter auswirken.
Eine aktuelle Untersuchung konnte jetzt nachweisen, dass Mädchen ihre Feinmotorik in der Regel vor der Pubertät ausprägen, Jungen erst danach. Aus diesem Grund sind Jungen vor der Pubertät vorrangig grobmotorisch aktiv.
Auch bei der Lösung von Aufgaben unterscheiden sich Jungen und Mädchen voneinander. Jungen beginnen meist erst einmal spontan zu handeln und zu experimentieren, während Mädchen eine möglichst genaue Gebrauchsanweisung benötigen. Aus diesem Grund können mündliche Anweisungen in der Regel von Mädchen besser aufgenommen werden als von Jungen.
Damit bestätigt die Wissenschaft nur das, was jeder, der mit Jungen und Mädchen in Familie oder Schule zu tun hat, empirisch feststellen kann: der große Bewegungsdrang der Jungen, ihre Ungeduld und Konzentrationsschwächen. Sie sind nun einmal keine Mädchen.
Jungenbenachteiligung im Bildungssystem
Einige der schulischen Faktoren, die zu einer Benachteiligung von Jungen führen, sind folgende:
- In allen Erziehungsberufen haben Frauen die Mehrheit, in den Grundschulen sind 90 % der Lehrer weiblich, in den Kindergärten noch mehr.
- Die Jungen finden keine männlichen Identifikationspersonen, da auch in vielen Familien der Vater fehlt.
- Mädchen verhalten sich meist ruhiger in der Klasse als die „wilden“ Jungen. Daher sind sie „beliebter“ beim Lehrerpersonal und werden meist besser benotet, vor allem von den Lehrerinnen.
- Die mündliche Leistung fließt stark in die Benotung ein. Da Mädchen sprachgewandter sind, haben sie auch hier einen Vorteil gegenüber Jungen.
Unser Bildungssystem muss sich etwas einfallen lassen, wie es die deutliche Benachteiligung der Jungen korrigieren kann. Zunächst muss dazu die „Jungenproblematik“ stärker ins öffentliche Bewusstsein gebracht werden. Erst wenn allgemein erkannt und akzeptiert wird, dass hier ein wachsendes Problem auf die Gesellschaft zukommt, wird man entschiedener nach Lösungen suchen.
Sicher sind Jungenschulen, Jungengruppen und -verbände nur ein Weg, wie man sich gezielter auf die Jungen einstellen kann. Weitere Wege und Methoden, wie die schon mancherorts geübte jahrgangs- oder fächerbezogene Trennung der Geschlechter (reflexive Koedukation) sind zu suchen, um nach der noch vor Jahren berechtigten Konzentration des Bildungswesens auf die Mädchen nun dasselbe mit den Jungen geschieht.
Die Berliner Morgenpost kommt zu dem Schluss: „ Entweder werden Jungen gleichbehandelt, so dass sie die gleichen Chancen haben, oder sie bilden die Basis für eine sozial verursachte Gewaltexplosion, die mit Hilfe eines Bildungssystems hätte verhindert werden können, das den Jungen andere Perspektiven bietet, als ihre Männlichkeit durch Körperverletzung, Sachbeschädigung und Aufruhr unter Beweis zu stellen.“
-----
Link
>Berliner Morgenpost: Gleichbehandlung und Erziehung: In der Schule gibt es keinen geschlechtsneutralen Unterricht. Warum Jungen benachteiligt werden.
Taxonomy upgrade extras: